Möglichkeiten unabhängiger Beratung

Veröffentlicht am von Franz Schmahl

Verena Bentele
Verena Bentele
Bild: Irina Tischer

Berlin (kobinet) Beratung von Menschen mit Behinderungen soll nach Ansicht von Verena Bentele auf die Teilhabeziele des Einzelnen ausgerichtet sein. "Sie muss transparent und erkennbar die besten Möglichkeiten aufzeigen", sagte heute die Beauftragte der Bundesregierung für die Belange behinderter Menschen, die Möglichkeiten für deutschlandweite unabhängige Beratung auslotete. Wie können vorhandene Beratungsangebote für Menschen mit Behinderung verbessert werden und welche Standards kann und soll dabei z.B. das geplante Bundesteilhabegesetz bundesweit setzen? Darum ging es heute auf der Fachtagung „Unabhängige Beratung - Erfahrungen und Qualitätsstandards".

Auf Einladung der Beauftragten waren rund 100 Fachleute aus Verbänden, Selbsthilfeorganisationen und Politik in das Berliner Kleisthaus gekommen. Die Beratung, wie sie heute stattfindet, ist nach Meinung Benteles häufig stärker von Kosten als von der konsequenten Verfolgung von Teilhabe und Selbstbestimmung geprägt. So werden immer wieder Menschen mit Behinderungen entgegen ihren Wünschen in großen Einrichtungen untergebracht anstatt in Wohngemeinschaften oder den eigenen vier Wänden. Erschreckend sind die Fälle von jungen Menschen mit Behinderungen, die aufgrund falscher Beratung in Altersheimen leben. Eine gute und unabhängige Beratung ist nach Einschätzung der Bundesbehindertenbeauftragten unerlässlich, um die Menschen über ihre Möglichkeiten und Rechtsansprüche aufzuklären: „Natürlich können dafür nicht komplett neue Strukturen geschaffen werden. Wo bereits gute Beratung existiert, soll diese beibehalten und als best-practice-Beispiel für deutschlandweite unabhängige und qualitativ hochwertige Angebote genutzt werden."

Peer Counseling, bei dem Menschen mit Behinderung andere Menschen mit Behinderung informieren und beraten, ist aus Sicht von Verena Bentele auch zur Stärkung von Hilfe auf Augenhöhe dafür besonders sinnvoll. Die Beauftragte regte an, Schulungen und Ausbildungen für die Beraterinnen und Berater auszubauen, damit diese ihre Erfahrungen qualifiziert an Betroffenen weitergeben können. „Ausbildungsangebote müssen so niedrigschwellig sein, dass sie beispielsweise auch für Menschen mit Lernschwierigkeiten nutzbar sind", so Bentele.

Lesermeinungen zu “Möglichkeiten unabhängiger Beratung” (16)

Von Lesebrille

Hallo Leni, wer etwas gegen Glaskugeln hat, sollte auch von "Ahnungen" Abstand nehmen.

Natürlich ist es so, dass jedeR BeratendeR sich selbst mit in die Beratung nimmt und auch das Leitbild der Trägervereine sich mit der Beratung decken sollte. Wer sich allerdings mit Peer Counseling und/oder psychosoziale Beratung auseinandersetzt, weiss, es geht darum, Menschen da abzuholen, wo sie sind, deren Ziele zu eruieren und ihnen zu helfen mit ihren eigenen Mitteln am Weg zu arbeiten. Das meint unabhängig.

Abhängig bedeutet, dass die BeraterInnen bei einem Unternehmen angestellt sind, das sich zumindest in GegnerInnennähe befindet. Ein Pharma-Unternehmen wird Sie nicht optimal bei einem Gesundheitsschaden durch ein Medikament unterstützen und die Ärztekammer wird ihre Schwierigkeiten damit haben, Sie im Streit mit einer Ärztin/enem Arzt optimal zu unterstützen. Die Aufzählung ist unvollständig.

Es steht Ihnen ja frei, neue Begriffe zu erfinden. Ich habe allerdings meine Zweifel, ob sie tatsächlich zielführend sind, oder nicht vielmehr verwässernd.

