Sozialminister besuchte Integrationsbetriebe
Veröffentlicht am von Ottmar Miles-Paul
Bild: CAP
Waldfischbach-Burgalben (kobinet) Der rheinland-pfälzische Sozialminister Alexander Schweitzer besuchte gestern zwei gemeinnützige Integrationsunternehmen: In Waldfischbach-Burgalben den "Ihr Drogeriemarkt" (iD) und in Thaleischweiler-Fröschen einen der bis heute bundesweit größten Cap Märkte. Beide Unternehmen wurden in Zusammenarbeit der Heinrich Kimmle Stiftung in Pirmasens und der Genossenschaft der Werkstätten für behinderte Menschen entwickelt, um Menschen mit Beeinträchtigungen dauerhaft auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt zu integrieren.
"Hinter iD steht ein neues Konzept, dass auf eine Wiederbelebung geschlossener Drogeriemärkte zielt und bundesweit Schule machen soll", sagte der Minister. Durch das Angebot eines breiten Sortiments an Drogerieartikeln, ergänzt durch Lebensmittel sowie Zeitschriften und Büromaterial sei es möglich, die innerörtliche Nahversorgung der Menschen vor allem im ländlichen Bereich zu erhalten. Das diene auch der Entwicklung des Gemeinwesens.
Auch der CAP Markt in Thaleischweiler-Fröschen führe alle gängigen Lebensmittel des täglichen Bedarfs und habe sich seit der Eröffnung im Jahr 2004 erfolgreich am Markt etabliert. "Dazu trägt sicherlich auch die große Kundenorientierung bei, die sich insbesondere durch die Freundlichkeit und Hilfsbereitschaft des Personals sowie der Serviceorientierung ausdrückt", überzeugte sich der Minister bei seinem Besuch. Zusätzlich werde als Dienstleistung ein kostenloser Lieferservice angeboten, der besonders älteren und hilfsbedürftigen Menschen zugutekomme.
Allein in den beiden Integrationsfirmen seien insgesamt 19 Menschen beschäftigt, davon zehn schwerbehinderte Menschen, unterstrich der Minister. "Integrationsfirmen leisten einen wichtigen Beitrag, um Menschen mit Behinderungen den Übergang auf den ersten Arbeitsmarkt zu erleichtern und das gesetzlich verbriefte Recht behinderter Menschen auf Teilhabe am Arbeitsleben zu stärken. Das Land unterstützt dieses Ziel aktiv mit Lohnkostenzuschüssen für den Arbeitgeber, Zuschüssen zum Betreuungsaufwand und beratender Unterstützung", so Sozialminister Alexander Schweitzer. Derzeit stehen 820 solcher sozialversicherungspflichtigen und tariflich entlohnten Arbeitsplätze in Rheinland-Pfalz zur Verfügung. Das Land fördert Integrationsfirmen seit vielen Jahren und stellte im vergangenen Jahr dafür über 6,5 Millionen Euro zur Verfügung.

Von Arbeitswilliger
So toll die Marke CAP klingt - halten eigentlich die dort beschäftigten Menschen mit Behinderung eigentlich selbst Anteile an den Betrieben? Nein! Die CAP-Märkte werden von den traditionellen Behindertenkonzernen - also den Werkstätten für behinderte Menschen (WfbM) bzw. deren (Tochter-)Integrationsunternehmen der üblichen Träger Lebenshilfe, Caritas, Diakonie & Co. - betrieben! Zu einer echten Inklusion gehört eben auch eine wirtschaftliche Inklusion bzw. Teilhabe, wozu neben anderen Komponenten selbstverständlich auch die Eigentümer- bzw. Gesellschafterrolle der Betroffenen (unabhängig davon, ob in Form einer eG, GmbH, UG (haftungsbeschränkt), Ltd., KG, & Co. KG) gehört! Aber nein - daran denkt bzw. dachte ja noch niemand. Warum auch? Weil die SGB XII-/Eingliederungshilfeträger ja vorher den Menschen mit Behinderungen das Vermögen entzogen haben bzw. peinlich darauf achten werden, dass sie niemals über 2600,00 EUR haben werden... Warum sollen überdies die oftmals im gemeinnützigen Paradies (resp. Schonraum) tätigen Wohlfahrtskonzerne die betriebswirtschaftlichen Risiken tragen, die der übrige Einzelhandel nicht mehr zu tragen bereit war? Warum soll nicht auch ein Mensch mit Behinderung als echter Unternehmer tätig sein und auch im ungünstigsten Fall insolvent sein dürfen? Weil auch das wieder nicht in's Bild passt... Überspitzt formuliert, spielen die Menschen mit Behinderungen wieder einmal mehr wieder eher die berühmt-berüchtigte Rolle Schaufensterpuppen, die dann gewisse Damen und Herren mit politischer Entscheidungsgewalt bei ihren Besuchen betätscheln und mit Sonntagsreden verballhornen... Warum wird hier immer wieder nur "Arbeit, Arbeit, Arbeit..." im Sinne von Beschäftigung herausgestellt? Leisten Menschen mit Behinderung als Chef (oder mitarbeitender Anteils-/Kapitaleigner) keine Arbeit? Ach ja, sie dürfen ja (noch) nicht - sie lassen sich ja nicht so schön ins Schaufenster stellen (und von den SGB XII-Trägern abmelken). Haben Sie das schon einmal hinterfragt, Herr Minister Schweitzer?