In Lübeck: Alleine in Not
Veröffentlicht am von Gerhard Bartz
Bild: ht
Lübeck (kobinet) In Lübeck lebt eine behinderte Frau ohne ausreichende Versorgung, weil der Assistenzdienst den Vertrag gekündigt hat. Wie die Lübecker Nachrichten vor Ostern berichteten, ist durch die Kündigung einer Mitarbeiterin des Pflegedienstes die Versorgung der Frau mit Assistenz total zusammengebrochen. Dennoch wehrt sie sich mit Kräften dagegen, in eine Anstalt abgeschoben zu werden. Die Frau ist schwerstbehindert und zudem krank. Zwar hilft ihr noch ihre Mutter. Diese ist jedoch mit ihren 80 Jahren nur noch sehr beschränkt belastbar.
Gedanken hierzu von kobinet-Redakteur Gerhard Bartz
Hier wird die Pflegesituation in Deutschland deutlich spürbar. Um Schrauben, um Anlagemöglichkeiten werden sich mehr Gedanken gemacht als um die Menschen. Dort, wo der Konsum möglich ist, werden die Straßen planiert und verbreitert. Geht es dagegen um Menschen, ganz egal in welchem Zusammenhang, egal ob es um Kinderhort oder Altenpflege, um kranke oder behinderte Menschen geht, ist kein Geld da. Schließlich ist dort für den Götzen Wachstum kein Futter enthalten. Angeblich. Dabei käme es lediglich auf die Formeln an. Auch ein Mehr an Menschlichkeit ließe sich bilanzieren. Aber eben nicht bei den Banken und Versicherungen. Die gegenwärtige Regierung muss sich, unabhängig davon, ob sie "christlich" oder "sozial" oder gar beides auf ihrer Fahne stehen hat, vorhalten lassen, dass sie auch im neuen Koalitionsvertrag den Wachstum der Wirtschaft über alles gestellt hat. Diesem sind jedoch längst Grenzen gesetzt. Also können wir Wege suchen und auch finden, die vorhandenen Mittel anders zu verteilen. Zum Wohle aller. Auch dem der Pflegenden! Damit nicht nur die Frau in Lübeck wieder am Leben teilhaben kann.
Link zum Beitrag in den Lübecker Nachrichten

Von kirsti
„In Lübeck alleine in Not“! Wie viele Ausrufezeichen sind hinter solchen Berichten notwendig, damit endlich eine Lobby für die alleingelassenen und entrechteten Behinderten entsteht? – Es ist unglaublich und unwürdig eines reichen Landes, unseres Deutschlands, das eine „Führungsrolle“ in der Mitte Europas einnimmt und für sich beansprucht, wie viele behinderte Menschen sich in Notlagen der Aussonderung und in der „Abschiebehaft“ in Heime und andere Sonderwelten befinden. Aber die Lobbyisten, sie scheinen und sind mit wichtigeren Dingen beschäftigt, als sich mit den tragischen und traurigen Einzelschicksalen zu befassen. Diese überlässt man der Fürsorge oder sich selber. Der Platz an der Sonne ist für die Wichtigen und Wichtigtuer aus anderen Sphären reserviert.- Wann erscheint das Ausrufezeichen der Verletzten und um ihr Recht Betrogenen: Es reicht In Lübeck, Ingolstadt, Freiburg und anderswo, mitten in Deutschland?