Von Leni

Es gibt schlicht keine unabhängige Beratung, deren Beratungsinstrumente auf Lesen-in-der-Glaskugel beruhen und von vornherein eigene Vorteile im Blick haben.
Behindertenverbände sind genauso mindestens einem Interessengeber von ihrer Satzung her und ihrer Interessenlage her verpflichtet, wie andere Vereine ihren Interessengebern.
Wenn nun aus der Petition die Interessen von Eltern von schwer(st)(mehrfach)behinderten (erwachsenen) Kindern aus der Petition dem Worte und dem 'Geiste' nach entfernt wurden und statt dessen Eltern mit Behinderung in die Petition hineingeschrieben wurden, so ist das eine Vorahnung darauf, wie Behindertenverbände ihre Mitglieder beraten.
Nämlich, dass auch manche Rat Suchenden NICHT, mitunter gar vorsätzlich falsch beraten wurden. Bisher. Damit die Interessen der Behindertenverbände gewahrt blieben und (für die Zukunft) die Interessen der Behindertenverbände gewahrt bleiben.

Von Wolfgang Ritter__deleted__033916

Sehr geehrte Damen und Herren,

gerade kommen ich von der Con - Sozial zurück und habe aus unterschiedlichen Richtungen und Überzeugungen etwas mitnehmen können und zwar, dass es sich durchaus lohnt, den angesagten Referentenentwurf abzuwarten. Soviel war aber bereits erkennbar, dass wie vereinzelte sich so manches vorstellen, es nicht kommen wird.

Es bleibt also spannend bis zum ersten Referentenentwurf der uns ja vor Weihnachten noch vorliegen soll. Momentan gibt es noch Diskussionen mit den Verbänden, was nicht anders zu erwarten war.

Wolfgang Ritter

Von Gisela Maubach

In diesem Zusammenhang möchte ich daran erinnern, dass in der Dokumentation "Menschen mit Behinderung im Deutschen Bundestag 26./27. Oktober 2012" als Ergebnis der Arbeitsgruppe Arbeit und Soziales auf Seite 29 folgendes dokumentiert wurde:

"Der Deutsche Bundestag und das zuständige Ministerium sollen mit geeigneten Mitteln untersuchen, was die Ursachen für das gesetzwidrige Handeln von Behörden und Kostenträgern bei der Bearbeitung und Bescheidung von Anträgen auf Leistungen der Bundesagentur für Arbeit, der Deutschen Rentenversicherung, der Träger der Sozialhilfe und der Krankenkassen sind, und die notwendigen Maßnahmen ergreifen, um dies abzustellen".

Ich war als Teilnehmerin der Arbeitsgruppe (als Vertreterin meines Sohnes) an dieser Formulierung beteiligt und frage mich rückblickend, welchen Sinn es hat, Menschen mit Behinderungen in den Bundestag einzuladen, wenn man drei Jahre später feststellen muss, dass es sich offensichtlich um eine reine Alibi-Veranstaltung gehandelt hatte.

Von Wolfgang Ritter__deleted__033916

Sehr geehrter Herr Bartz,

anscheinend sind Sie zumindest in den letzten Monaten der ein zigste, welcher es nicht verstehen will.

Mal anders ausgedrückt, sich hier über diese Gesetzesverstöße auszukotzen mag vielleicht die persönliche Erleichterung bringen, was aber keinesfalls bedeutet, alle finden es richtig und glauben an die Solidarität mit den schwächsten unserer Leidensgefährten. Eine Solidarität gab es bisher nur, wenn man für seine Ideen die Schicksale von geistig behinderten Menschen benötigte, dann wurde umgarnt und beworben und alle waren sich eins, denn man brauchte sie ja, will man ja nicht zugeben müssen, unterschiedliche Interessen zu verfolgen.

Jahrelang mit die Wölfe heulen, aber heute auf Kosten anderer einen auf Rebellen machen, da ist man bei mir an der richtigen Adresse und ich werde, wenn es erforderlich ist auch immer aussprechen was ich davon halte, wenn man versucht hier mich etwas für blöd verkaufen zu wollen.

Eigentlich sollte man sich wirklich komplett zurückziehen und dann das Ergebnis genießen, welches die große Hoffnung zum Tag der langen Nasen werden lies.

Wolfgang Ritter





Von Gerhard Bartz

Hallo Herr Ritter, solange Sie ständig "um die Ecke" argumentieren, läuft man Gefahr, Sie misszuverstehen. Dass ein Nachteilsausgleich ein Konto füllt, ist ein neuer Gedanke, dem ich nicht auf Anhieb folgen kann. Wenn ich ein Nachteilsausgleich in Form von Geld bekomme, erfüllt dies nur dann seinen Zweck, wenn es zugleich für den Nachteilsausgleich ausgebe. Der Nachteilsausgleich, den ich mir jedoch zuvorderst vorstelle, hat zunächst mit Geld gar nichts zu tun. Es geht mir darum die Gewalt gegen antragstellende Menschen in Gestalt von Lug und Betrug, von Erpressung und Verzögerungen, um nur einige zu nennen, zu beenden. Diese Punkte stehen in der ForseA-Agenda ganz oben. Der Einkommens- und Vermögenseinsatz ist ohnehin schon längst nicht mehr durch Gesetze gedeckt. Denn die BRK als neueres Recht interpretiert die ungepflegten Sozialgesetzbücher neu.

