Mit Punkten zur Chancengleichheit

Veröffentlicht am von Franz Schmahl

Kingsley (20) aus Kamerun liest Braille
Kingsley (20) aus Kamerun liest Braille
Bild: CBM

Bensheim (kobinet) Zum Welt-Braille-Tag am 4. Januar erinnert die Christoffel-Blindenmission an die Bedeutung der Punktschrift und fordert Zugang auch für Menschen in Entwicklungsländern. Weltweit gibt es 39 Millionen blinde Menschen, rund 90 Prozent davon leben in Entwicklungsländern. Dort fehlt es häufig an Hilfsmitteln wie Computer und Vorlesegeräte, die für die meisten blinden Menschen in Deutschland mittlerweile Standard sind. Umso wichtiger ist der Zugang zu der von Louis Braille 1825 entwickelten Punktschrift, die es blinden Menschen ermöglicht, mit tastbaren Punkten zu lesen und zu schreiben.

„Blinde Menschen sind in Entwicklungsländern oft von einer aktiven Teilnahme am gesellschaftlichen Leben ausgeschlossen", sagt Dr. Rainer Brockhaus, Geschäftsführer der Christoffel-Blindenmission. Dies fängt mit der Schulbildung von blinden Kindern an und geht über die Berufsausbildung bis zur Ausübung eines Berufes. „Die Verantwortung dies zu ändern, liegt auch in der deutschen Entwicklungszusammenarbeit, denn erst dann werden sich Lebensbedingungen von blinden Menschen verbessern."

Der 20-jährige Kingsley aus Kamerun erzählt zum Beispiel, dass er in seinem Dorf immer nur „der Blinde" war, der von niemandem akzeptiert wurde und als unwichtig galt. Deshalb saß er vor allem allein zu Hause. Auf einer von der Christoffel-Blindenmission geförderten Schule für blinde Kinder lernte er die Brailleschrift kennen. Sie war für ihn der Zugang zu Bildung und Akzeptanz. „Vor der Schule habe ich nur existiert – jetzt lebe ich!", sagt Kingsley. Er spricht inzwischen fließend Englisch und Französisch und wurde zuletzt einstimmig in den Gemeinderat gewählt. Sein nächstes Ziel ist, auf die Universität zu gehen und Lehrer zu werden.