Menschen mit Lernschwierigkeiten als Frauenbeauftragte
Veröffentlicht am von Ottmar Miles-Paul
Bild: Weibernetz
Kassel (kobinet) Anlässlich des internationalen Tages gegen Gewalt an Frauen am 25. November macht die politische Interessenvertretung behinderter Frauen Weibernetz auf das neue Projekt "Frauenbeauftragte in Einrichtungen. Eine Idee macht Schule" aufmerksam. In diesem Projekt sollen zusammen mit Mensch zuerst Multiplikatorinnen in zehn verschiedenen Bundesländern ausgebildet werden, um die Idee der Frauenbeauftragten in Einrichtung zukünftig weiterzutragen und zu stärken.
Bereits von 2008 bis 2011 förderte das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend das Projekt "Frauenbeauftragte in Wohnheimen und Werkstätten für behinderte Menschen". In dem Pilotprojekt wurden Frauen mit Lernschwierigkeiten aus 16 verschiedenen Einrichtungen geschult und unterstützt, um in ihren Werkstätten oder Wohnheimen die Aufgabe der Frauenbeauftragten wahrnehmen zu können. Nach Abschluss des Projekts war klar: In Zukunft muss es noch mehr Frauenbeauftragte in Werkstätten und Wohnheimen geben und dazu sind weitere Schritte notwendig. Die Anzahl der Frauenbeauftragten in Einrichtungen der Behindertenhilfe soll in den nächsten Jahren stetig erhöht und die Frauenbeauftragten bei ihrer Arbeit beraten und vernetzt werden. Dazu gehören zum Beispiel Beratungsmöglichkeiten bei Fragen und Problemen rund um die Arbeit von Frauenbeauftragten sowie die Möglichkeit der Vernetzung und des Austauschs untereinander.
In dem neuen Projekt, das vom Bundeministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend gemeinsam mit einer Reihe von Bundesländern gefördert wird, soll gemeinsam mit zwei Expertinnen mit Lernschwierigkeiten Frauen mit Lernschwierigkeiten dafür gestärkt werden, sich für Frauen in Einrichtungen einzusetzen. Die Ziele des Projekts sind dabei die Ausbildung von Multiplikatorinnen für die Schulung von Frauenbeauftragten in Einrichtungen aller Bundesländer, die Vernetzung und Unterstützung der "alten" und zukünftigen Frauenbeauftragten sowie eine verstärkte Öffentlichkeitsarbeit, um die Bundesländer und die bundesweite Öffentlichkeit für die Idee zu sensibilisieren. In einer Art Schneeballsystem sollen in den kommenden Jahren noch mehr Frauenbeauftrage und Unterstützerinnen nach dem in dem Pilotprojekt erarbeiteten Konzept ausgebildet werden. Denn Frauen mit Lernschwierigkeiten brauchen Anlaufstellen, um ihre Probleme und Schwierigkeiten in Einrichtungen zu thematisieren und gemeinsam mit anderen Frauen auf Augenhöhe nach Lösungen zu suchen.
Die Themen der Frauen in Einrichtungen sind dabei nach Informationen der MitarbeiterInnen des neuen Projektes vielfältig. Die Studie "Lebenssituationen und Belastungen von Frauen mit Behinderungen in Einrichtungen" habe gezeigt, dass gerade Frauen mit Lernschwierigkeiten in Einrichtungen der Behindertenhilfe häufig Gewalt erfahren. Die Frauen bewegten sich dort in einem Umfeld, das von Abhängigkeiten in unterschiedlichster Form geprägt ist und das Risiko dadurch erhöht, Gewalt zu erleben. Ein weiteres Thema ist die Ungleichbehandlung von Männern und Frauen in Einrichtungen. In vielen Werkstätten für Menschen mit Behinderung sind die verschiedenen Arbeitsbereiche immer noch geschlechterspezifisch aufgeteilt. Frauen arbeiteten oft in den traditionellen Frauenbereichen, wie Textilreinigung oder Küche. Ihre Arbeit werde als "leichtere Arbeit" bewertet und häufig schlechter bezahlt als die "schwere Arbeit" der Männer, die oft in den so genannten männerspezifischen Arbeitsbereichen, wie Metall- oder Holzverarbeitung arbeiteten, heißt es in der Presseinformation des neuen Projektes.

