Selbst Aktiv sagt Nein zum Koalitionsvertrag
Veröffentlicht am von Ottmar Miles-Paul
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Hannover (kobinet) In einer Stellungnahme der Arbeitsgemeinschaft behinderter Menschen in der SPD Selbst Aktiv zur Koalitionsvereinbarung zwischen CDU, SPD und CSU kommt diese zum Schluss, dass diese aus Sicht von Menschen mit Behinderungen nicht ausreichend ist. "Wir sind keine Prüfobjekte Dritter. Deshalb lehnen wir die Koalitionsvereinbarung in der gegenwärtigen Form ab", heißt es klar und deutlich.
In einem Beschluss des Bundesvorstands der Arbeitsgemeinschaft behinderter Menschen in der SPD Selbst Aktiv hat sich die Arbeitsgemeinschaft klar positioniert: "Die Koalitionsvereinbarung mag in vielen Aspekten ausgewogen sein und die unterschiedlichen Interessen von SPD und CDU einbeziehen, aus Sicht von Menschen mit Behinderungen sind die zentralen Anliegen nicht konkret beantwortet worden", erklärte Karl Finke, der Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft. "Deshalb sind für uns die Herausnahme der Eingliederungshilfe aus der Sozialhilfe, ein eigenständiges Teilhabegeld, sowie soziale Leistungen oberhalb der Pflegeversicherung, jeweils ohne Einrechnung von Einkommen und Vermögen, unabdingbar. Zentral für uns ist ebenfalls, inwieweit das Partizipationsgebot der UN-Behindertenrechtskonvention bei dieser Koalitionsvereinbarung eingelöst wurde oder nicht. Alles Punkte auf deren Umsetzung behinderte Menschen gehofft haben, jedoch jeweils vergebens. Wir mussten draußen bleiben. So konnten wir in den entscheidenden Phasen als Expertinnen und Experten in eigener Sache auch nicht direkt mitentscheiden", heißt es im Beschluss des Bundesvorstands der Arbeitsgemeinschaft behinderter Menschen in der SPD Selbst Aktiv.
"'Nichts über uns, ohne uns'. Dieser Satz des europäischen Jahres der Menschen mit Behinderungen aus 2003 steht zwar in der Koalitionsvereinbarung. In den vergangenen zehn Jahren ist dieser jedoch nicht, trotz des Engagements der sozialen Bewegungen in der Vorbereitung der Koalitionsvereinbarungen, berücksichtigt worden. Ebenfalls nicht in den jetzigen Koalitionsvereinbarungen. Die Anliegen behinderter Menschen sind jeweils mit Prüfaufträgen versehen. Jeder weiß, was das heißt. Die ehemalige Bundestagspräsidentin Dr. Rita Süssmuth hat auf dem Fürsorgetag des Deutschen Vereins in Leipzig ausgeführt: 'Menschen mit Behinderungen sind keine Kostenstellen auf Beinen, sie haben Anrecht auf gleichberechtigte Lebensformen' und wir ergänzen Mitentscheidungsformen", heißt es in der Erklärung zur Ablehnung des Koalitionsvertrages.
"Das vielzitierte vier Punkte Programm der ehemaligen rot/grünen Bundesregierung wurde durch die Forderungen der sozialen Bewegungen und auch von Selbst Aktiv in zentralen Punkten ergänzt. Wir von Selbst Aktiv befinden uns hier in der Kontinuität fortschrittlicher Behindertenpolitik und werden dies auch weiterhin tun", so Karl Finke. Der Bundesvorstand von Selbst Aktiv habe diese Linie während einer einstündigen Telefonkonferenz beschlossen. "Innerer, aufrechter Gang ist uns wichtig. Deshalb lehnen wir die Koalitionsvereinbarung in der gegenwärtigen Form ab", heißt es in der Erklärung der Arbeitsgemeinschaft behinderter Menschen in der SPD Selbst Aktiv. Die Jusos und Schwusos in der SPD hätten ebenfalls erhebliche Kritik und signalisiert, die Koalitionsvereinbarung nicht zu unterstützen, betonte Karl Finke im Gespräch mit den kobinet-nachrichten. Bei den SPD-Mitgliedern werden in den nächsten Tagen die Unterlagen zum Mitgliederentscheid über die Koalitionsvereinbarung eintreffen, so dass diese nun die Qual der Wahl haben, wie es mit der Politik in Deutschland und damit auch mit der Behindertenpolitik weitergeht.

Von rwenzel
Die AG Selbst Aktiv ist keine Arbeitsgemeinschaft die zu allem Ja und Amen sagt, auch im Schwalm-Eder-Kreis, deren Vorsitzender ich bin, noch im Bezirk Hessen-Nord hat man es begrüßt die Arbeitsgemeinschaft zu gründen. Aber man hat auch schnell gemerkt das wir keine sind alles abnicken. Wir haben unsere Vorstellungen, unsere Forderungen und wir möchten (wollen) mit allen die sich ebenfalls dafür einsetzen das Menschen mit Behinderungen in diesem Land nicht mehr ausgeschlossen werden. Ebenso ist dies unser Ziel auch im Bundesvorstand der AG Selbst Aktiv.
