Krankenkassen informieren weiter über Barrierefreiheit

Veröffentlicht am von Ottmar Miles-Paul

Porträtfoto Uwe Schummer
Porträtfoto Uwe Schummer
Bild: Rolf Barthel

Berlin (kobinet) Arztlotsen der Krankenkassen informieren auch künftig über Barrierefreiheit. Dies ist nach Ansicht von Uwe Schummer, dem Beauftragten für Menschen mit Behinderungen der CDU/CSU-Fraktion im Deutschen Bundestag, ein wichtiges Signal für Patienten mit Behinderung. Der Verband der Ersatzkassen werde auch in Zukunft mit seinen Arztlotsen über barrierefreie Angebote in Arztpraxen informieren.

"Wer eine Behinderung oder chronische Erkrankung hat, ist auf eine optimale und wohnortnahe medizinische Versorgung angewiesen. Die Probleme beginnen jedoch oft schon im Eingangsbereich: Die Praxis ist nur über Stufen erreichbar, bietet keine Informationen in leichter Sprache, hat keinen speziellen Behandlungsstuhl oder kein Blindenleitsystem. Um solche Hürden zu umgehen, können sich Patienten mit Behinderungen im Internet bei den Arztlotsen des Verbands der Ersatzkrankenkassen (vdek) vorab informieren, welche Praxis auf ihre individuelle Beeinträchtigung vorbereitet ist", erklärge Uwe Schummer.

Die Union habe sich erfolgreich dafür eingesetzt, dass der vdek in seinem Arztlotsen-Angebot auch künftig Informationen über die Barrierefreiheit von Arztpraxen für die Patienten bereithält. "Damit können alle Versicherten jederzeit die für sie passenden Haus- und Fachärzte finden. Dieser Service ist vor allem für Patienten mit Behinderungen ein wichtiges Signal. Sie brauchen verlässliche Informationen, um unnötige, beschwerliche Wege zu vermeiden", so Uwe Schummer. Aus Sicht der Union müsse das Versorgungssystem vor allem für Menschen mit Behinderungen und chronischen Erkrankungen transparent und barrierefrei zugänglich sein. Der vdek gehe auch in Zukunft mit gutem Beispiel voran. Dem sollten sich noch mehr Krankenkassen anschließen, fordert Uwe Schummer.

Lesermeinungen zu “Krankenkassen informieren weiter über Barrierefreiheit” (8)

Von Arnd Hellinger

@Dorle:

Verraten Sie mir doch bitte einmal, wer den Rollstuhlsport - da geht es eben nicht nur um ein Paar Schuhe - fachkompetent unterstützen soll, wenn nicht ortsansässige Sanitätshäuser. Sofern sie dafür legal erwirtschaftete Gewinne einsetzen und dies in ihren Jahresbilanzen ordnungsgemäß ausweisen, ist dagegen überhaupt nichts einzuwenden, im Gegenteil...

Von Sven Drebes

@Dorle zum 2.:
Wenn das Sanitätshaus die gesponsertem Sportrollstühle bei der Krankenkasse abrechnen würde, wäre es Betrug. Wie Arnd Hellinger vermute ich aber, dass die Rollstühle aus den Gewinnen finanziert wurden. Dann ist es das Gleiche, wie wenn ein Schuhhaus dem örtlichen Fußballverein Schuhe spendiert.
Jetzt kann man natürlich fragen, wie ein Sanitätshaus Gewinne erwirtschaften kann, die ihm eine so große Spende erlauben. Das hat aber nichts mit Betrug zu tun. Vielmehr müsste man schauen, ob die Gewinne aus den GKV-Versorgungen oder dem freien Verkauf stammen und wie hoch sie taatsächlich, auch im Verhältnis zum Umsatz, sind. Vielleicht käme dabei tatsächlich heraus, dass die Preise zu hoch sind, vielleicht aber auch, dass der Besitzer ein so großer Fan des Rollstuhlsports ist, dass er dafür auf Urlaubsreisen oder den neuen Privatwagen verzichtet. Ich weiß nicht, was zutrifft, Sie vermutlich auch nicht.

