Bahn: Nicht nur die Züge stehen still
Veröffentlicht am von Gerhard Bartz
Bild: Edeltraud Bartz
Hollenbach (kobinet) Die Schwester unseres Redakteurs Gerhard Bartz brachte ihm aus einem Kurzurlaub besondere Souvenirs mit.
Darüber berichtet unser kobinet-Redakteur Gerhard Bartz
im Jahr 2007 war ich mit meiner Frau auf Urlaubsreise in Deutschland. Diese führte auch auf eine kleine Insel. Angesichts des vielen Wassers überkam mich ein dringendes Bedürfnis. Da ein Bahnhof in der Nähe war, entschloss ich mich kurzerhand, dort ein barrierefreies Örtchen aufzusuchen. Höchst erfreut nahm ich ein Schild zur Kenntnis, das den Zugang zu einem Behinderten Schloss versprach. Erst später dämmerte es mir, dass damit wohl das Euro-Schlüssel-Schloss darunter gemeint war. Die Umgebung des Schlosses hatte dann auch wenig mit der gewohnten Umgebung eines Schlosses gemein.
In der Toilette war die die nüchterne Ausstattung bemerkenswert. Fasziniert war ich von einem Klingelschild "Wärterin". Nur mit Mühe konnte ich dem Reiz widerstehen, die Taste zu drücken. Gibt es im Bahnhof Schrankenwärterinnen, die auf Abwechslung warten? Oder hat der Bahnhofsvorsteher noch eine alte Version des Bundessozialhilfegesetzes, in dem bis Mitte der 90er Jahre noch von "Pflege und Wartung" die Rede war? Oder muss die Spülung von einer amtlich bestellten Wärterin betätigt werden?
Leider hatte ich 2007 keinen Fotoapparat dabei. Da auch noch Regen einsetzte, bin ich den Weg vom Auto nicht nochmal zurückgerollt. Da ständig davon die Rede war und ist, dass der Bahnhof abgerissen und auf das Festland verlagert werden soll, bemühte ich mich in der Folgezeit um einen Fotobeweis, besonders des Klingelschildes wegen. Nach fast acht Jahren besuchte meine Schwester dieses Städtchen und auf meine Bitte hin auch diese Toilette. Alles war noch so wie in meiner Erinnerung, Die Zeit schien angehalten. Lediglich die Toilettenpapierrolle ging wohl zwischenzeitlich zu Ende.