Das am 03.12. dem Tag der Menschen mit Behinderungen solche wohl gemeinten Pressemeldungen kommen ist doch an Zynismus nicht zu überbieten, da kommt Merkel her, die 4 Jahre mit der FDP nichts, aber auch gar nichts für Menschen mit Behinderungen gemacht haben mit einer solchen Meldung, dann auch noch mit einer Überschrift: Menschen mit Behinderungen nicht behindern, die aus einem Antrag der AG stammt, ich gehe sogar noch weiter, Behinderte werden aus der immer so betonten Demokratie in Deutschland ausgeschlossen. Übrigens,eine so tolle Demokratie haben wir gar nicht, oder warum meint der Staat immer alles für Behinderte regeln zu müssen obwohl keiner von diesen Damen und Herrn nicht im geringsten nachvollziehen können wie es ist wenn jemand in einer Werkstatt arbeiten muss, wie es ist von Kultur, Bahnfahrten, Restaurant besuche, Schule oder Studium gar nicht teilnehmen können, nur weil hier die einfachsten Barrieren nicht abgebaut werden. Ich frage mich manchmal wer hier behindert ist wenn ich so dem einen oder anderen PolitikerIn ob in den Landtagen oder im Bundestag zuhöre. Fakt ist doch nun mal das die Partei, die am ehesten Behinderte miteinbezieht, als Kreis-, Land- oder Bundestagsabgeordnete und Behindertenpolitik ohne wenn und aber umsetzt, auch in den nächsten Jahrzehnten jede Wahl gewinnen wird, denn wer rechnen kann kommt schneller zu Erfolg. Politiker reden immer von vorbeugen, nun dann fangt an, oder wer Garantiert denen eigentlich das sie nicht morgen schon selbst eine Behinderung erleiden? Selbst Aktiv ist und bleibt auch kritisch und unbequem innerhalb der SPD aber auch nach außen. Wir sind die Experten in eigener Sache!
Von harle
Die Bundeskanzlerin Dr. Angela Mergel, die Vizepräsidentin des Deutschen Bundestages und Bundesvorsitzende der Lebenshilfe Ulla Schmidt oder der Menschenrechtsexperte und Leiter der Monitoring-Stelle Dr. Valentin Aichele, sie läutern sich - schön redend und fordernd - wiedermal zum Internationalen Tag der Menschen mit Behinderungen. Die Bundesarbeitsgemeinschaft „Selbst Aktiv“ behinderte Menschen in der SPD „sagt Nein zum Koalitionsvertrag“. Die Bundesarbeitsgemeinschaft „Selbstbestimmte Behindertenpolitik“ behinderte Menschen in der Partei DIE LiNKE. beschwert sich, mit Dr. Ilja Seifert keinen behindertenpolitische Sprecher als Bundestagabgeordneter im Bundestag und wie es ausschaut auch nicht als Europaabgeordneter im Europäischen Parlament zukünftig mehr zu haben.
Andererseits gibt es in Deutschland (81,5 Millionen Einwohnern) über 7 Millionen Menschen, die in Deutschland als schwerbehindert gelten, und rund 17 Millionen Menschen - also jede vierte Frau und jeder vierte Mann - im Alter von über 18 Jahren leben mit gesundheitlichen Beeinträchtigungen oder chronischen Krankheiten, die sie im täglichen Leben einschränken - sprich: 24 Millionen Menschen in Deutschland leben ihren Alltag mit irgendwelchen Behinderungen (siehe Internet-Link: http://www.bmas.de/SharedDocs/Downloads/DE/PDF-Meldungen/2013-07-31-teilhabebericht.pdf?__blob=publicationFile).
Und seit Mai d.J. (2013) hat das „Forum behinderter Juristinnen und Juristen (FbJJ)“ einen Entwurf als Gesetz zur Sozialen Teilhabe - Gesetz zur Änderung des SGB IX und anderer Gesetze - den Menschen mit und ohne Behinderungen (und oder Beeinträchtigungen) für Deutschland, also allen Abgeordneten (in Europa,) im Bund, in den Bundesländern und Kommunen vorgelegt (siehe Internet-Link: http://www.forsea.de/projekte/Teilhabesicherunggesetz/2013-05-03_GST_Bremen.pdf).
Also, was wäre zu tun? Anstatt alljährlich immer wieder von Bundeskanzlerin und MdBs zum Internationalen Tag der Menschen mit Behinderungen gut gemeinte, daher schleimende Rhetorik zu verbreiten, konkret auf jeden Fall sich der eigenen Kraft und der Behindertenbewegung UN-Behindertenrechtskonvention (UN-BRK) bewusst werden und jetzt doch mal die Ärmel hoch krempeln und gemeinsam mit Hilfe der aktiven Arbeitsgemeinschaften in den Parteien, Gewerkschaften, Verbänden und Werkstätten in Versammlung-zu-Versammlung- und Haus-zu-Haus-Aktionen Millionen von Unterschriften für eine Petition zu sammeln mit der Forderung, dass der o.g. Entwurf „Gesetz zur Sozialen Teilhabe“ vom FbJJ vom Bundestag zum Gesetz gemacht wird.
Von Arnd Hellinger
@tettrick
Die programmatisch nächstliegende Alternative, die ich auch favorisierte, wäre Rot-Rot-Grün oder notfalls Rot-Grün unter Duldung durch die LINKEn - Afghanistan-Einsätze etc. brauchen wir in der bisherigen Form doch nicht wirklich, oder?
Ansonsten habe ich auch keine große Angst vor Neuwahlen, weil die FDP derzeit nur irgendwo bei 3 % liegt und die AfD noch kein Regierungskonzept hat... :-)
Insgesamt begrüße ich das Votum von Selbst Aktiv ausdrücklich und hoffe, weiitere GehossInnen der SPD schließen sich dieser Haltung an.
Von tettrick
Was wäre denn die Alternative? Neuwahlen? und dann 4 Jahre wieder schwarz/gelb? Klärt mich auf...