Ich halte die derzeitigen Zu- und Aufzahlungen übrigens durchaus für veränderungsbedürftig, genauso wie die Praxis der Wiederverwertung.
Schräg ist übrigens, dass man als Prothesennutzer auf Kosten der GKV rennen darf, als (E-)Rollstuhlfahrer aber nicht.

Von Sven Drebes

@Dorle zum 1.:
Soweit es darum geht, dass Abgeordnete gleichzeitig Lobbyisten sind oder Lobbyisten fertige Gesetze liefern, sind wir uns einig. Das darf nicht sein.
Und ich finde es problematisch, wenn Verbände oder Firmen Geschenke verteilen, die über Kulis o.ä. bei Veranstaltungen hinaus gehen.

Lobbyismus ist aber wesentlich mrehr. Er umfasst das Schreiben von Briefen und Forderungspapieren, das Veranstalten von und die Teilnahme an Diskussionen, Tagungen etc., die Veröffentlichung von Studien, die Teilnahme an Anhörungen in Ministerien und Parlamenten usw. Selbst viele Presseerklärungen dienen ja dazu, die eigenen Forderungen / Positionen darzustellen, und müssen zur Lobbytätigkeit gezählt werden.
Wenn Sie das alles abschaffen wollen, müssten Sie auch das Autofahren verbieten, weil einige falsch parken oder mit 120 durch die Stadt brettern. Zudem hätte es dann nicht nur die Deutsche Bank sondern auch Ottilie Normalverbrauchern schwerer, ihre Anliegen an die Politik zu bringen.

Ohne Lobbyarbeit gäbe es darüber hinaus weder
- Artikel 3, Absatz 3, Satz 2 Grundgesetz,
- die diversen Gleichstellungsgesetze,
- die gegenüber der normalen Sozialhilfe großzügigeren Regelungen für Eltern und Kinder bei der Grundsicherung,
- die Freifahrt im ÖPNV (stand vor einigen Jahren vor der Abschaffung)
- etc.

Deshalb bin ich für faire und transparente Lobbyarbeit, aber gegen Kungelei u.ä.

PS: Wann schlafen Sie eigentlich, und beschäftigen Sie sich noch mit anderen Dingen jenseits von kobinet?

Von nurhessen

@Dorle
Zum Thema Hilfsmittelversorgung, die ebenso wahr wie absurd ist: Als meine Tochter von einer GKV in eine andere wechselte, standen prompt ein paar Mitarbeiter/oder Beauftragte des ca. 100km entfernten Sanitätshauses namens der GKV vor ihrer Haustür, um den seit ein paar Jahren gebrauchten und gemieteten relativ einfachen Toilettenstuhl abzuholen, da er ihr jetzt ja nicht mehr zu Miete zur Verfügung stehe… und in den Besitz des Sanitätshauses übergehe. Man stelle sich vor oder besser nicht, wer diesen Toilettenstuhl nach den diversen Besitzerwechseln weiter fürgutes Geld von der GKV vermietet bekommt…

Von Sven Drebes

@Dorle:
0) Vorab definiere ich erst mal, wie ich die Begriffe "Lobbyismus" und "Lobbyist" verwende.
Lobbyismus ist jede Form der Interessenvertretung gegenüber Politikern bzw. deren Mitarbeitern, sowohl in Parlamenten als auch in Regerungen bis runter zur Gemeindeverwaltung. Daher zählen für mich nicht nur Vertretern von Wirtschaftsverbänden und Unternehmen zu den Lobbyisten, sondern auch die von Gewerkschaften, Behinderten-, Sozial- und Wohlfahrtsverbänden, aber auch von Greenpeace, Pro Asyl oder Transparency International usw. Was die verschiedenen Lobbyisten unterscheidet, sind die Art der Interessen, das Budget und (teilweise) die angewandten Methoden.
So lange sie transparent und fair erfolgt, ist Interessenvertretung legitim. Problematisch wird es dann, wenn Lobbyisten kungeln. Ähnlich problematisch finde ich es aber, wenn eine Lobby die andere als "Lobby" diskreditiert. Ironischerweise gehören zu denen, die die Macht der Lobbyisten beklagen, nicht wenige Verbände, die selbst Lobbyarbeit machen.

