Inklusive Schatzsuche in Stuttgart

Veröffentlicht am von Ottmar Miles-Paul

Logo des ZsL Stuttgart
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Bild: ZsL Stuttgart

Stuttgart (kobinet) Wer schon mal einen Menschen dabei beobachtet hat, wie er mit einem Smartphone in der Hand im Gebüsch verschwindet, hat ihn vermutlich beim Geocachen erwischt. Diese Freizeitaktivität liegt derzeit voll im Trend und erfreut sich in Deutschland immer größerer Beliebtheit und ist auch für Menschen mit Behinderungen reizvoll. Beim Geocachen wird man mittels GPS-fähiger Navigationsgeräte an festgelegte Koordinaten geführt, um vor Ort versteckte Gegenstände zu finden. Die moderne Form der Schatzsuche.

"Viele der bereits existierenden Geocaches sind für Menschen mit Behinderung aber nicht gut zu erreichen", erklärt Fabian Kübler vom Zentrum selbstbestimmt Leben (ZsL) in Stuttgart. Da die Verstecke oft nicht aus einer sitzenden Position heraus erreicht werden können, sind beispielsweise Rollstuhl nutzende Menschen von der Suche ausgeschlossen. Auch Blinde oder sehbehinderte Menschen können kaum daran teilnehmen, weil entsprechende Hinweise fehlen. Oft kommt noch der Umstand hinzu, dass die Umgebung ebenfalls nicht barrierefrei ist.

Deshalb bietet der Förderverein des ZsL Stuttgart nun eine "inklusive Schatzsuche" in Stuttgart an. In Kooperation mit den von einer Behinderung betroffenen Mitarbeitern des ZsL haben sie in Stuttgart zehn barrierefreie Geocaches angelegt. Diese wolle man in einer geführten Tour nun allen Interessierten vorstellen, erläutert Jonas Buchhardt vom ZsL und fügt hinzu: "Unser Ziel ist es über das Projekt hinaus die Freizeitaktivität Geocaching auch für Menschen mit Behinderung nutzbar zu machen und sie zu aktiveren, selbst tätig zu werden und ihre Umgebung zu erkunden."

Am 19. September sowie am 26. September sollen die barrierefreien Geocaches im Rahmen einer geführten Tour gesucht werden. Da die Teilnehmerzahl an beiden Terminen auf 20 Personen begrenzt ist, wird um frühzeitige Anmeldung gebeten. Anmeldeschluss ist der 8. September. Anmelden kann man sich per E-Mail an: [email protected]. Alle Informationen unter: www.zsl-stuttgart.de/geo.html.

"Da wir eine möglichst bunte Tour durchführen wollen, laden wir behinderungsübergreifend alle Menschen mit Behinderung ein", sagt Jonas Buchhardt und schiebt hinterher: "Im Sinne der Inklusion sind selbstverständlich auch Menschen ohne Behinderung eingeladen."

Das ZsL Stuttgart ist eine unabhängige Beratungsstelle von Menschen mit Behinderung für Menschen mit Behinderung und deren Angehörige.

Lesermeinungen zu “Inklusive Schatzsuche in Stuttgart” (6)

Von nurhessen

P.S.
Eine semantische Korrektur: Die Intoleranz bezieht sich selbstredend nicht „auf Beiträge“, sondern stets auf deren Verfasser.

Von nurhessen

Wenn erlaubt, ein Thema OFF-TOPIC:

