Lebenshilfe zum Streitfall Henri
Veröffentlicht am von Franz Schmahl
Bild: Irina Tischer
Berlin (kobinet) Zum Streitfall Henri hat die Lebenshilfe-Bundesvorsitzende Ulla Schmidt heute Modellversuche gefordert. Henri Ehrhardt will mit seinen Freunden nach der Grundschule aufs Gymnasium wechseln. Das jedoch lehnt das Gymnasium ab, und nun hat auch die benachbarte Realschule dem behinderten Jungen eine Absage erteilt. "Das kann doch nicht sein", sagt Ulla Schmidt, Bundesvorsitzende der Lebenshilfe und Vizepräsidentin des Deutschen Bundestages. "Dem Wunsch von Henri und seinen Eltern muss entsprochen werden. Niemand darf sich einfach wegducken. Alle müssen mit anpacken, damit Inklusion in unserem Land Wirklichkeit werden kann." Von Baden-Württembergs Kultusminister Andreas Stoch fordert Schmidt, geistig behinderten Schülern und damit auch Henri den Besuch des Gymnasiums oder anderer Regelschulen als Modellversuch zu ermöglichen.
Dr. Theo Klauß, Bundesvorstandsmitglied der Lebenshilfe und Professor an der Pädagogischen Hochschule Heidelberg, weist darauf hin, dass Menschen mit geistiger Behinderung voraussichtlich an keiner Regelschule den üblichen Abschluss erreichen: "Henri zum Beispiel wird dies auch kaum auf der Real- oder Hauptschule schaffen." Daher sollte Inklusion nicht auf einen bestimmten Schultyp beschränkt sein. Und Henri, so Professor Klauß weiter, wäre nicht das erste Kind mit Down-Syndrom, das in Deutschland ein Gymnasium besucht - ohne Aussicht auf Abitur, aber ganz im Sinne erfolgreicher Inklusion.
Der Lebenshilfe ist wichtig, dass die Rahmenbedingungen bedarfsgerecht ausgestaltet sind. "Hierbei können Modellversuche eine gute Möglichkeit sein, Bedingungen und Konzepte gemeinsamen Unterrichts zu entwickeln, die auch den einzelnen Schulen, ihren Traditionen und Leitbildern entsprechen", erklärt die Lebenshilfe-Bundesvorsitzende Ulla Schmidt. Die polarisierende Diskussion um Henri, die gegenseitigen Schuldzuweisungen und Stereotypen hält sie dagegen für wenig hilfreich.

Von Gisela Maubach
http://www.youtube.com/watch?v=CTWc3abOato
Habe gerade diesen Link geschickt bekommen.
Bemerkenswert ist die Gefällt-mir-Anzahl.
Von brk jetzt
Es erschreckt, wie Beamte (Lehrer) für sich entscheiden können, ob Gesetze gelten oder (noch) nicht. Und ihr Minister bestärkt sie darin. Dann kann ich bei der nächsten roten Ampel auch eine Entscheidung treffen, ob ich sie akzeptiere. Mit der Unterschrift unter der Konvention haben unsere Regierungen eine verbindliche Zusage gegeben und dort schon gewusst. dass sie gar nicht daran denken, diese - zumindest zeitnah - einzulösen. Der Abstand zur Inklusion hat sich in den mehr als fünf Jahren nicht verkleinert.
Von ingrid
Nach Ansehen der Sendung sind mir so meine Zweifel gekommen. Inklusion oder Privileg? Wo fängt die Grenze der "Behinderung" denn an, ab wann wird ein Kind "leistungsunabhängig" beschult? Ich denke mit Grausen an die hohen Hürden zum Zugang zum Gymnasium (in Bayern). Bereits normale Drittklässler entwickeln unter dem Leistungsstreß die verschiedensten Symptome.
Ich bin auf alle Fälle für eine gemeinsame Beschulung aller Kinder, egal wie normal oder behindert, aber das würde eine Änderung im Schulsystem für a l l e bedeuten. Und dann würde jeder auf jeder Schule bis zu dem Abschluß kommen, den er wirklich schaffen kann.
Bis das geschehen ist, wird es eine never ending - Diskussion sein. Und die erkämpften "Einzelschicksale" diskriminieren solange alle die Kinder, denen Erfolg/Glück nicht beschieden ist.
Ich drücke der Familie von Henri alle Daumen, weils ja eigentlich egal ist, welche Schule, und eben hauptsächlich das Zusammen aufwachsen mit den Freunden eine Rolle spielt.
Von Beamtenschreck
Liebe Frau Rosenberger,
wenn Frau Schmidt es mit der Inklusion so ernst meint wie mit der Gesundheitsreform zu ihrer Zeit als Ministerin, dann können wir sicher sein, dass außer Chaos und schlechter Ergebnisse nichts passiert, was wir als einen Fortschritt bezeichnen können. Der Mensch kann nicht von heute auf morgen in seinen Ansichten umschwenken, so gern manche uns auch ihre Anteilnahme vermitteln wollen. Nur ob wir die Anteilnahme auch immer so glauben, wie es manche gern hätten, mag ich bezweifeln.
Mein größter Wunsch wäre, dass die ganzen Theoretiker, bevor diese, sich mit unserem Schicksal hervortun, mindestens 6 Monate selbst in der Praxis, 24 Stunden täglich, davon überzeugen müssten, dass es an der Zeit ist zu handeln und nicht zu diskutieren.
Von Inge Rosenberger
Es wäre schön, wenn die Lebenshilfe sich für Inklusion im Leben unserer erwachsenen leistungsUNfähigen Töchter und Söhne nach Abschluss aller Bildungsmaßnahmen genau so zugkräftig werben würde.