Volles Haus im Paul-Löbe-Haus in Berlin

Veröffentlicht am von Christian Mayer

Corinna Rüffer
Corinna Rüffer
Bild: Irina Tischer

Berlin (kobinet) Weit über 300 TeilnehmerInnen drängten sich gestern Nachmittag im Foyer des Paul-Löbe-Hauses in Berlin auf Einladung der Bundestagsfraktion von Bündnis 90/DIE Grünen. Diese hatte am Vortag der heutigen Verbändeanhörung zum Referentenentwurf des Bundesteilhabegesetzes zur Fachtagung unter dem Motto "Gleichberechtigt und selbstbestimmt? Was bringt das neue Teilhabegesetz?" geladen.

Während der Demonstration am 4. Mai und Protestaktionen am 11. und 12. Mai zum Bundesteilhabegesetz hatte sich der Slogan "NichtmeinGesetz" bereits verbreitet. Dass dieser nicht nur die Meinung einzelner ist, sondern von vielen im Hinblick auf das Bundesteilhabegesetz geteilt wird, das wurde auch bei der gestrigen Veranstaltung im Paul-Löbe-Haus klar. Denn der vorliegende Referentenentwurf für das Bundesteilhabegesetz stieß nicht nur auf Kritik, sondern sorgte bei vielen mit zunehmender Diskussion für Empörung. Während das Forum behinderter Juristinnen und Juristen in seiner Schlussbemerkung zur heutigen Anhörung im Bundesministerium für Arbeit und Soziales mit der noch freundlicnen Bemerkung, dass der vorliegende Gesetzentwurf grundlegend überarbeitet werden muss, ausgedrückt hatte, war für viele TeilnehmerInnen der gestrigen Veranstaltung klar, dass dieser Entwurf so gar nicht geht. Er sei nicht nur meilenweit von der Umsetzung der UN-Behindertenrechtskonvention entfernt, die Verschlechterungen und drohenden Gefahren für die Selbstbestimmung behinderter Menschen seien schlichtweg nicht akzeptabel.

Anton Hofreiter, der Fraktionsvorsitzende der Bundestagsfration von Bündnis 90/Die Grünen, und deren behindertenpolitische Sprecherin Corinna Rüffer hatten bereits zu Beginn der Veranstaltung deutlich gemacht, dass der vorliegende Referentenentwurf dem Anspruch der UN-Behindertenrechtskonvention nicht gerecht wird. In den Arbeitsgruppen wurde dies anhand vieler Beispiele belegt. Die wenigen Verbesserungen im Entwurf könnten die drohenden Verschlechterungen und Mängel in keinster Wiese aufwiegen. So betonte Ottmar Miles-Paul in seinem Schlusswort auch, dass die Regierungskoalition nach der Ablehnung der Verpflichtung privater Anbieter von Dienstleistungen zu angemessenen Vorkehrungen zur Barrierefreiheit im Bundesbehindertengleichstellungsgesetz am 12. Mai nun unter erhöhter Beobachtung stehe, also sozusagen auf Bewährung sei. Denn die Praxis ihrer Behindertenpolitik sei weit von den vollmundigen Ankündigungen und vor allem von den Anforderungen der UN-Behindertenrechtskonvention entfernt. Corinna Rüffer bekräftigte dies in ihrem Schlusswort und machte deutlich, dass es gelte, für gute gesetzliche Regelungen zur Teilhabe zu kämpfen.

Lesermeinungen zu “Volles Haus im Paul-Löbe-Haus in Berlin” (4)

Von ZORRO

Richtig, aber nicht "nur... irgendwann... tätig, sondern als früheres "Mitglied der Geschäftsführung" des BDA. Besonders ausgewogen erscheint das nicht.

Von Arnd Hellinger

@ZORRO:

Nur weil Herr Hagedorn irgendwann beim BDA tätig war, soll er zur Moderation des Workshops ungeeignet gewesen sein? Sorry, aber Ihr Demokratieverständnis ist schon sehr grenzwertig.

Und ohne Beteiligung der Arbeitgebenden wird Teilhabe am Arbeitsleben logischerweise auch nicht besonders gut zu erreichen sein...

Von Parteienkritiker

Wen wundert's denn noch? Bündnis '90/Die Grünen sind ja spätestens seit der Rot-Grünen Kolation 1998-2005 auf Bundesebene mit wirtschaftspolitischen und insbesondere energiepolitischen Fragen befasst. Außerdem haben sie ja bekanntermaßen die sog. Agenda 2010 und die unsäglichen Hartz-Gesetze von Gerhard Schröder als dessen Junior-Koalitionspartner mitgetragen! Anton Hofreiter und einige weitere an der Partei-/Fraktionsspitze mögen ja wirklich links eingestellt sein... Aber ob unser leutseliger Winfried Kretschmann (BW) oder auch Tarek Al-Wasir (HE) unter ihren realpolitischen Ämtern immer noch nach alten "Fundi"-Idealen ticken (dürfen), darf sehr bezweifelt werden... Business as usual eben... Vergesst nicht: Die Grünen (und auch die Linken) im Bundestag können rein gar nichts gegen die Große Koalition ausrichten! Ob aber die Grünen ihre "Macht" im Bundesrat ausspielen können und zu unseren Gunsten das Bundesteilhabegesetz gar noch zu Fall bringen vermögen, dürfte wohl auch wieder eine Frage der richtigen Schmierung sein (entweder von den Schwarzen oder der Segrationsindustrie). - Deswegen: Andere relevante Kräfte und Institutionen angehen, welche die Parteien gegen uns offen und verdeckt schmieren! Und dann wären wir wieder bei den großen Wirtschaftslobbyisten BDA, BDI, ZDH, DIHK, DEHOGA usw.. Nicht nur in (sozial-) politischen Kategorien und -sphären denken und/oder handeln!

Von ZORRO

Was hat Bündnis 90/Die Grünen nur geritten, J. R. Hagedorn, einen vormaligen BDA-Funktionär in den 90-er Jahren, als "Moderator" auf dieser Fachtagung im Workshop "Teilhabe am Arbeitsleben" einzusetzen?