Was mich erschreckt und nach einer relativ kurzen Weile des „Bloggens“ in kobinet auffällt:
1. Die offene Intoleranz gegenüber harmlosen Beiträgen, die aus z.T. nicht erfindlichen Gründen nicht „ in den Kram passen“,
2. die niedrige Schwelle, SchreiberInnen von Beiträgen verbal anzugreifen, zu demütigen, ohne dass man Konsequenzen zu befürchten hat, da man den Autor/SchreiberIn in der Regel nicht kennt. Die Schwelle sinkt gegenüber SchreiberInnen anonymer Beiträge, die unter Kennwort geschrieben sind, wobei dies dann zur Rechtfertigung des bissigen Tons benutzt wird. Unter Kennwort zu schreiben, ist jedoch durchaus erlaubt und dient dem Persönlichkeitsschutz nicht nur des Autors, sondern auch des näheren oder weiteren Umfeldes. Anonymität heißt nicht, dass man zum Freiwild degradiert werden kann, auch hinter einem Kennwort verbirgt sich ein Mensch (diese Tatsache scheint manch anderem Menschen vergessen),
3. es erschreckt, dass es meist gar nicht um den Beitrag selbst geht, sondern um Randerscheinungen, die an den Haaren herbeigezogen scheinen. Es wurde z.B. in relativ aggressiver Form moniert, was dieser oder jener Beitrag mit dem beschrieben Thema zu tun habe, dabei handelte es sich noch nicht einmal um ein behindertenspezifisches Gebiet, sondern eher um Nebenschauplätze, wie das berühmte „Geocachen“,
4. viele, ich würde sogar so weit gehen zu behaupten, die meisten Themata weichen spätestens beim dritten Autor vom eigentlichen thread ab, um eigene „Fäden“ und Gedanken zu verfolgen. Beispiele gibt es viele: Was hat der thread „Linke-Antrag für gute Arbeit“ mit bislang 72 Beiträgen (Stand 20.08. 9:30Uhr) nach oberflächlichem Augenschein noch mit dem eigentlichen Thema zu tun?
5. auf diese Weise wundert es nicht, wenn im „Netz“, Höflichkeit und ein einigermaßen zivilisiertes Miteinander, Verständnis oder gar Empathie gegenüber Mitmenschen verloren gehen. Und dies geschieht in „kobinet“, in dem man erwarten dürfte, dass alle ein durchaus gemeinsames Interesse verfolgen. Denn man kann nicht umhin, der Tatsache ins Auge zu blicken, dass Behinderte, wie sie sich auch immer selbst definieren, ein eigentliches Randthema und eine Randnotiz unserer „Spaßgesellschaft“ sind.

Von Lesebrille

Nachtrag: es muss natürlich "Sommerfestival" heissen. Mein Fehler.

Vorschlag an Frau/Herrn nurhessen: schreiben Sie doch einen eigenen Artikel dazu und schicken Sie ihn kobinet. Dann kann auch adäquat darauf reagiert werden. Aber das Abwerten des Artikels, um sich den Raum für ein eigenes Thema einfach anzueignen, finde ich ziemlich daneben.

Denn der ZsL hat hier etwas hier etwas organisiert, das sicherlich noch mehr Menschen interessieren wird. Meine Anfrage zu den Geräten ist schon Abgeschickt.

Von nurhessen

@ lesebrille
Mal wieder vollkommen falsch verstanden: Wollte ernsthaft wissen, wie es z.B. bei Sommerfestivals steht bei der Benutzung der Behinderten- Toiletten. Habe nämlich gelesen, dass man diese auch als Nicht-Behinderter benutzen darf, selbst wenn Rollstuhlfahrer sichtbar anwesend sind und sich anstellen, da deren „Bedürfnis“ genau so dringend sei wie das von „Nicht-Behinderten“! Finde ich aber nicht. Das war der „Aufhänger“!! Dazu wollte ich Meinungen hören!

Von Lesebrille

@nurhessen: Wenn Sie an barrierefreien Freizeitaktivitäten kein Interesse haben, ist das ok, es aber anderen vorzuwerfen und ein Angebot despektierlich als Sommerlochthema zu bezeichnen, finde ich dann doch ziemlich daneben.

Anyway, ich finde die Idee prima! Mein treues altes Mobiltelefönchen kann zwar nix mit Geodaten anfangen, aber mich würde es echt in den Fingern jucken. Oder werden die Geräte dazu ausgegeben? Ich habe keine Ahnung, die Seite spuckt es auch nicht aus. Werde mal anfragen.

Von nurhessen

Sommerloch oder keine wichtigeren Themen? Ich will mal ernsthaft fragen, weil dies in einigen Medien zur Zeit der Sommerfestivals diskutiert wird: Darf man als nicht-behinderter Mensch eine Behindertentoilette benutzen, wie von einigen „Benutzern“ behauptet? Muss man anstehen? Muss ein nicht-sichtbar Behinderter (M. Crohn, Colitis ulcerosa, einige „leichtere“ Formen der MS) seinen Behindertenausweis vorzeigen, um sein „Bedürfnis“ zu beweisen?