Etikettenschwindel: Die heile Welt der Werkstätten

Veröffentlicht am von Ottmar Miles-Paul

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Bild: DLF

Köln (kobinet) "Etikettenschwindel - Die heile Welt der Werkstätten für Menschen mit Behinderungen" lautet der Titel eines 44minütigen Dossiers von Dorothea Brummerloh, das vor kurzem im Deutschlandfunk gesendet wurde.

"Es ist eine kleine Welt für sich, die 700 anerkannten Behindertenwerkstätten landauf, landab. 300.000 Menschen mit den unterschiedlichsten Behinderungen arbeiten dort. Politisch korrekt nennt man die Behindertenwerkstätten jetzt "Werkstätten für behinderte Menschen". Behindert sagt man nicht mehr - so fordert es die UN-Behindertenrechtskonvention (BRK)", heißt es in der Ankündigung für den in der Mediathek der ARD eingestellten Radiobeitrag. Die Geschäftsführerin der Intereressenvertretung Selbstbestimmt Leben in Deutschland (ISL), Dr. Sigrid Arnade, kritisiert in dem Beitrag u.a., dass die Werkstätten für behinderte Menschen ihren Auftrag nicht erfüllen und spricht über die mangelnde Umsetzung der UN-Behindertenrechtskonvention in diesem Bereich.

Link zum Dossier

Lesermeinungen zu “Etikettenschwindel: Die heile Welt der Werkstätten” (1)

Von Gisela Maubach

Den Werkstatt-Etikettenschwindel versteht jede/r, die/der sich mal eine Lohnabrechnung eines Betroffenen im Förderbereich anschaut.

Wenn man da liest

Nettoverdienst 99,55 Euro

und gleichzeitig

Pseudobrutto 2.223,00 Euro

stellt sich natürlich die Frage, warum Rentenversicherungsbeiträge gezahlt werden, die von einem Bruttolohn ausgehen, der 22 (!) mal so hoch ist wie der tatsächliche Bruttolohn.

Diesen Etitkettenschwindel par excellence versteht man, wenn man z.B. diesen Beitrag liest:

www.bagwfbm.de/article/345

Da ist in der zweiten Hälfte unter der Überschrift "Beurteilung aus der Sicht der Kostenträger" folgendes zu lesen (Zitat):

"Nach zwanzigjähriger Zugehörigkeit zur Rentenversicherung entsteht ein Anspruch auf Rentenbezug, der zur Kostenentlastung bei Wohnheimunterbringung bzw. bei der Hilfe zum Lebensunterhalt eingesetzt wird."

Damit beantwortet sich auch die Frage, warum der "Pseudobrutto"-Betrag 22 mal so hoch ist wie der tatsächliche Lohn.

Gelder, die ausschließlich dafür eingesetzt werden, um dem Sozialhilfeträger spätere Kosten zu ersparen, ohne dass der behinderte Mensch davon auch nur einen Cent selbst bekommt, festigen die Einrichtungsgebundenheit der Leistungen, so dass die Kostenträger immer in diese Richtung drängen werden - und um den Widerstand der Betroffenen möglichst gering zu halten, redet man eben diesen Etikettenschwindel schön . . .