Partizipation und Teilhabe jetzt

Veröffentlicht am von Ottmar Miles-Paul

Karl Finke
Karl Finke
Bild: Irina Tischer

Hannover (kobinet) "Wir wollen die unmittelbare Teilhabe von Menschen mit Behinderungen - jetzt." Diese Aussage fand die ungeteilte Zustimmung der rund 170 Teilnehmerinnen und Teilnehmer, die an der Veranstaltung "Inklusion Praktisch" teilgenommen haben. Anlass der Veranstaltung war die Veröffentlichung einer Broschüre zum "Jahr der Inklusion", die der niedersächsische Landesbehindertenbeauftragte und der Landesrat für Menschen mit Behinderungen gemeinsam durchgeführt hat.

Bei seiner Begrüßung stellte der Landesbehindertenbeauftragte Karl Finke fest, "...dass heute, an einem normalen Werktag, fast 200 Menschen sich mit der Frage von Inklusion und wie diese umgesetzt werden kann, beschäftigen, zeigt, dass die Inklusion und damit die Bestimmungen der UN-Behindertenrechtskonvention langsam in der Zivilgesellschaft ankommen. Wir, die Menschen mit Behinderungen, werden auch in Zukunft der Motor sein müssen und wollen, um die UN-Behindertenrechtskonvention auch in Niedersachsen umzusetzen."

In ihrem Vortrag erläuterte die niedersächsische Sozialministerin Cornelia Rundt die von der niedersächsischen Landesregierung vorgesehenen Umsetzungsschritte. Eine wichtige Rolle spiele dabei die Fachkommission Inklusion. In dem Gremium erarbeiteten Experten in eigener Sache konkrete Schritte, wie das Thema Inklusion in so unterschiedlichen Bereichen wie Bildung und Wohnen, Gesundheit und Freizeit, Sport und Medien am besten verwirklicht werden könne.

In einem weiteren Vortrag erläuterte Prof. Dr. Marianne Hirschberg, die lange Zeit in der Monitoring Stelle zur Umsetzung der UN-Behindertenrechtskonvention gearbeitet hat, welche Verantwortung die Landespolitik wahrnehmen muss, um die UN-Konvention umzusetzen. Sie wies auf die Beweisumkehr zugunsten inklusiver Systeme hin. Dabei legte sie sehr viel Wert auf den partizipativen Prozess, denn eine UN-Behindertenrechtskonvention, die ohne die Beteiligung behinderter Menschen umgesetzt wird, kann nicht funktionieren. Es werden sich alle beteiligten Stellen des Landes Niedersachsen und letztendlich alle Behörden und alle Ministerien mit der Umsetzung befassen müssen.

In einem abschließenden Vortag erläuterte Alfons Adam, Gesamtvertrauensperson für schwerbehinderte Menschen bei der Daimler AG Bremen, wie in der Daimler AG Bremen Ausbildungsplätze für schwerbehinderte Menschen geschaffen werden und welche Prozesse dabei erforderlich sind. Er fordert klare Sanktionen bei Verstößen gegen die UN-Behindertenrechtskonvention im Bereich Arbeit. In diesem Zusammenhang wies er auch darauf hin, dass er genau so wie der Landesbehindertenbeauftragte der Ansicht ist, dass zur Umsetzung der Inklusion insbesondere zur Schaffung eines integrativen Arbeitsmarktes auch die Rechte der Schwerbehindertenvertretung in den Betrieben gestärkt werden müsse. Alfons Adam verdeutlichte dies am Beispiel eines gehörlosen Mitarbeiters.

Die Veranstaltung wurde mit einigen Szenen der "Weltenbrecher", eine Theatergruppe der Lebenshilfe Lüneburg-Harburg, inhaltlich begleitet. In kurzen, aber sehr eindrucksvollen Szenen wurden die Lebensträume der beteiligten Menschen mit Behinderungen vorgestellt.

Die zum Abschluss des Jahres der Inklusion erstellte Broschüre steht ab sofort zum Herunterladen im Internet auf der Internetseite des Landesbehindertenbeauftragten unter www.behindertenbeauftragter-niedersachsen.de bereit und kann per E-Mail in dessen Büro bei Frau Hoffmann-Glaß, E-Mail: [email protected] bestellt werden.