Im Tandem bewährt

Veröffentlicht am von Hartmut Smikac

Prof. Dr. Swantje Köbsell
Prof. Dr. Swantje Köbsell
Bild: privat

Berlin (kobinet) Kürzlich hat der Allgemeine Behindertenverband (ABiD) die Ergebnisse des vom Bundesministerium für Arbeit und Soziales geförderten sowie gemeinsam mit der Alice-Salomon Hochschule Berlin und der Volkssolidarität Bundesverband e.V. durchgeführte Projekt "Alt werden mit Behinderung - mittendrin ein Leben lang" vorgestellt. Bestandteil dieses Projektes waren Interviews mit von Behinderung Betroffenen, die allerdings mit einer bisher nicht eingesetzten Methode durchgeführt worden waren: Mit Interviewer-Tandems.

In der Zeit der Vorbereitung des Projektes fand an der Alice-Salomon-Hochschule das Seminar "Behinderung in der Lebensspanne" statt, zu dem auch Mitglieder des ABiD eingeladen waren. Gemeinsam mit Frau Prof. Dr. Swantje Köbsell wurde dabei die Überlegung entwickelt, die Interviews für die Studentinnen und Studenten praktisch, im Tandem mit jeweils einem von Behinderung Betroffenen Interviewer, durchzuführen. Nach der erforderlichen Vorbereitung wurden so zehn Tandem-Teams gebildet, welche die erforderlichen 60 Interviews gemeinsam durchführten sowie für die wissenschaftliche Arbeit aufbereitet.

Diesen Tandem-Weg zu beschreiten, war anfangs, vor allem wegen der erforderlichen zeitlichen Abstimmung, wie uns Frau Professor Köbsell erklärte und erläuterte, nicht einfach. Aber er hat sich insgesamt als richtiger und wirksamer Weg erwiesen. Die Studentinnen und der Studenten der Sozialen Arbeit haben, so unterstreicht Swantje Köbsell, "aus erster Hand" Einblicke in die Lebensrealität von Menschen mit Behinderungen erhalten. Die gemeinsame Arbeit war ebenso für die behinderten Interviewer eine wertvolle Erfahrung, die unter ähnlichen Verhältnissen leben, wie die von den Interviewern Befragten. Das wurde im Verlauf der Konferenz in Berlin mehrfach von den Beteiligten bestätigt. Dadurch wurde die Gesprächsatmosphäre während der Interviews gelöster, freimütiger und konkret auf Kernpunkte konzentriert. Und letztlich haben die Interviews deutlich gemacht, dass es sehr wichtig ist, Menschen mit Behinderungen selbst zu Wort kommen zu lassen. Die behinderten Interviewerinnen und Interviewer erlebten das Projekt, wie Professor Köbsell bei der Auswertung der Tätigkeit der Interviewer-Teams zusammenfassend feststellen konnte, zugleich als Mut machend, die eigene Rechte deutlicher zum Ausdruck zu bringen, sie durchzusetzen und dabei auch andere Menschen mit Behinderungen zu unterstützen.