Geschichten aus Absurdistan im November 2015
Veröffentlicht am von Gerhard Bartz
Bild: ForseA e.V.
Hollenbach (kobinet) Unter der Überschrift "Persönliches Budget am Ende des Jahres 2015" berichtet der Bundesverband ForseA aus einem aktuellen Beratungsfall. Ein Antragsteller aus einem Bundesland, "das den Anschein erweckt, in Sachen Persönliches Budget bundesweit die Fahne am höchsten zu halten." (ForseA) schildert seine Antragstellung. Seine Schilderung hat der Verband in seine ständige Sammlung "Geschichten aus Absurdistan" aufgenommen. Dort ist zu lesen, wie sein Verfahren immer wieder verzögert wurde, wie er von seinem Kostenträger hingehalten und falsch beraten wurde. ForseA schreibt dazu unter anderem: "Solange die Nachteilsausgleiche aus der Sozialhilfe kommen, so lange wird das Persönliche Budget eher auf ministerialen Hochglanzbroschüren zu finden sein. In der Praxis verträgt sich das SGB IX mit dem SGB XII wie Feuer und Wasser. Die Sozialhilfe kann mit dem liberalen Denken des SGB IX nichts anfangen. Die Sozialhilfe ist ein Machtinstrument des Staates. Nahezu jeder Antragsteller kam und kommt damit schmerzhaft in Berührung.

Von nurhessen
Da halte ich wieder gegen die Begutachtung: Auch die Ursache bestimmt den Aufwand, sie ist jedenfalls nicht unerheblich. Wir haben Gutachter erlebt, die aus der Anzahl der Treppenstufen, die es zu überwinden galt, auf die Pflegestufe schlossen. Auch die Tatsache der häufig von den Krankenkassen gar nicht bewilligten Therapien bestimmen den Aufwand, der durch die Behinderung entsteht. – Das ist Willkür pur: trägt man sein Kind mit Mühen aus oberen Stockwerken einige Treppenstufen hinunter, KANN der Aufwand, der durch die Behinderung entsteht, nicht sonderlich groß sein, sonst hätte man sich sicherlich bereits einen von der Krankenkasse nicht genehmigten Aufzug einbauen lassen. Wie heißt es auf Neudeutsch: So geht Logik!
Von Gerhard Bartz
Die Pflegestufe wird durch den Aufwand bestimmt, nicht durch die Ursache. Ob der Aufwand korrekt ermittelt wurde, kann man getrost bezweifeln, denn die meisten MDK-Gutachten sind durchaus überprüfenswert.
Die "Geschichten aus Absurdistan" zeigen aus der Praxis, wie Kostenträger ihre Macht missbrauchen, wenn ihnen durch den Gesetzgeber so viel Spielraum gelassen wird.
Von nurhessen
Eine unbescheidene Frage: landet man als Empfänger dieser unglaublichen Geschichten nicht irgendwann selbst im Land Absurdistan oder gleich im Burnout? – Jedenfalls weit weg vom Land, „wo die Zitronen blühn,…“.- Eine Bemerkung nebenbei, hat der Gutachter richtig begutachtet, wenn er eine Querschnittslähmung BWK 8 der Pflegestufe 1 zuordnet? Ungeheuerlich.