Von Wolfgang Ritter__deleted__033916

Sehr geehrter Herr Bartz,

Wenn Ihnen das Thema so wichtig ist, dann sollte man eine gewisse Ernsthaftigkeit auch aus Ihren Kommentaren erkennen können, was mir mit dem erneut von Ihnen hier gelieferten Beitrag meine ernsthaften Zweifel bringt.
Zitat:
Von Gerhard Bartz Sonntag, 18. Oktober 2015 22:49
„Hallo Herr Ritter,
wenn sich flächig staatliche Stellen verabreden, ein Gesetz nicht einzuhalten. Was ist das dann? Nobelpreisverdächtig?“

Polemik ist immer was feines, aber eine solche sollte nicht den Eindruck erwecken, ist mein Ziel erreicht und der Nachteilsausgleich mein Konto füllend, dann ist mir der Rest egal.

Wolfgang Ritter

Von Gerhard Bartz

Hallo Herr Ritter,
wenn sich flächig staatliche Stellen verabreden, ein Gesetz nicht einzuhalten. Was ist das dann? Nobelpreisverdächtig?

Von nurhessen

Hallo Herr Ritter,
das Kartellamt interessiert sich für Preisabsprachen, z.B. in jüngster Vergangenheit zwischen einzelnen Brauereien oder Discountern oder bei Übernahme von Firmen; Ziel ist es, eine Monopolstellung zu vermeiden, um Wettbewerbsfähigkeit zu erhalten Die Analogie ist dann naheliegend, die einen werden subventioniert, die anderen nicht! Oder: Der Kostenträger berät im Sinne des Kostenträgers preisgünstigst! Grüße

Von Wolfgang Ritter__deleted__033916

Nachtrag:

Was hat das Kartellamt mit dem SGB IX - § 17 zu tun?

Von Wolfgang Ritter__deleted__033916

Hallo Herr Bartz,

warten wir ab, welches Ergebnis das hängen der Fahne nach dem Wind bringen wird und genießen wir dann das Jammern derer, welche meinten, mit Jammern weiter zu kommen, indem sie immer die Schuld bei anderen suchten und meinten mit Geld vom Rest der Masse abheben zu können.

Wolfgang Ritter

Von Gerhard Bartz

Wollen Sie uns fördern, Herr Ritter? Oder woher sollen wir Fördermittel bekommen? Solange sich die Kostenträger ungestraft darauf verständigen können, dass sie Beratungskosten von Selbsthilfevereinen bei der Bedarfsermittlung außen vor lassen, müssen Menschen mit Assistenz- und Beratungsbedarf dafür früher zu Bett. Keine Staatsanwaltschaft, kein Kartellamt interessiert sich für diese Absprache, die im krassen Widerspruch zum § 17 SGB IX steht.

Von Wolfgang Ritter__deleted__033916

Sehr geehrter Herr Bartz,
Zitat:
„Hier bedarf es nun mal eines energischen Widerspruches. Dort, wo behinderte Menschen behinderte Menschen beraten, bleiben in der Regel fremde Interessen außen vor.“

Und wie oft wurden die Regeln gebrochen, wenn es um die Glaubwürdigkeit ging?
Ohne Zugeständnisse, würden doch hier keine Fördermittel fließen, egal wer sie erhält und zu welchem Zweck sie gedacht sind.
Wirklich, manchmal sind die Beiträge auf Kobinet unterhaltsamer, als heute die Bild am Sonntag.

Wolfgang Ritter

Von Gerhard Bartz

Hier bedarf es nun mal eines energischen Widerspruches. Dort, wo behinderte Menschen behinderte Menschen beraten, bleiben in der Regel fremde Interessen außen vor. Ich kann natürlich nur für die ForseA-Berater sprechen, weil ich die kenne. Je mehr diese Leute beraten, desto besser werden sie in der Beratung. Es ist wie überall. Jeder Berater bringt etwas, nimmt auch wieder was mit: Erfahrung. Diese ist Gold wert. Denn diese wird wiederum an andere weitergegeben. Damit ist ForseA in der Beratung groß geworden. Diesen Schuh, den Leni hier geworfen hat, diesen Schuh ziehen wir uns nicht an.

Von Leni

Es kann gar keine unabhängige Beratung geben, höchstens eine Beratung, bei deren Akteur/innen vor der Beratung ein Wechsel stattgefunden hat.

