Wir sind bunt und frech ...
Veröffentlicht am von Franz Schmahl
Bild: sch
Berlin (kobinet) Mehr als 1000 Menschen haben vor genau einem halben Jahr in Berlin behindert und verrückt gefeiert. Mit der ersten deutschen Disability + Mad Pride Parade zogen sie vom Hermannplatz in Neukölln zum Kottbusser Tor in Kreuzberg. Der Umzug war nicht nur Party, sondern auch Protest gegen alltägliche Barrieren, die nicht so leicht wegzutanzen sind. Die Interessenvertretung Selbstbestimmt Leben in Deutschland hat für den 30. Januar 2014 in Berlin zu einer Disability Pride-Tagung „Die Scham ist vorbei! Verstecken war gestern - Aufbruch ist heute - Vielfalt ist morgen!" eingeladen.
"Wir sind bunt und frech", sagte Theresia Degener vor ihrer Aktion mit Sohn Emil gegen den Terror der Normalität am 13. Juli in Berlin. "Es ist höchste Zeit", so Degener, "die Verschleierung und Legitimierung von Menschenrechtsverletzungen an Behinderten durch das medizinische Modell zu enttarnen. Sondereinrichtungen für Behinderte sind keine Schonräume sondern Apartheid. Mitleid mit Behinderten ist keine Tugend, sondern Dominanzverhalten. Zwangsbehandlung ist keine Therapie, sondern Traumatisierung!"

Von behindertenrecht
Vorallem "verschwindet" der individuelle persönliche Bedarf, der für die Rechts - und Handlungsfähigkeit notwendig ist, nicht dadurch, daß behinderte Menschen in eine Sondereinrichtung gebracht werden und dort teilnehmen .
Denn wer ohne persönliche Unterstützung/Assistenz nicht rechts - und handlungsfähig ist,der ist es auch in einer Sondereinrichtung nicht und wird es auch durch Time-Out-Räume etc. nicht werden . Das müsste den Kostenträgern bekannt sein .
Von harle
Jawohl!
„Wer kämpft, kann verlieren (oder: kann gewinnen), wer nicht kämpft, hat schon verloren.“ – Und:
„Liebe ist der Wunsch, etwas zu geben, nicht zu erhalten.“
Bertolt Brecht (1898 - 1956), deutscher Schriftsteller
Von Uwe Heineker
Bravo - Theresia Degener bringt es auf den Punkt und hält der Gesellschaft gleichzeitig einen Spiegel vor:
"Es ist höchste Zeit, die Verschleierung und Legitimierung von Menschenrechtsverletzungen an Behinderten durch das medizinische Modell zu enttarnen. Sondereinrichtungen für Behinderte sind keine Schonräume sondern Apartheid. Mitleid mit Behinderten ist keine Tugend, sondern Dominanzverhalten. Zwangsbehandlung ist keine Therapie, sondern Traumatisierung!"
Dem sei noch folgendes Zitat aus Udo Sierck's neuem Buch "Budenzauber Inklusion" hinzugefügt, das ebenfalls für sich sprechen sollte:
"Wird alles gut, wenn die Inklusion umgesetzt ist? Die Behindertenbewegung hat in ihren Anfängen provokativ behauptet: 'Behindertsein ist schön!' Auf die Gegenwart bezogen kann von gelungener Inklusion nur gesprochen werden, wenn die Allgemeinheit behinderte Körper als schön empfindet. Bis dahin aber ... ist es noch ein sehr, sehr langer Weg."
Es bleibt also noch verdammt viel zu tun in Sachen Bewusstseinsbildung im Sinne des Artikel 8 der UN-Behindertenrechtskonvention - und dieses bevorstehendes Event ist ein sehr guter Beitrag hierzu ...