Unternehmen erhielten Inklusionspreis
Veröffentlicht am von Franz Schmahl
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Berlin (kobinet) Die Wirtschaft profitiert davon, Menschen mit Behinderung zu beschäftigen - das zeigen die fünf Unternehmen, die heute in Berlin mit dem Inklusionspreis 2013 ausgezeichnet worden sind. Der vom UnternehmensForum ausgelobte Preis wurde in diesem Jahr gemeinsam mit der Antidiskriminierungsstelle des Bundes und der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände vergeben. Er prämiert beispielhaftes Engagement in der Ausbildung und Beschäftigung von Menschen mit Handicap. "All diese Beispiele machen deutlich: Inklusion ist nicht nur möglich. Sie ist auch höchst sinnvoll und nutzt den Beschäftigten und den Unternehmen", sagte die Leiterin der Antidiskriminierungsstelle des Bundes, Christine Lüders, bei der Preisverleihung im Berliner Haus der Wirtschaft. "Wer Inklusion lebt, gewinnt. Vielfältige Teams sind kreativer. Sie schaffen ein besseres Betriebsklima und sichern den Ruf des Unternehmens als attraktiver Arbeitgeber."
In der Kategorie "Großes Unternehmen" wurde Volkswagen für sein vorbildliches Engagement gewürdigt. Besonders das Integrationsmanagement und die Umsetzung der UN-Behindertenrechtskonvention beeindruckte die Juroren, so die Pressemitteilung der Veranstalter. Ebenfalls ausgezeichnet wurde der Flughafen München, der mit einer Beschäftigungsquote von elf Prozent seine nachhaltigen Inklusionsaktivitäten unterstreicht. Er überzeugte in der Kategorie "Mittelgroßes Unternehmen" vor allem durch die Ausbildung junger Menschen mit sogenannter geistiger Behinderung.
In der Kategorie "Öffentliches Unternehmen" erhielten die Berliner Stadtreinigungsbetriebe den Preis für Maßnahmen zur Weiterbeschäftigung leistungsgewandelter Mitarbeiter: Externe Aufträge wurden nach innen verlagert, um behindertenspezifische Arbeitsplätze anbieten zu können.Der Biomarkt Geist aus dem baden-württembergischen Öhringen erhielt als überzeugendster "Kleinbetrieb" die Auszeichnung. Gleich drei junge Frauen mit Mehrfachbehinderungen bedienen hier die Kunden. Für ihr "Besonderes Engagement" wurde zudem der RO/SE Blechverarbeitung aus dem bayerischen Bad Birnbach der Inklusionspreis verliehen. Fast 60 Prozent der Beschäftigten haben eine Behinderung - darunter auch viele leitende Kräfte.
Schirmherr des Inklusionspreises war wieder der Beauftragte der Bundesregierung für die Belange behinderter Menschen. Hubert Hüppe lobte das Engagement der Preisträger: „Diese Unternehmen würdigen, was Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mit Behinderungen alles leisten können. Sie finden Lösungen und zeigen so, wo Menschen mit Behinderungen überall tätig sein können. Es gibt keinen Grund, warum nicht noch viel mehr Menschen mit Behinderungen auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt arbeiten sollten.“

Von Gisela Maubach
Ein anschauliches Beispiel für die Einteilung in eine Zwei-Klassen-Behindertenwelt findet man, wenn man den Namen Samuel Koch gemeinsam mit dem Wort "Wange" in die Suchmaschine eingibt.
Unzählige Medien verbreiten seine Erklärung, dass ihm ältere Damen in die Wange gekniffen hätten, denn (Zitat) "es gibt Leute, die von einer körperlichen Behinderung ganz schnell auf eine geistige Behinderung schließen".
Dieser Samuel Koch, der nicht wie ein Mensch mit geistiger Behinderung behandelt werden möchte, spricht als Schirmherr eines Kurzfilm-Wettbewerbs in Schulen und unterstützt angeblich den Wettbewerb gegen Ausgrenzung.
Wer sich selbst aber öffentlich gegen Menschen mit geistiger Behinderung abgrenzt, grenzt im Umkehrschluss Menschen mit anderen Behinderungen aus, mit denen er nicht in eine Schublade gesteckt werden möchte.
Ist es denn akzeptabel, wenn man Menschen mit geistiger Behinderung in die Wange kneift?
