Kein Berufsverbot bei Misshandlung autistischer Kinder
Veröffentlicht am von Ottmar Miles-Paul
Bild: ht
Düsseldorf (kobinet) Sadistische Misshandlungen von Kindern mit Autismus im Namen zweifelhafter Therapien. Diese ereigneten sich vor gut zehn Jahren, ausgeführt von MitarbeiterInnen eines evangelischen Kinderheims in Hilden bei Düsseldorf von Educon, dem inzwischen aufgelösten Tochterunternehmen der Graf-Recke-Stiftung. Nun wurde das Urteil gesprochen. Zwei auf Bewährung ausgesetzte Strafen und eine Gefängnisstrafe über zwei Jahre und acht Monate kamen dabei heraus. Ein von der Staatsanwaltschaft beantragtes Berufsverbot erachtete das Gericht einem Bericht der Aachener Zeitung zufolge als nicht notwendig.
Und dieses Mal bedurfte es nicht einmal einer Undercover-Praktikantin wie zuletzt bei den Berichten des Team Wallraff oder bei der Aktion von Raul Krauthausen in einem Heim. Im Sinne des therapeutischen Wohles wurden 200 Stunden der sadistischen Taten aufgezeichnet, die auszugsweise im Gerichtssaal gezeigt wurden und schockierten.

Von Annika
Mir fällt bei solchen Berichten oder auch "Therapien" auf, dass die Menschen mit Behinderungen nicht so sein dürfen/sollen, wie sie es eben aufgrund ihrer Behinderung sind. Autismus kann man doch nicht wegtherapieren sondern nur die Umgebung so gestalten, dass der Mensch so gut es geht klar kommt und sich wohlfühlt. So ist es bei vielen Behinderungen...
Das Problem sind die Anderen, die damit nicht klar kommen, die Leute so zu akzeptieren, wie sie sind, und versuchen Macht auszuüben.
Von Lesebrille
Wenn schon das Lesen des Artikels unerträglich ist und an Praktiken in den Heimen aus den 50er und 60er Jahren erinnert, wie erst muss es für die betroffenen Kinder und Jugendlichen gewesen sein? Ich hoffe, sie bekommen nun die Threrapeut*innen und Helfer*innen zur Seite gestellt, die sie brauchen!
Dass kein Berufsverbot ausgesprochen wird, irritiert. In der Pflege/Assistenz haben Menschen, denen jegliches Gefühl für Menschenwürde und das Recht auf körperliche und seelische Unversehrtheit gegenüber Dritten, behindert oder nicht, abhanden gekommen ist, nichts zu suchen.
Aber das Gericht geht offenbar davon aus, dass sich das Verhalten der Angeklagten so nicht wiederholen würde, sonst würde man auch nicht unter dem Strafmass des Staatsanwaltes bleiben.
Da im Zeitungsartikel von der Leiterin kein Wort über ihre Opfer zu lesen ist, hat entweder die Zeitung einen Teil des Statementes unterschlagen, oder man kann/darf/muss davon ausgehen, dass der Dame das Selbstmitleid näher steht, als das Bewusstsein für die Auswirkung auf die Menschen, die sie stundenlang malträtierte. Eine Bitte um Verzeihung fehlt.
Dass die Strafen insgesamt so gering ausfielen, lag wohl an der Tatsache, dass die Täter*innen bisher keine Vorstrafen haben, und auch die Richterin weiss, dass eine längere Strafe kaum mehr Gutes bewirken würde. Dass das Strafmass das Gerechtigkeitsempfinden dabei nicht immer trifft, muss hingenommen werden. "Für immer wegsperren" ist eben gerade keine Lösung!
"Und vielleicht wieder eine Therapie zur Resozialisierung damit das begangene Verbrechen verarbeitet werden kann?" Rache ist kein Bestandteil deutschen Rechtes, und das ist auch gut so! Und ja, auf eine Therapie haben nicht nur die Opfer, sondern auch die Täter*innen bei einer psychischen Störung Anrecht. Das, sowie die Resozialisierung machen einen Rechtsstaat aus.
Von Dagmar B
Zitat ;
Im Sinne des therapeutischen Wohles wurden 200 Stunden der sadistischen Taten aufgezeichnet, die auszugsweise im Gerichtssaal gezeigt wurden und schockierten.
Zitat Ende
Das bayerische Sozialministerium unterstützt und rechtfertigt auch nach der Berichterstattung des Bayerischen Rundfunks über Missstände in bayerischen Heimen Folter als pädagogische Maßnahme !
Von Behindert_im_System
“Kein Berufsverbot bei Misshandlung autistischer Kinder”
„Es ist klar, dass ich schwere Schuld auf mich geladen habe”, sagt die 44-Jährige und schluchzt. „Ich wollte niemals ein Kind erniedrigen, quälen oder brechen. Ich habe es dennoch getan. Ich bin schuldig. Ich wache jeden Tag mit dem Gedanken auf: „Wie habe ich das tun können?””
Autistische Kinder sadistisch misshandelt: Haft für Gruppenleiterin - Lesen Sie mehr auf:
http://www.aachener-zeitung.de/lokales/region/autistische-kinder-sadistisch-misshandelt-haft-fuer-gruppenleiterin-1.1595118#plx995809379
Und vielleicht wieder eine Therapie zur Resozialisierung damit das begangene Verbrechen verarbeitet werden kann?
Wir haben schon einen Rechtsstaat, da kann einem schlecht werden.
Von kirsti
Der Bericht in der Aachener Zeitung über die sadistischen Misshandlungen, begangen von ErzieherInnen an autistischen Kindern, ist nur schwer zu ertragen; man müsste eigentlich darauf hinweisen, dass empfindliche Personen und Kinder unter 16 Jahren ihn nur auf eigene Verantwortung lesen sollten. Welche Horrorszenarien aus Heimen und Werkstätten muss man in diesem unseren Land noch ertragen?