Führerschein-Check ab 75?

Veröffentlicht am von Franz Schmahl

Adolf Bauer
Adolf Bauer
Bild: SoVD

Hannover (kobinet) Führerschein-Checks ab 75? Der Sozialverband Deutschland (SoVD) findet das diskriminierend. Adolf Bauer, Vorsitzender des Sozialverbands in Niedersachsen, kritisierte heute Vorschläge des Vorsitzenden des Seniorenbeirats der Region Hannover zur Einführung eines verpflichtenden Führerschein-Checks für Ältere. „Es gibt keinen Grund für gesetzliche Regelungen. Man kann doch nicht alle Senioren über einen Kamm scheren", ist Bauer irritiert.

Auch Jürgen Mroz, Vorsitzender des SoVD-Kreisverbands Hannover-Land, kann sich allenfalls freiwillige Lösungen vorstellen: „Wer sich nicht sicher ist, ob er noch fahrtauglich ist, kann einen Arzt aufsuchen, der dann Empfehlungen ausspricht", so Mroz. Er könnte sich Tests der Augen und der Wahrnehmungsfähigkeit in ein- bis zweijährigen Intervallen vorstellen. Eine gesetzliche Festschreibung sei aber nicht nötig und völlig unsinnig.

Bauer bringt die Kritik des SoVD auf den Punkt: „Alle reden von Inklusion – dann muss das Recht auf ein selbstbestimmtes Leben auch für Senioren und deren Wunsch, das Auto als erforderliche Mobilitätshilfe einzusetzen, gelten." Es sei ja nicht so, dass man nicht richtig Auto fahren könne, nur weil man nicht mehr gut zu Fuß sei. Fahrtüchtigkeit sei keine Frage des kalendarischen Alters. Man müsse den Gesetzgeber nicht noch zu solch einem Unsinn auffordern. Außerhalb eines erschlossenen Bus- und Bahnnetzes ist man im Flächenland Niedersachsen oft zu 100 Prozent auf das Auto angewiesen.

Lesermeinungen zu “Führerschein-Check ab 75?” (10)

Von Ernst

@ von TomTom -

Wieso müssen dann deutsche LKW-Fahrer ab dem 50. zur ärztlichen Untersuchung und dafür hunderte Euronen berappen damit sie ihren LKW-Lappen behalten dürfen, während sich " befreundete" Fahrer aus anderen Ländern auf ihren "Bock" setzen , wann u.wie sie wollen!?!

Deutschland ist halt immer vorbildlich wenn es was zu kassieren gibt. Macht man beim Augenarzt eine Vorsorgeuntersuchung und lässt sich den Befund dann geben,( schriftlich) wird dieser nicht bei der Führerscheinstelle anerkannt. Erst wenn man dieses spezielle Formular vorlegt was einen ca. 100,00 € kostet ist dann die Behörde zufrieden. Beim Hausarzt das gleiche Theater und dann kommt vielleicht noch hinzu, dass wenn man glück hat im ermessen der Behörde zur MPU muss nur weil ein Befund die Behörde nicht ganz überzeugt. Der ADR Schein ist das gleiche Dilemma alle 5 Jahre, nur abzocken mehr nicht.
Die Busfahrer müssen ab 50 alle zwei Jahre gehen und schon allein mit Diabetes bist da deinen Schein los, darfst aber dann zahlen wenn der Chef nicht die Kosten übernimmt, denn du willst ja arbeiten oder musst die Familie ernähren nicht die Behörde.

Von Tomtom

Verstehe die Aufregung nicht . "We all live in America" ?Habt ihr doch so gewollt , also regt euch nicht auf , wenn wir auch in diesem Bereich amerikanische Verhältnisse bekommen ! Mit diesem Vasallenpflicht. Und Diskriminierung ? Wir leben angeblich in einem vereinten Europa. Wieso müssen dann deutsche LKW-Fahrer ab dem 50. zur ärztlichen Untersuchung und dafür hunderte Euronen berappen damit sie ihren LKW-Lappen behalten dürfen, während sich " befreundete" Fahrer aus anderen Ländern auf ihren "Bock" setzen , wann u.wie sie wollen!?! Gleiches Recht für Alle gilt eben auch in dem Bereich nichts . Nix mit " Liberté , Equalité , Fratenisé .