Bevor Sie mir Weltfremdheit oder Schlimmeres unterstellen: Ja, mir ist durchaus bewusst, dass der Bundesverband der Banken reicher ist als der Bundesverband der Kehlkopflosen (beide Verbände sind zufällig genannt und haben keinen Bezug zu mir), und ja, das kann zu Problemen führen. Deshalb sollte der Bundesverband der Kehlkopflosen aber nicht den Schluss ziehen, man könne sich die Interessenvertretung gleich sparen, weil dann gehen die eigenen Belange erst recht unter.

So, jetzt zu Ihren Fragen:
1) Nein, der Bundestag ist kein Lobbyisten-Verein, er hat aber wahrscheinlich mehr mit Lobbyverbänden zu tun als jede andere Institution. Die Verbände, die sich in die Lobbyliste eintragen, machen transparent, dass sie mit dem Bundestag über ihre Anliegen sprechen. Ich persönlich finde das besser, als es heimlich zu tun.
2) Ich bin kein Lobbyist. Allerdings habe ich vor einigen Jahren, als ich Vorstandsmitglied eines sehr kleinen Verbands behinderter Menschen war, durchaus AUCH die Interessen der darin vertretenen Gruppe behinderter Menschen vertreten, also Lobbyarbeit gemacht. Dabei habe ich erlebt, dass auch Kleine gehört werden und Ziele erreichen können.
3. Sie haben Rechtt, es ist problematisch, wenn Abgeordnete und Verbandsvertreter in einer Person vereint sind.

Von Sven Drebes

Hallo nurhessen,

wo ist der Widerspruch zu meinem Kommentar?

Die Führung auf der Lobbyliste sehe ich übrigens nicht negativ. Im Gegenteil sollten sich dort noch viel mehr Verbände eintragen, die wirklich behinderte Menschen vertreten!

Von nurhessen

Lieber Dr. Sven Drebes,
ganz so einfach ist die Sache leider nicht. Dass Ärzte nicht „kassenhörig“ sind, mag wohl stimmen. Aber sie sind in ihren Standesvertretungen verwurzelt; also nicht unabhängig. Die Bundesärztekammer (BÄK) und die Kassenärztliche Vereinigung (KBV) sind z.B. in der offiziellen Lobbyistenliste des Deutschen Bundestages aufgeführt.
https://www.bundestag.de/dokumente/lobbyliste mit einsehbarer aktueller Liste (pdf-Datei).
Die BÄK dort direkt unter Nr. 317 und die KBV indirekt über Nr. 896. Das Ganze ist also ein circulus vitiosus! Grüße

Von Sven Drebes

"Freie Arztwahl" ist für viele behinderte Menschen ein derzeit unerreichbarer Traum. Wenn nur 1, 10 oder 20 von 100 Ärzten überhaupt in Frage kommt, weil der Rest entweder unzugängliche Praxen hat oder nicht mit einem kommunizieren kann, ist die Frage, ob der Arzt eventuell "kassenhörig" ist, eher nebensächlich. Ich freue mich über jedes Arzt-Such-Portal, das mir auch sagt, ob die Praxis meinen Anforderungen entspricht.

Die "Politik" sollte hier sogar deutlich mehr Vorgaben machen! Die Kassenärztlichen Vereinigungen sind erstens intransparet und erfüllen nicht die Erwartungen der Patienten.