Noch 90 Tage bis zur Bundestagswahl

Veröffentlicht am von Ottmar Miles-Paul

Petra Groß
Petra Groß
Bild: omp

Kassel (kobinet) Petra Groß aus Kassel, die sich seit vielen Jahren schon für eine Leichte Sprache und für die Rechte von Menschen mit Lernschwierigkeiten einsetzt, hat kein Verständnis dafür, dass diejenigen, die in allen Angelegenheiten eine Betreuung nutzen, am 22. September bei der Bundestagswahl nicht wählen dürfen. Für sie ist klar, dass sie dieses Mal im Wahllokal in ihrer Nachbarschaft wählen geht, wenn in 90 Tagen die Bundestagswahl stattfindet. kobinet-Redakteur Ottmar Miles-Paul sprach mit Petra Groß über die bevorstehende Wahl.

kobinet-nachrichten: Petra, wirst du am 22. September auch zur Wahl gehen?

Petra Groß: Ja klar, das muss sein!

kobinet-nachrichten: Wählst du im Wahllokal oder per Briefwahl?

Petra Groß: Dieses Jahr wähle ich im Wahllokal, weil ich dieses Mal austesten will, wie das ist. Bisher habe ich immer Briefwahl gemacht.

kobinet-nachrichten: Was ist dir bei der Wahl besonders wichtig. Was erhoffst du dir von denen, die du wählst?

Petra Groß: Diejenigen, die sich für die Wahl aufstellen, sollten sich für behinderte Menschen einsetzen. Die Behindertenpolitik muss besser laufen und auch die Leichte Sprache ist dabei sehr wichtig.

kobinet-nachrichten: Du bist mit dabei, wenn die Aktion Mensch Wahllokale auf ihre Barrierefreiheit testet. Worum geht es da genau?

Peter Groß: Wir werden verschiedene Städte in ganz Deutschland besuchen und die Wahllokale durch Menschen mit verschiedenen Behinderungen testen.

kobinet-nachrichten: Du kannst am 22. September ja auch die Abgeordneten für den Hessischen Landtag wählen. Was ist dir dabei wichtig?

Petra Groß: Mir ist wichtig, dass die Politiker direkt den Kontakt zu behinderten Menschen suchen und zum Beispiel auch einmal in eine Werkstatt kommen. Denn viele wissen gar nicht, wie man wählt.

kobinet-nachrichten: Du nutzt ja selbst Betreuung und kannst wählen. Was hälst du davon, dass diejenigen, die Betreuung in allen Angelegenheiten nutzen, von der Wahl ausgeschlossen sind?

Petra Groß: Das finde ich nicht ok. Es sollen alle Menschen wählen dürfen, egal welche Behinderung sie haben.

 

Lesermeinungen zu “Noch 90 Tage bis zur Bundestagswahl” (3)

Von Pollis

Hallo zusammen

Ich finde es sehr wichtig das alle Wählen gehen dürfen auch wenn sie ein Betreuer haben es ist wichtig die wahl und ich helfe da wo ich kann und versuche auch dass die gewalt nicht sein darf so denke ich immer wir brauchen immer noch ein Frauenbeauftragte im Werkstatten und Wohnheime.

eure Petra

Von papacfish

Ich bin richtig sauer. Alle reden über Inklusion. Aber es passiert nicht viel. Wahlrecht für alle ist keine schwierige Sache. Doch nicht alle dürfen wählen. Andere Sachen sind viel schwieriger: zum Beispiel, dass man für seine Assistenz bezahlen muss. Wie lange müssen wir da noch warten. Oder wenn behinderte Menschen Gewalt aushalten müssen. Und die Täter nicht richtig bestraft werden.

Christian Papadopoulos, Bonn

Von Landesarbeitsgemeinschaft Selbstbestimmte Behindertenpolitik DIE LINKE

Die UN - Behindertenrechtskonvention sieht vor, dass alle Menschen am gesellschaftlichen Leben gleichberechtigt teilnehmen können. Dieser Gedanke muss gerade bei Wahlen gelten. Die behindertenpolitischen Sprecher in den Landtagen und im Bundestag setzen für die Belange der Betroffenen ein. Besonders Ilja Seifert ( Mitglied des Deutschen Bundestages) und Maik Nothnagel ( Mitglied des thüringischen Landtages) leisten hier eine wichtige Arbeit.
Wir freuen uns, dass sich Petra so für die Rechte behinderter Menschen einsetzt.