Warum übernehmen zahlreiche Medien, Selbstvertreter und Organisationen diese Darstellung, ohne ihrerseits zu hinterfragen, ob man überhaupt je nach Behinderung unterscheiden kann, wem man in die Wange kneifen kann und wem nicht?
Wer sich gegen grundsätzliche Ausgrenzung engagiert, müsste doch zunächst erkennen, dass uneingeschränkt keinem Menschen in die Wange gekniffen werden darf - auch nicht bei einer geistigen Behinderung!
Und wer so eine abgrenzende Darstellung von Samuel Koch kritiklos weiterverbreitet und/oder mit einem "like" versieht, beteiligt sich bewusst oder unbewusst an der Exklusion von Menschen, die (provozierend ausgedrückt) zu behindert sind, um sich gegen das in-die-Wange-kneifen wehren zu können.
Von Inge Rosenberger
(wann) sind wir so weit, dass Kosten und Nutzen bei Menschen mit Behinderung aufgerechnet werden?
(wann) gibt es ein Recht auf Förderung und Teilhabe nur noch für diejenigen, bei denen unterm Strich ein Plus steht?
(wann) werden nur noch diejenigen Menschen wahrgenommen, bei denen "Leistung", "Nutzen", "Gewinn" . . . zu erwarten ist?
Von behindertenrecht
Ob ich nun Frau Berger bin, oder nicht , die Erklärung
" Angehörige nutzen demjenigen, den sie pflegen", ist noch absurder, weil logisch .
Sie nutzen doch Ihren Sohn und das ist doch viel Wert, denke ich .
Von Gisela Maubach
Sehr geehrte Frau Berger,
Ihre Definition zum Wert des Lebens ("pflegende Angehörige nutzen stets jemanden") ist so absurd, dass sich jeder Kommentar dazu erübrigt.
Von behindertenrecht
Assistenz statt Bereuung würde Jeden nutzen und vorallem Inklusion für Jeden schaffen !
Von behindertenrecht
Auch pflegende Angehörige nutzen stets jemanden und das ist der Wert des Lebens ! Sie werden nur meistens arm dabei und so boomt die Wirtschaft weiter .
Wenn Nichtarbeitsfähige , dementsprechend auch nichts verdienen und Berufsbetreuer besser "entlohnt" werden, als ehrenamtliche, dann nutzt das natürlich am allerwengisten den schwerstbehinderten nichtarbeitsfähigen Menschen .
Assistenz statt Betreuung würde Jeden nutzen !
Von Gisela Maubach
Zitat aus dem Beitrag:
"Inklusion ist nicht nur möglich. Sie ist auch höchst sinnvoll und nutzt den Beschäftigten und den Unternehmen", sagte die Leiterin der Antidiskriminierungsstelle des Bundes, Christine Lüders, bei der Preisverleihung im Berliner Haus der Wirtschaft. "Wer Inklusion lebt, gewinnt."
Zitat-Ende
Sehr geehrte Frau Lüders,
bitte versetzen Sie sich mal in die Lage von pflegenden und betreuenden Angehörigen schwerstbehinderter Menschen, die niemandem "nutzen" und die für niemanden ein wirtschaftlicher "Gewinn" sind!
Ich empfinde es nach wie vor extrem diskriminierend, wenn der Begriff Inklusion auf den "Nutzen" von Menschen mit Behinderungen reduziert wird.
Die UN-Konvention interpretiert den Begriff Inklusion nicht (!) danach, ob die Wirtschaft von Menschen mit Behinderung "profitieren" kann!
Es ist sicherlich wirtschaftlich sinnvoll und auch wünschenswert, wenn für arbeitsfähige Menschen mit Behinderungen Arbeitsplätze geschaffen werden.
Aber Inklusion ist das noch lange nicht, denn Ihr Zitat "Wer Inklusion lebt, gewinnt" macht auf erschreckende Weise deutlich, welche Menschen mit welchen Behinderungen die "Verlierer" dieses missbräuchlich verwendeten Begriffes Inklusion sind . . . und welche Lobby arbeitsUNfähige Menschen mit Behinderungen überhaupt noch haben, wenn sogar die Antidiskriminierungsstelle Begriffe wie "profitieren", "nutzen" und "gewinnen" für das Leben von Inklusion zugrunde legt.
Auch in diesem Beitrag sind arbeitsunfähige Menschen (schon wieder) ausgeschlossen, wenn von "Menschen mit Behinderung" die Rede ist. Und daher könnte man vielleicht Integrationspreise vergeben, aber eine halbe Inklusion ist nun mal eine volle Mogelpackung!