Jede neue Idee kann uns näher bringen
Veröffentlicht am von Ottmar Miles-Paul
Bild: Aktion Mensch
Bonn (kobinet) Die Aktion Mensch setzt sich in ihrem Kampagnenvideo "Die neue Nähe" für ein selbstverständliches Miteinander von Menschen mit und ohne Behinderung ein (www.aktion-mensch.de/neuenaehe). Der Film der Soziallotterie zeigt, wie Innovationen mehr Begegnung ermöglichen und Barrieren abbauen.
"Immer mehr Bundesbürger denken bei Barrierefreiheit nicht nur an Rampen, sondern zum Beispiel auch an technische und digitale Hilfen oder Informationen in Leichter Sprache", sagt Armin v. Buttlar, Vorstand der Aktion Mensch. Auch Gebrauchsgegenstände, Dienstleistungen, Medien oder Freizeitangebote müssen so gestaltet sein, dass sie für alle ohne fremde Hilfe zugänglich sind. Barrierefreiheit ist für Jeden komfortabel "Jede neue Idee kann uns näher bringen" lautet daher auch das Motto des Kampagnenfilms: Die Aktion Mensch will auf die vielen Möglichkeiten hinweisen, die sich durch fortschreitende Digitalisierung und den technologischen Fortschritt in vielen Lebensbereichen entwickelt haben. Gleichzeitig will sie alle Menschen dafür sensibilisieren, dass Barrierefreiheit weiter vorangebracht werden muss. Denn von Barrierefreiheit profitieren alle: Für jeden Menschen ist sie komfortabel, für jeden Dritten notwendig und für jeden Zehnten unentbehrlich. Die Aktion Mensch lädt mit dem Video dazu ein, gemeinsam Lösungen für noch vorhandene Barrieren zu finden, heißt es in einer Presseinformation der Soziallotterie.
Bessere Teilhabe an der Gesellschaft
Dabei sind nach Ansicht der Aktion Mensch zwei Aspekte wichtig: Zum einen müsse die Umgebung barrierefrei gestaltet werden, damit jeder Mensch überall hingelangen kann. Hier sei nicht nur der Gesetzgeber, sondern seien alle Menschen in ihrem Umfeld dafür verantwortlich, zum Abbau von Hürden beizutragen. Zum anderen eröffne die technologische Entwicklung Menschen mit Behinderung viele Möglichkeiten, noch besser an der Gesellschaft teilhaben zu können. Das könne durch digitale Angebote wie Apps - zum Beispiel bemyeyes.org für blinde Menschen – oder barrierefreie Webseiten, immer bessere technische Hilfsmittel wie die Mundmaus, der Talker, die Lormhand oder das Exoskelett sowie Prothetik möglich werden.
Im Kampagnenfilm bringen diese Möglichkeiten Kinder ins Gespräch mit Menschen mit Behinderung. Die Fünf- bis Elfjährigen haben keine Berührungsängste und sind fasziniert davon, welche Möglichkeiten der Interaktion sich bieten – auch wenn ihr Gegenüber im Rollstuhl sitzt, blind ist oder nicht sprechen kann.
www.aktion-mensch.de/neuenaehe

Von Parteienkritiker
Die Intention derartiger Videos aus dem Hause Aktion Mensch ist aber trotz aller netter Gimmicks immer wieder auch noch noch mit einer Portion Gutmenschentum & Helfersyndrom behaftet, denn sie sollen natürlich nebenbei auch weiter Spenden und Lotterieeinnahmen generieren... Zwar hat auch der Bereich der Liga Selbstvertretung e. V. bis dato immer von der Förderpolitik der Aktion Mensch partizipiert. Die Big Player der Wohlfahrts- und Aussonderungsindustrie haben aber im Vergabeausschuss das Sagen! Die schönen Botschaften haben somit immer noch einen schalen Beigeschmack in Bezug auf echte (Freizeit)!
Von Lesebrille
Die Gimmiks sind ja ganz neckisch und für behinderte Menschen sicherlich etwas Feines.
Aber was mir noch nicht klar ist: wann sehen sich die beiden Kinder, das behinderte und nichtbehinderte, denn wieder?
Die meisten behinderten Menschen sind übrigens alt, ich glaube kaum, dass der Grossteil von ihnen mit Smartphone unterwegs ist.
Dann gibt es Menschen, die intellektuell eingeschränkt sind und qua Geburt auf den Sonderweg "aussortiert" werden, mit geringen Chancen, diesen jemals zu verlassen. Und deren pflegende Anverwandte auch mit einem Exoskelett nicht lebenslänglich Haltung bewahren wollen!
Und dann gibt es die Masse dazwischen, für die technische Hilfmittel echt knorke sind!
Doch wenn sich die Wege zwischen behinderten und nichtbehinderten Menschen erst gar nicht kreuzen, weil Inklusion immer noch, und mit den neuen Gesetzen erst recht, ein Fremdwort ist, dann nützen barrierefreie Webseiten zwar beim Lesen, eine Garantie für die Einschulung in die Regelschule, für ein barrierefreies Studium oder einen Arbeitsplatz auf dem ersten Arbeitsmarkt sind sie noch lange nicht.
Von gemeinsamen Zeiten bei Freizeitaktivitäten ganz zu schweigen... . Denn Toiletten werden auch mit den tollsten Apps nicht barrierefrei, und ebensowenig verschwinden Stufen, wenn man sie in einfacher Sprache anspricht!
Von Gisela Maubach
Eine bessere Teilhabe an der Gesellschaft könne (Zitat) "durch digitale Angebote wie Apps - zum Beispiel bemyeyes.org für blinde Menschen – oder barrierefreie Webseiten, immer bessere technische Hilfsmittel wie die Mundmaus, der Talker, die Lormhand oder das Exoskelett sowie Prothetik möglich werden." (Zitat-Ende)
Bei allen (auch im Film vorgebrachten Beispielen) muss das Gehirn des Menschen in der Lage sein, mit den "Angeboten" eigenständig umzugehen.
Diejenigen Menschen, denen selbst das beste technische Hilfsmittel keine Teilhabe ermöglicht, weil sie geistig so schwer behindert sind, dass sie sich nicht selbst mitteilen können, benötigen zur Teilhabe Vertrauenspersonen, die als Vermittler unverzichtbar sind.
Für diese Menschen bestehen die Barrieren darin, dass man sie ihre Tagesabläufe überwiegend unter ihresgleichen in eigenen Räumlichkeiten verbringen lässt - selbst dann, wenn der Mensch durch das Ausdrücken von Lebensfreude ganz deutlich zeigen kann, dass er sich sehr gerne intensiv auch in der nicht-behinderten Gesellschaft bewegt.
Zu diesem Zweck würde aber das "Angebot" in Form eines Menschen (Betreuer/Assistent) benötigt, der diejenigen Teile des Gehirns beim behinderten Menschen ersetzt, die nicht richtig funktionieren.
Es darf nicht sein, dass "Barrierefreiheit" für diese Menschen nur dann möglich ist, sofern sie noch Eltern haben, die sich bis ins hohe Alter und bis zur Erschöpfung für ihr erwachsenes Kind belasten und zusätzlich noch dafür bestraft werden, indem sie im Rentenalter in die Armut geschickt werden.
Es wäre hilfreich, wenn auch die "Barrieren" von Menschen mit schwerster geistiger Behinderung von Aktion Mensch mal thematisiert würden.