Von Pollis
Hallo zusammen
wir haben einen neuen Werkstattrat und in den sind 6 Frauen drine die mal lernen wollen was sie machen können oder dürfen würden uns freuen wenn es wieder was giebt in kassel
eure Petra
Von behindertenrecht
In einer Art Schneeballsystem sollen wahrscheinlich behinderte Menschen unter sich bleiben und ihre Probleme unter sich klären .
Es würde vielleicht noch Sinn machen, wenn sich behinderte Frauen gegenseitig unterstützen, wenn sie außerhalb von struktureller Abhängigheit leben und auf den regulären Arbeitsmarkt tätig sind , um Inklusion näher zu kommen .
So könnte in einer Art Schnellballsystem die strukturelle Abhängigkeit beseitigt werden .
Von Gisela Maubach
Zutreffender als Dagmar B hätte man es gar nicht ausdrücken können.
Wenn einerseits festgestellt wird, dass Frauen sich "dort" - also in Einrichtungen - in einem Umfeld bewegen, das von Abhängigkeiten in unterschiedlichster Form geprägt ist, dann stellt sich doch automatisch die Frage, warum dieses (durch das Familienministerium geförderte!) Projekt nicht die Abhängigkeit als solche in Angriff nimmt, womit auch denjenigen geholfen wäre, die ihre Probleme gar nicht selbst artikulieren können.
Und wenn als Beispiel für die Ungleichbehandlung von Männern und Frauen in Einrichtungen ausgerechnet die ungleiche Bezahlung in Werkstätten herhalten muss, dann grenzt das schon an Volksverdummung, denn da sowohl männliche als auch weibliche "Mitarbeiter" in Werkstätten in aller Regel grundsicherungsberechtigt sind (§ 45 Nr. 3 SGB XII), wird von dem Dumpinglohn lediglich ein Freibetrag ausgerechnet, der in § 82 Abs. 3 Satz 2 SGB XII sooo kompliziert erklärt wird, dass sogar Menschen ohne "Lernschwierigkeiten" kaum durchblicken können.
Wie Dagmar B schon wunderbar formuliert hat, entstehen die Abhängigkeiten nicht durch die Schwierigkeiten in der Selbstvertretung - sondern durch die Weigerung der Gesetzgebung, diese Abhängigkeiten abzubauen!
Von Dagmar B
Zitat:
Denn Frauen mit Lernschwierigkeiten brauchen Anlaufstellen, um ihre Probleme und Schwierigkeiten in Einrichtungen zu thematisieren und gemeinsam mit anderen Frauen auf Augenhöhe nach Lösungen zu suchen.
Zitat Ende
Was passiert denn mit denjenigen Frauen(Menschen),die sich nicht oder kaum artikulieren können?
Irgendwie wird hier ein seltsames Bild der Problematik wiedergegeben,bzw. das Problem taucht garnicht mehr auf.
Wenn ALLE Frauen mit Lernschwierigkeiten Ihre Bedarfe so eindeutig formulieren könnten,wenn die Abhängigkeiten nicht gerade durch die Schwierigkeiten in der Selbstvertretung entstehen würden,könnte man ja nochmal versuchen,in dem Artikel einen Sinn zu finden.
Zitat:
Frauen arbeiteten oft in den traditionellen Frauenbereichen, wie Textilreinigung oder Küche. Ihre Arbeit werde als "leichtere Arbeit" bewertet und häufig schlechter bezahlt als die "schwere Arbeit" der Männer, die oft in den so genannten männerspezifischen Arbeitsbereichen, wie Metall- oder Holzverarbeitung arbeiteten, heißt es in der Presseinformation des neuen Projektes.
Zitat Ende
Seit wann wird denn die Arbeit in Behinderteneinrichtungen gerecht bezahlt?
Da wird für Appel und Ei gearbeitet,und der Betrag von der Grundsicherung möglichst noch abgezogen,zuzüglich Essensgeld.
Bei Frauen und Männern.
Wo bitte bleibt denn nunmal die Realität?
Wann kommt denn mal was ohne Realitätsverzerrung über Menschen mit "Lernschwierigkeiten"