Vor 35 Jahren: Krüppeltribunal in Dortmund
Veröffentlicht am von Ottmar Miles-Paul
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Dortmund (kobinet) "13. Dezember 1981 in Dortmund. Im evangelischen Schalomgemeindehaus sitzen rund 400 Menschen dicht gedrängt vor einer Bühne, unter ihnen viele Rollstuhlfahrer, an einigen Stühlen lehnen Krücken. Es ist laut. Immer wieder stehen Menschen auf, es gibt Zwischenrufe. „Ja genau, so ist es! Aber bei uns im Heim ist es noch viel schlimmer!“ Empörung liegt in der Luft. Auf dem Podium sitzen Frauen und Männer mit und ohne Behinderung an einem Tisch, hinter ihnen Transparente. „Rehabilitation spart Rente und Sozialhilfe“ steht auf dem einen, „Endstation Werkstatt“ auf einem anderen. Darüber hängt ein großes Plakat: Krüppeltribunal 1981." So wird die Situation während des Krüppeltribunals, das heute vor 35 Jahren in Dortmund stattfand, im Blog von Rebecca Maskos mit Verweis auf MENSCHEN_1.12_Krueppeltribunal beschrieben.
Das Krüppeltribunal ist zusammen mit der Bühnenbesetzung während der Eröffnungsfeier zum UNO Jahr der Behinderten 1981 ein Symbol dafür, dass behinderte Menschen sich mit der ihnen zugewiesenen Opferrolle und der Rolle als Objekte der Fürsorge nicht mehr zufrieden geben, sondern ihre Menschenrechte engagiert und wenn es sein muss auch provokativ einfordern. Damals und in den Folgejahren fanden immer wieder Aktionen der Krüppel- und Behindertenbewegung statt, die die gesellschaftlichen Rahmenbedingungen herausforderten und schrittweise veränderten. Einer derjenigen, der bei der Tagung am vergangenen Freitag zu 35 Jahren Krüppeltribunal und 10 Jahre UN-Behindertenrechtskonvention an der Evangelischen Fachhochschule in Bochum nicht dabei sein konnte, weil er wie einige andere zwischenzeitlich verstorben ist, ist Gusti Steiner. Volker Schönwiese hat auf Facebook nun auf ein Video hingewiesen, in dem Gusti Steiner 1981 Kindern erklärte, wie er mit Rollstuhl lebt.
"Gusti Steiner, Aktivist der deutschen Behindertenbewegung, erklärt 1981 Kindern wie er lebt, z.B. wie er das WC und das Badezimmer benutzt und wie er unterwegs ist. Der Besuch von Gusti Steiner durch Kinder erfolgte im Rahmen eines Projektes zur schulischen Integration der Universität Dortmund zusammen mit zwei Schulklassen (Projekt unter Leitung von Dagmar Hänsel). Die Filmsequenz (15 Minuten) wird mit freundlicher Genehmigung von Birgit Rothenberg veröffentlicht." So heißt es auf der Ankündigung des Videos auf YouTube

Von Uwe Heineker
Ich war dabei und habe mit Gusti so manche Aktionen mitgemacht oder organisiert.
Angesichts der aktuell gegen uns gerichtete Gesetzgebung, z.B. das so"genannte" Bundesteilhabegesetz, und weil die damaligen Anklagepunkte noch bis heute gelten, sollte über eine Neuauflage des Tribunals nachgedacht werden ...