Von Signe

@ Lesebrille:
Mir sind einige ü 80 bekannt, die einen Elektrorollstuhl sehr verkehrssicher fahren.
Diesen Betreffenden den Elektrorollstuhl wegzunehmen, nur, weil sie ü 75 sind, undenkbar für mich.
Und nun noch diese Schwerstbehinderten einer Prüfung der Fahrtauglichkeit zu unterziehen, auch undenkbar für mich.
Bald darf man wohl keinen Atemzug mehr machen, ohne eine Atemprüfung bestanden zu haben.
Es leben die Test-Prüf- und Misstrauensrepublik (Ironie aus).

Von Lesebrille

@Signe:

Warum Sie suggerieren wollen, dass ein Führerschein-Check identisch sei mit dem Absprechen der Fahrtüchtigkeit, konnten Sie mir immer noch nicht schlüssig darlegen. Gäbe es ein Absprechen, brauchte es keinen Check, da wird einfach automatisch der "Lappen" eingezogen!

Nur weil junge Menschen ebenfalls furchtbare Unfälle verursachen, soll man die rasante Steigerung ab einem gewissen Alter ignorieren?

In so vielen Berufen sind solche Checks alle paar Jahre aus Sicherheitsgründen dran. Bei Pilot*innen hängt die Häufigkeit übrigens vom Lebensalter ab. Halten Sie das auch für eine Diskriminierung im Alter?

Übrigens gibt es kaum alte bis hochbetagte Menschen, die einen Elektrorollstuhl genehmigt bekommen, Sie brauche also keine Ängste zu haben, mein Statement könnte da Furchtbares zur Folge haben..., da sind die Vorurteile Legion, die ich übrigens in keiner Form teile.

Dennoch fahre ich E-Rolli (und kein Auto) und stelle mich meiner Verantwortung im Strassenverkehr. Ich denke daher von Trainingsstunden im Alter und würde sie selbst gerne in Anspruch nehmen.

Übrigens telefonierte ich gerade mit einem Freund, der in zwei Jahren siebzig ist und sagte, er fände, die Checks sollten bereits mit siebzig beginnen und verpflichtend sein, man schätze sich ja doch manchmal falsch ein. Da rechnet er sich selbst selbstverständlich mit rein.

Von Signe

(Teil 2 = Schluss)
Kudamm-Raser, siehe http://www.tagesspiegel.de/berlin/illegales-autorennen-in-berlin-staatsanwaltschaft-fordert-lebenslange-freiheitsstrafen-fuer-kudamm-raser/19418878.html

Und noch ein Jungster, allerdings auf der BAB, Höhe Wedding, siehe http://www.tagesspiegel.de/berlin/polizei-justiz/raser-in-berlin-mitte-mit-172-stundenkilometern-ueber-die-stadtautobahn/19420146.html

Und da wollen Sie mir, verehrte Lesebrille, was von Alten und deren Fahrtuntüchtigkeit im Straßenverkehr erzählen.

Von Signe

@ Lesebrille
Was halten Sie denn davon, nicht jede/n Alte/n über'n Kamm zu scheren, wie auch es Behinderte gibt, die es schaffen, noch im höheren und hohen Alter behende und verkehrssicher (unfallfrei) mit einem Elektrorollstuhl schneller Geschwindigkeit zu fahren?

Wenn Entscheidungsträger/innen Ihre Bedenken lesen, kann das ein offenes Einfallstor sein (rennen Sie sozusagen bei den ewigen Bedenkenträger/innen vom G-BA und den Krankenkassen) mehr als offene Türen ein, wenn sie nun noch Bedenken äußern zum Elelktrorollstuhlfahren im 'Alter'.

Manche Bemerkungen muss man für sich behalten, um nicht bei zum Beispiel den verdächtigen Bedenkenträger/innen (und sei es die Bedenken aus, wie auch immer, vorgeschobenen, finanziellen 'Gründen' [aka Totschlagargumente]) noch Wasser auf die Mühlen zu gießen.

Ich möchte, dass auch ältere Leute mit einem Elektrorollstuhl umherkurven. Bei Demenz werden sicherlich andere Möglichkeiten sein, mit dem Fahren eines PKWs beziehungsweise mit dem Nicht-mehr-Fahren eines PKWs (als Angehörige) umzugehen.
Das Verdächtigen einer gesamten Personengruppe (ab einem Lebensalter von 75 Jahren) hilft nicht weiter, da hier Alle und JedeR dieser Personengruppe einer Diskriminierung wegen Alters unterworfen wird.

Und wer bereits in Hauptstädten von Mittelzentren wohnt, kann arge Schwierigkeiten haben, in Nicht-Berufsverkehrs- und Nicht-Schülerverkehrszeiten vom Fleck wegzukommen.

