Teilhabeberatung bietet auch Chancen für Beschäftigung
Veröffentlicht am von Ottmar Miles-Paul
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Bonn (kobinet) Torsten Prenner von der Servicestelle für behinderte AkademikerInnen und Arbeitgeber der Zentralen Auslands- und Fachvermittlung (ZAV) der Bundesagentur für Arbeit in Bonn sieht in der Ausschreibung für die unabhängige Teilhabeberatung und der damit verbundenen Schaffung von neuen Beratungsstellen auch große Chancen für die Beschäftigung behinderter Menschen. kobinet-Redakteur Ottmar Miles-Paul sprach mit ihm u.a. auch darüber, welche Unterstützungsmöglichkeiten die ZAV hier bieten kann.
kobinet-nachrichten: Die in Bonn ansässige Zentrale Auslands- und Fachvermittlung (ZAV) der Bundesagentur für Arbeit hat ja auch einen Bereich zur Vermittlung schwerbehinderter AkademikerInnen. Welche Position haben sie dort inne und was bietet Ihr Team genau an?
Torsten Prenner: Ich bin Berater und Vermittler für schwerbehinderte AkademikerInnen. Unser Team unterstützt sowohl die Arbeitgeber bei der Suche nach schwerbehinderten Fachkräften, als auch die Bewerber, die eine neue berufliche Perspektive suchen.
Bezogen auf die Arbeitgeber bieten wir bundesweit unsere Unterstützung bei der Personalsuche an, beraten die Arbeitgeber vor Ort und stehen als Ansprechpartner zu allen behinderungsbedingten Fragen zur Verfügung. Wir bauen Netzwerke auf und aus, mit dem Ziel, die Inklusion behinderter AkademikerInnen voran zu bringen.
Arbeitssuchende BewerberInnen beraten wir zunächst in einem persönlichen, telefonischen Gespräch oder - wenn gewünscht – auch per Videochat -, klären Wünsche und Perspektiven, um dann konkrete Beschäftigungsmöglichkeiten auf dem 1. Arbeitsmarkt zu finden. Voraussetzung, dass wir neben der Arbeitsagentur oder dem Jobcenter tätig werden, ist ein akademischer Abschluss und eine anerkannte Schwerbehinderung.
In den letzten Jahren konnten wir Projekte und Initiativen starten und so zusätzliche Beschäftigungsmöglichkeiten gewinnen. So zum Beispiel das gemeinsame Projekt mit der Uni Köln „PROMI-Promotion inklusive", in dem bundesweit zusätzliche Promotionsstellen eingerichtet werden konnten. Oder unsere Beschäftigungsinitiative bei den oberen und obersten Bundesbehörden, bei der befristete Einstiegsmöglichkeiten für schwerbehinderte AkademikerInnen bei verschiedenen Bundesbehörden akquiriert werden konnten.
kobinet-nachrichten: Die Ausschreibung für die unabhängige Teilhabeberatung zum Bundesteilhabegesetz steht ja nun förmlich kurz vor der Veröffentlichung und sieht auch das Peer Counseling vor. Sehen Sie dabei Möglichkeiten für neue Jobs für behinderte Menschen?
Torsten Prenner: Ich habe mich sehr gefreut, dass im Gesetzt steht, dass die Beratung von Betroffenen für Betroffene besonders berücksichtigt werden soll. Natürlich rechnen wir damit, dass viele schwerbehinderte AkademikerInnen, die entsprechende Berufsabschlüsse haben oder außerberufliche Erfahrungen in der Beratung sammeln konnten, eine neue Beschäftigung in der Teilhabeberatung finden werden.
kobinet-nachrichten: Welche Unterstützung könnten Organisationen, die sich um die Beratung bewerben von Ihnen bekommen, um behinderte Menschen beschäftigen zu können?
Torsten Prenner: Wir fangen jetzt an, bundesweit Bewerberprofile zu sichten und BewerberInnen anzusprechen. Sobald uns Arbeitgeber kontaktieren, möchten wir Profile potentieller Kandidaten vorschlagen können. Außerdem können wir im Einzelfall über unsere Förderinstrumente Erprobungen und Einarbeitungsphasen fördern. Desto früher die Organisationen sich bei uns melden, desto mehr Zeit haben wir für eine qualitativ hohe Personalvermittlung.
kobinet-nachrichten: Welche Hilfen wären für behinderte Menschen von Ihrer Seite aus möglich, die auf Jobsuche sind und ihre Chancen bei Bewerbungen bei potentiellen Beratungsstellen verbessern wollen?
Torsten Prenner: Wir werden mit den Bewerbern ihre beruflichen und regionalen Wünsche besprechen und die Bewerbungsunterlagen abstimmen. Außerdem klären wir, ob aufgrund der Behinderungen besondere Rahmenbedingungen am Arbeitsplatz notwendig sind. Dann können wir besprechen, welche Hilfen, wie zum Beispiel Arbeitsassistenz oder Arbeitsplatzausstattungen, nötig sind und wie wir diese Unterstützung zeitnah sicherstellen. Auch die Möglichkeit von Lohnkostenzuschüssen werden wir in jedem Einzelfall prüfen und ansprechen. Die BewerberInnen sollen gut informiert in die Auswahlgespräche gehen. Im Optimalfall gehen wir schon initiativ auf potentielle Arbeitgeber im Bereich der Teilhabeberatung zu.
kobinet-nachrichten: Wenn Sie zwei Wünsche im Zusammenhang mit der unabhängigen Teilhabeberatung offen hätten, welche wären das?
Torsten Prenner: Der erste Wunsch ist, dass tatsächlich viele Menschen mit einer eigenen Behinderung einen Arbeitsplatz in der Teilhabeberatung finden. Der zweite Wunsch ist, dass sich die neuen Beratungsstellen untereinander, aber auch mit den vorhandenen Beratungsstrukturen gut vernetzen. Häufig gibt es für verschiedene Fragestellungen schon sehr gute Lösungen. Durch eine gute Vernetzung können alle von diesen Lösungen profitieren.
kobinet-nachrichten: Vielen Dank für das Interview.
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