Nachruf für Bärbel Mickler
Veröffentlicht am von Andrea Schatz
Bild: Inken Jaacks
kobinet (berlin) Mit tiefer Bestürzung erreichte die kobinet Redaktion die Nachricht vom Tod von Bärbel Mickler. Sie starb am 2. April 2018 in Hamburg. Ich lernte Bärbel Mickler Anfang der 1990iger Jahre auf einer Selbstbestimmt-Leben-Tagung kennen und war sogleich von ihr eingenommen: klug, offen, pragmatisch. Letzteres zog mich als gelernte DDR-Bürgerin, denen man Pragmatismus nachsagt, besonders an. In den folgenden Jahren begegneten wir uns häufig auf frauenpolitischen Seminaren oder Konferenzen. Ich mochte ihre Ruhe und Besonnenheit, eine gewisse Leichtigkeit, mit der sie die Themen anging und vertrat. Ich habe viel von ihr gelernt und bin sehr traurig, dass wir uns nie mehr über den Weg laufen werden.
Im Mai 2018 wäre sie 55 Jahre alt geworden. „Sie wäre gern noch geblieben“, meinen Bine Martini, Rita Schroll und Julia Zinsmeister, die einen Nachruf für Bärbel Mickler verfasst haben, den wir hier veröffentlichen:
"Wir müssen von einer engagierten, kompetenten, beherzten und herzlichen Mitstreiterin Abschied nehmen. Als Sozialpädagogin, Peer Counselerin, Mediatorin, Supervisorin, Fachberaterin „Psychotraumatologie“, Moderatorin für Persönliche Zukunftsplanung, Autorin und Dozentin hat Bärbel viele Menschen mit und ohne Behinderungen ermutigt und unterstützt, eigene und neue Wege zu gehen.
Sie hat sich jahrzehntelang auf Bundes-, Landes- und kommunaler Ebene für ein selbstbestimmtes Leben behinderter Menschen und für die Rechte von Mädchen und Frauen mit Behinderungen auf ein gewaltfreies Leben eingesetzt. Bärbel war Mitbegründerin und langjährige Vorstandsfrau des Weibernetz e.V. - des Bundesnetzwerks für von FrauenLesben und Mädchen mit Behinderungen - und zudem am Aufbau der Bundesarbeitsgemeinschaft Leichte Sprache e.V. beteiligt. Auch in den beiden Bundesverbänden der blinden Menschen war Bärbel sehr engagiert. Auf Bundes- und Länderebene setzte sie sich besonders für die Belange der Führhundhalter*innen ein.
Vielen ist Bärbel noch als Mitarbeiterin von Autonom Leben e.V. in Hamburg bekannt. 2001 gründete sie dann zusammen mit engagierten Wegbegleiter*innen den Verein ForUM e.V. (Verein zur Fortbildung und Unterstützung für Menschen mit und ohne Behinderung e.V.), den sie bis zu ihrem Tod als Geschäftsführerin leitete.
Seit früher Kindheit blind, musste sich Bärbel das autonome Leben, das sie lebte, hart erarbeiten und erkämpfen. Sie tat es mit Zähigkeit, klugen Argumenten und ihrem unverwechselbaren Humor.
Diesen Humor, ihren starken Willen und ihre Lebenslust hat sie sich bis zum Schluss bewahrt. Bärbel ging offen mit ihrer Krebserkrankung um und konnte dank der Unterstützung ihrer Wegbegleiterin Bine und ihrer Freundinnen und Freunde bis zum Schluss ihren Alltag weitgehend selbstbestimmt gestalten.
Was bleibt, ist die dankbare Erinnerung an Bärbel, an ihre Selbstironie und ihren Wortwitz, an den großen Respekt, mit dem sie den Menschen stets begegnete, an ihren Mut, ihre Klarheit, Offenheit und Herzlichkeit."