Behinderte sind noch mehr Abhängige, als die Beratenden in Kommunen und Ministerien oder die ominösen Hilfsmittelberater/innen, die im Auftrag der Krankenkassen ihr Unwesen landauf, landab treiben.

Behinderte sind von ihren Assistenten abhängig und können auch nur darüber beraten, was ihnen bekannt ist. Es glaubt doch niemand, dass die Protagonist/innen von ISL und Co. unabhängig sind(?)

Wenn ISL und Co.-Akteur/innen wissend wären, würden viele der genannten Akteur/innen qualitativ hochwertigen orth. Hilfsmittel nutzen und hätten längst eine eigene Hilfs- und Heilmittelversorgung aufgebaut.

Wenn nun Unwissende Unwissende 'beraten' sollen, gute / schlechte Nacht.

Von Wolfgang Ritter__deleted__033916

Möglichkeiten unabhängiger Beratung!
Veröffentlicht am Dienstag, 13. Oktober 2015 von Franz Schmahl

Beratung von Menschen mit Behinderungen soll nach Ansicht von Verena Bentele auf die Teilhabeziele des Einzelnen ausgerichtet sein. "Sie muss transparent und erkennbar die besten Möglichkeiten aufzeigen", sagte heute die Beauftragte der Bundesregierung für die Belange behinderter Menschen, die Möglichkeiten für deutschlandweite unabhängige Beratung auslotete.
Nun wäre ja zunächst mal interessant gewesen, wie hochkarätig diese,

" Fachtagung „Unabhängige Beratung - Erfahrungen und Qualitätsstandards".

besetzt gewesen ist, denn wenn ich hier lese,
Zitat:
"Peer Counseling, bei dem Menschen mit Behinderung andere Menschen mit Behinderung informieren und beraten, ist aus Sicht von Verena Bentele auch zur Stärkung von Hilfe auf Augenhöhe dafür besonders sinnvoll.",
dann stellt sich doch erneut die berechtigte Frage, wie will ich dem gerecht werden, wenn allein das Krankheitsbild, eine derartige Möglichkeit bei Menschen mit seelischer oder geistiger Behinderung gar nicht erst zulassen. Wer will denn im Peer Counseling als Mensch mit seelischer oder gar noch geistiger Behinderung, seinem Leidensgefährten oder dessen Angehörigen eine solche Beratung geben können?
In totaler Unkenntnis habe ich, da mir 2008 ein Persönliches Budget als das Beste was der Markt bietet empfohlen wurde damals versucht, zu dieser Thematik eine immer wieder hervorgehobene Beratung erhalten zu können. In dem damals persönlichen Gespräch, welches ich mit einer hier in der behinderten Bewegung hoch angesehenen Person führen konnte, war bis auf den Satz ( bei uns sind Sie verkehrt, Sie müssen schauen dass es eine andere Möglichkeit der Beratung für Sie gibt ) war nichts verwertbares aus dem damaligen Gespräch zu entnehmen. Auch der dann noch damals von Forsea herausgegebene Ratgeber welchen ich erworben hatte, brachte nicht dass, was man vielleicht an Informationen gebraucht hätte. So blieb also nur die Eigenrecherche, wie weit man aber damit kommt dann in den Behörden, hat bestimmt hier fast jeder schon in Erfahrung gebracht.
Man kann nicht alle verdammen, denn in meinen seit Jahren geführten Recherchen zum PB kam es auch vor das Ländergrenzen überschreitend, durchaus Menschen bereit waren einen gewissen Einblick in ihre Beratungsarbeit zu ermöglichen. Hier soll mal besonders der sehr gute Ratgeber von Cafe 3b ( Bielefeld ) erwähnt werden, welcher zwar sehr informativ ist, aber auch Ländergrenzen überschreitend aufzeigte, zwar kochen alle mit Wasser, aber die vorgesetzten Speisen sind unterschiedlich, welche aus der Sozialamtsküche kommen, wobei ich die Beratung von Cafe 3b als ein Sternelokal bezeichnen würde, was man in Bayern suchen kann, wenn man nicht zu einer bestimmten Personengruppe anscheinend gehört.

Sehr geehrte Frau Bentele,

Wenn Beratung so wichtig ist, dann aber bitte nicht gewisse Aufgaben einseitig übertragen, nur um so den Anstrich der Selbstbestimmung zu verleihen, wenn man eine derartige Beratung nach Peer Counseling erhalten hat. Die Hürden in den Behörden sind keinesfalls mit einer derartigen Beratung überwunden und schon gar nicht für den Menschen mit seelisch geistiger Behinderung.


Wolfgang Ritter