Auch Realschule lehnt Henri ab

Veröffentlicht am von Franz Schmahl

Viertklässler Henri will weiter lernen
Viertklässler Henri will weiter lernen
Bild: change.org

Walldorf/Heidelberg (kobinet) Die Walldorfer Theodor-Heuss-Realschule hat per Beschluss in der Gesamtlehrerkonferenz gegen eine Aufnahme von Henri entschieden. Der Verfasser der Online-Petition für Henri und seine Freunde wandte sich deshalb heute an die bisherigen 25 000 Unterstützerinnen und Unterstützer der Petition. Baden-Württembergs Kultusminister Andreas Stoch hatte die Suche nach Alternativen für die inklusive Bildung des Viertklässlers mit Down-Syndrom angekündigt. Doch nach dem Gymnasium hat nun auch die Realschule in Walldorf die Aufnahme abgelehnt.

"Und dies trotz der Tatsache, dass sich vier Kolleginnen schriftlich bereit erklärt hatten die inklusive Klasse zu unterrichten. Trotz der angebotenen guten Versorgung und der Anwesenheit von Vertretern des Kultusministeriums und des Schulamtes Mannheim hat sich das Gremium gegen Henri ausgesprochen", informierte Holger Wallitzer-Eck. "Die UN-Behindertenrechtskonvention existiert hier scheinbar nicht, Henris Menschenrecht wird erneut mit Füßen getreten."

"Helfen Sie Henri und so vielen anderen Kindern, dass ihre Zukunft nicht weiter behindert wird", fordert Wallitzer-Eck. "Schreiben Sie an den Baden-Württembergischen Kultusminister und überzeugen Sie ihn davon, wie wichtig es ist, dass er jetzt in Walldorf den ursprünglichen Schulversuch am Gymnasium einsetzt."

Lesermeinungen zu “Auch Realschule lehnt Henri ab” (3)

Von ringelblume

noch kurz wer ich bin:

Britta Schade - arbeite als Psychologin im Zsl Stuttgart

Von ringelblume

Nun erfahre ich zu meiner großen Bestürzung, dass Henri auch in der Realschule abgewiesen wird. Dies macht mich ratlos, fassungslos und auch sehr traurig.

Ich bin selber durch das Medikament Contergan geformt,.d.h. ich bin auf einen Rollstuhl angewiesen, war selber in verschiednen Schulformen - erst vier Jahre in einer Grundschule in Wiesloch, dann zwei Jahre auf einem Gymnasium in Wiesloch, sechs Jahre im Rehazentrum in Neckargemünd und habe dann mein Abitur in einem Gymnasium in Heidelberg gemacht. Ich habe diese Jahre auf der Sonderschule als sehr beengend, sehr einseitig und ausgesondert erlebt, obwohl ich in der Grundschulzeit auch schlechte Erfahrungen gemacht habe, besonders mit meiner Klassenlehrerin die mich nie auf Schulausflüge mitnahm, mir Preise verweigerte, obwohl ich Klassenbeste war, wollte ich da wieder weg, was ich dann auch tat.

Als ich 25 Jahre alt war, während meines Studiums bekam ich dann eine Tochter und später einen Sohn - so habe ich gemeinsam mit anderen Müttern vor 25 Jahren die erste integrative Krabbelgruppe in Konstanz mitaufgebaut, weil ich wollte, dass meine Kinder zusammen mit Kindern die "mit einer Behinderung leben" aufwachsen, gerne hätte ich das auch in der Schule für sie gehabt. Für meine Kinder ist und war es normal verschieden zu sein.

Erst durch die Blicke von außen habe ich als Kind und immer noch als erwachsene Frau - wie auch meine Kinder, die manchmal wegen ihrer "behinderten Mutter" ausgelacht- wurden gemerkt das ich anders bin.

Leider ist es eben immer noch nicht normal verschieden zu sein!

Dies wird sich erst ändern, wenn alle Menschen von Beginn an zusammen aufwachsen, zusammen in Krabbelgruppe, Kindergarten und Schule gehen.

Was meint „Inklusion“? Was meint eine inklusive Gesellschaft?

Vielfalt der Menschen – die Würdigung und Achtung der Vielfalt der Menschen

Es sollten Fragen nach dem herrschenden Menschenbild nachgegangen werden.



Was sind normale – unnormale Menschen?

Es ist immer wieder das Außen, der Kampf um die gleichberechtigte Teilhabe, die mir immer wieder zeigt, - du bist anders –du bist behindert ….

Eine Würdigung und Achtung der Vielfalt ist eine Chance für alle Menschen!


Leider wird diese im Moment im "Fall Henri" - diese Achtung und Würdigung dieses Jungen und der Eltern - ignoriert, nicht geachtet und nicht gewürdigt.


Ich bitte die Landesregierung sehr, hier ein Zeichen zu setzen, wie auch immer es aussehen mag, dass es nicht sein kann, nachdem seit 2009 die UN-Behindertenrechtskonvention in Kraft ist, dass ein Kind erst vom Gymnasium und nun von einer Realschule abgewiesen wird.

Von Dagmar B

http://www.02elf.net/national/deutschland/baden-wurttemberg/baden-wuerttemberg-auf-dem-weg-zu-inklusiver-gesellschaft-496536

Zitat:
Wir wollen Baden-Württemberg zu einer inklusiven Gesellschaft machen, in der sich Menschen mit Behinderungen ebenso wie Menschen ohne Behinderungen vollständig und gleichberechtigt an allen gesellschaftlichen Prozessen beteiligen können. Mit dem Landesaktionsplan schaffen wir die Voraussetzungen dafür, dass Menschen mit und ohne Behinderungen trotz unterschiedlicher Fähigkeiten gemeinsam in unseren Städten und Gemeinden leben, lernen, wohnen, arbeiten und die Freizeit verbringen können“, erklärten Ministerpräsident Winfried Kretschmann und Sozialministerin Katrin Altpeter.

Für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Behindertenhilfe im Land habe das Land weitere 300.000 Euro bereitgestellt, um sich für die Umsetzung der UN-Behindertenrechtskonvention weiterqualifizieren zu können

Blablablub........
Das ist schon armselig das Mitarbeiter der Behindertenhilfe fuer Inklusion geschult werden muessen und schon wieder Geld kosten.
Was haben die denn vorher gelernt?

Herr Kretschmann,wie waere es mit konsequenten Schritten?
Gesetze,an die sich Schulen halten muessen,damit sie nicht mehr machen koennen was sie wollen und den Schulaemtern auf der Nase rum tanzen?