Lokales Bündnis für inklusiven Arbeitsmarkt
Veröffentlicht am von Franz Schmahl
Bild: J. Beuerlein/IHK Mittleres Ruhrgebiet
Bochum (kobinet) Einen Startpunkt für ein lokales Bündnis zu einem inklusiven Arbeitsmarkt setzte die Industrie- und Handelskammer (IHK) Mittleres Ruhrgebiet in Bochum. Gemeinsam mit der Interessenvertretung Selbstbestimmt Leben in Deutschland (ISL) hatte sie im Rahmen des Projekts Job-Win-Win eingeladen, um über die Chancen und Möglichkeiten der Beschäftigung von Menschen mit Behinderungen zu informieren.
ISL-Mitarbeiterinnen berichteten über die menschenrechtliche, die wissenschaftliche und die ökonomische Perspektive eines inklusiven Arbeitsmarktes. Mit dem Claudius-Hotel wurde ein Integrationsbetrieb aus Bochum vorgestellt. „VertreterInnen der IHK, ArbeitgeberInnen, Integrationsfachdienste und –firmen, ein Berufsbildungswerk und sonstige Interessierte tauschten sich nicht nur engagiert aus“, so ISL-Geschäftsführerin Dr. Sigrid Arnade in einer Pressemitteilung des Behindertenverbandes. „Sie verabredeten auch weitere Zusammenarbeit, um die Beschäftigungssituation behinderter Menschen zu verbessern und gleichzeitig dem Fachkräftemangel entgegenzuwirken.“ Solche lokalen Bündnisse stellen laut Arnade eine wichtige Etappe auf dem Weg zu einem inklusiven Arbeitsmarkt dar. Ihre Bildung anzuregen, sei eines der Ziele von Job-Win-Win.
Job-Win-Win ist ein Projekt, das aus dem Ausgleichsfonds beim Bundesministerium für Arbeit und Soziales gefördert wird. Es soll mit einem neuen Ansatz die berufliche Teilhabe von Menschen mit Behinderungen verbessert werden. Vor allem die Arbeitgeberinnen und Arbeitgeber in kleinen und mittleren Betrieben sollen durch Maßnahmen der Bewusstseinsbildung für die Beschäftigung schwerbehinderter Menschen gewonnen werden und in Netzwerken zusammenarbeiten.
Auf dem Foto v.l.n.r.: Margret Domke (Claudius-Hotel), Damaris Berger (Claudius-Hotel), Dr. Sigrid Arnade (ISL), Helmut Diegel (Hauptgeschäftsführer IHK Mittleres Ruhrgebiet), Anna Hollstegge (Sachgebietsleiterin Demografie und Gesundheitswirtschaft, IHK Mittleres Ruhrgebiet), Wiebke Schär (ISL)

Von Inge Rosenberger
Besonders erschreckend empfinde ich bei allen "Inklusionsbemühungen" die Fixierung auf die Bildungsfähigkeit und die wirtschaftliche Verwertbarkeit der Arbeit – also auf die Nützlichkeit des Menschen. Das ist zutiefst verletzend und entwürdigend – nicht nur für die betroffenen Menschen selbst . . .
Die ganzen Inklusionsbemühungen müssen endlich auf ihre Sinnhaftigkeit auch für Menschen mit schwersten und mehrfachen Behinderungen überprüft und angepasst werden, und zwar unabhängig von der Bildungsfähigkeit und der Fähigkeit, eine wirtschaftlich verwertbare Arbeitsleistung zu erbringen.
Von Gisela Maubach
"Job-Win-Win" - welch aussagekräftiger Begriff, der erneut deutlich macht, dass diejenigen, die zu behindert sind, um einen eigenen Beitrag für eine Win-Win-Situation leisten zu können, auch bei diesem "inklusiven" Thema schon wieder ausgeschlossen sind.