Und auch alte Menschen wollen des Abends und gehen des Abends in Konzerte, die in Konzerthäusern in der Innenstadt stattfinden.

Leider laufen seit einigen Jahren mehr als Spitzbuben durch die Städte und da fühlen sich alte Menschen sicherer, wenn sie mit dem eigenen PKW unterwegs sind und nicht mit den Öffies.

Soviel Knete hat nicht jede/er Alte, um eben mal mit dem Taxi hierhin und dorthin zu fahren.

Und diese zwei Verkehrsrowdies waren übrigens keine Alten, die einen pensionierten Arzt zu Tode gefahren haben, sondern zwei junge Männer, siehe http://www.tagesspiegel.

Von Lesebrille

Mit einem verbindlichen Check würde man alle erreichen, die Vernünftigen und Unvernünftigen.

Ich habe bei meiner Freundin die Verzweiflung erlebt, als ihr Vater dement wurde, aber nicht mehr verstand, dass er nicht mehr Autofahren konnte, obwohl er ständig kleinere Unfälle baute.

Aber man muss auch gar nicht dement sein, um aus lauter Angst, dann immobil zu werden, auf den Führerschein nicht verzichten zu wollen.

Hier noch ein Link zum Thema:
http://www.spiegel.de/auto/aktuell/senioren-tuev-gesundheitscheck-fuer-senioren-koennte-unfaelle-verhindern-a-853994.html

Von Lesebrille

@Signe:
Sie sprechen von Altersdiskriminierung ohne sie inhaltlich zu begründen. Was sind Ihre Gründe?

Unter Diskriminierung würde ich verstehen, wenn alle Menschen ihren Führerschein mit 75 abgeben müssten, aber darum geht es nicht. Es muss doch auch im eigenen Interesse sein, zu wissen, ob man noch fahrtüchtig ist, oder nicht.

Ich verstehe die Angst dahinter, gar keine Frage! Ich habe selbst schon über 'Elektrorollstuhl und Alter' nachgedacht. Da wären die Folgen noch spürbarer, müsste ich darauf verzichten.

Aber ich weiss auch, dass im Alter die Seh- und Reaktionsfähigkeiten nachlassen können, das Gefühl für Tempo kann ein Stück weit verloren gehen. Das ist keine Altersdiskriminierung, sondern eine Folge des Alterns. Es muss auch nicht jedeN treffen, aber das Bewusstsein dafür, dass es uns treffen kann, sollte schon da sein!

Von Signe

Der so genannte Führerschein-Check ab einem Lebensalter von 75 unterfällt der Diskriminierung wegen Alters.

Ähnlich wäre es eine Diskriminierung jede Autofahrerin jeden Alters und jeden Autofahrer jeden Alters einem Psycho-Test zwangsweise zu unterziehen, ob nicht doch ein Hang zum Rasen mit dem Personenkraftwagen vorliegt.

Ebenso könnten Radfahrer/innen einem solchen Test unterzogen werden.

Von Lesebrille

Ich halte den Führerschein-Check für sinnvoll! Mit freiwilligen Lösungen ist das so eine Sache, die/der Eine tut's, die/der Andere lässt's... .

"„Alle reden von Inklusion – dann muss das Recht auf ein selbstbestimmtes Leben auch für Senioren und deren Wunsch, das Auto als erforderliche Mobilitätshilfe einzusetzen, gelten."" Was ist das denn für ein alberner Satz? Natürlich muss selbstbestimmtes Leben auch für Senioren gelten, das bestreitet auch - glaube ich - niemand. Aber keine Selbstbestimmung um jeden Preis, egal,ob ich mich oder andere gefährde!

Der Check verhindert das übrigens ebensowenig. Ein Check ist ein Check, mehr erst einmal nicht!

"Es sei ja nicht so, dass man nicht richtig Auto fahren könne, nur weil man nicht mehr gut zu Fuß sei." Thema verfehlt! Hier geht es allein um die Fahrtüchtigkeit.

"Außerhalb eines erschlossenen Bus- und Bahnnetzes ist man im Flächenland Niedersachsen oft zu 100 Prozent auf das Auto angewiesen." Das ist tatsächlich ein Problem. Aber will ich dem wirklich ein "Dann fahr ich, egal wie gut oder schlecht!" entgegensetzen? Ist es nicht vielmehr ein Anlass, ziemlich schnell Alternativen zu erarbeiten, damit die Selbstbestimmung nicht da endet, wo ich meinen Führerschein zurückgebe?