Viceroy's House - Politik in Bollywood
Veröffentlicht am von Franz Schmahl
Bild: ag
Berlin (kobinet) Die britische Regisseurin Gurinder Chadha präsentiert mit "Viceroy's House" ein Historiendrama, das aktueller nicht hätte sein können. Doch leider entscheidet sich Chadha gegen zu viel echte Politik und zeigt lieber Shakespeares Romeo und Julia in (oder besser als) Indien und Pakistan, schreibt heute kobinet-Korrespondentin Anke Glasmacher in einer weiteren Besprechung eines Films auf der Berlinale.
Von Anke Glasmacher
1947 in Indien. Die britische Kolonialherrschaft über das Land endet. Den Übergang soll als letzter Vizekönig Lord Mountbatten, Urenkel von Queen Victoria, überwachen. Doch je näher die Unabhängigkeit rückt, desto deutlicher werden die politischen Differenzen zwischen Hindus, Muslimen und Sikhs. In den Provinzen herrschen bürgerkriegsähnliche Zustände. Lord Mountbatten möchte zwischen den zerstrittenen Parteien vermitteln. Doch es wurden längst Fakten über die Aufteilung Indiens geschaffen, inhaltlich hat der Vizekönig nichts mit dem nach ihm benannten "Mountbattan-Plan" zu tun. Er, der das Land respektvoll in die Unabhängigkeit überleiten wollte, muss erkennen, dass er lediglich Figur im politischen Schachspiel der Weltmächte war.
Diese Geschichte ist aktuell, politisch und erklärt uns viel über die heutige Zerrissenheit der Welt. Wie viele Kriege und Konflikte resultieren daher, dass große Wirtschaftsmächte schon vor langer Zeit damit begonnen haben, sich die Zugänge zu Ressourcen zu sichern. Und dafür Ländergrenzen zogen, die keine Rücksicht auf historisch und regional gewachsene Strukturen nehmen.
Der Film erzählt ein Lehrstück. Nur: "Viceroy's House" von Regisseurin Gurinder Chadha (u.a.: "Kick it like Beckham") vertraut nicht auf die Kraft der eigenen Geschichte. Da wird dann eine Liebesgeschichte zwischen einer muslimischen und einem hinduistischen Angestellten des Vizekönigs konstruiert und in den Mittelpunkt des Films gestellt. Ein Paar, dass sich nicht lieben darf, weil die Frau einem anderen versprochen ist, weil Religion und schließlich die große Politik sie trennen. Die Muslimin geht in das neu gegründete Pakistan. Der Hindu bleibt im freien Indien, wirft unter lautem Protest dem Lord seinen Job vor die Füße und wird Flüchtlingshelfer. Und dann folgt ein Ende, wie wir es aus Bollywood-Filmen kennen, nur ein wenig farbloser.
Die Geschichte wird nicht greifbarer dadurch, dass wir im Abspann erfahren, dass die Familie der Regisseurin selbst von der Teilung des Landes, von Flucht, Vertreibung und Gewalt betroffen war. Und nicht überzeugender mit seinen immer mal wieder durchscheinenden filmischen Anleihen an Sydney Pollocks Meisterwerk "Out of Africa" - dieser wirklich großen Erzählung über die tiefe Sehnsucht des Menschen nach Freiheit. Schade.
Der Film feiert auf der Berlinale seine Weltpremiere und läuft im Wettbewerb außer Konkurrenz.
