Einigung auf Hilfefonds für ehemalige Heimkinder
Veröffentlicht am von Ottmar Miles-Paul
Bild: Irina Tischer
Berlin (kobinet) Die Regierungschefs von Bund und Ländern haben sich bei ihrem gestrigen Treffen endlich auf einen neuen Hilfefonds für ehemalige Heimkinder mit Behinderungen geeinigt. Mit der Stiftung „Anerkennung und Hilfe“ sollen nun auch jene Menschen Hilfen erhalten, die als Kinder oder Jugendliche in stationären Einrichtungen der Behindertenhilfe oder Psychiatrie Unrecht und Leid erfahren haben. Darauf hat Kerstin Tack, behindertenpolitische Sprecherin der SPD-Bundestagsfraktion, hingewiesen.
"Der gemeinsame Beschluss der Bundeskanzlerin und der Regierungschefinnen und Regierungschefs der Länder sieht vor, dass Betroffene eine pauschale Geldleistung in Höhe von 9.000 Euro erhalten. Außerdem soll es Rentenersatzzahlungen in Höhe von 3.000 bis 5.000 Euro geben, sofern Menschen mit Behinderungen im Rahmen ihrer Unterbringung Arbeitstätigkeiten nachgehen mussten, für die aber keine Sozialversicherungsbeiträge entrichtet wurden. Personen, die als Kinder und Jugendliche in Heimen der Erziehungshilfe Unrecht erlitten haben, erhalten schon jetzt Hilfen aus den beiden Fonds 'Heimerziehung in der DDR' und 'Heimerziehung West'. Menschen mit Behinderungen oder psychischen Erkrankungen aus Einrichtungen der Behindertenhilfe sowie der Kinder- und Jugendpsychiatrie werden darin jedoch nicht berücksichtigt, obwohl sie die gleichen Nachteile erfahren haben", erklärte Kerstin Tack.
Die SPD-Bundestagsfraktion habe sich stets dafür eingesetzt, diese Schlechterstellung zu beenden. "Wir sind froh, dass die Ungleichbehandlung von Menschen mit Behinderungen mit der gestrigen Einigung nun aufhört und es eine Stiftung 'Anerkennung und Hilfe' geben wird. Mit diesem längst überfälligen Schritt wird endlich dem Leid wirklich aller Opfer Beachtung geschenkt", so Kerstin Tack.

Von info ergo
Weiß jemand, wie dieser "Fonds III" praktisch laufen soll? Die Heimkinderfonds werden ja anders als das EHS-FSM (Ergänzende Hilfesystem für Missbrauchsopfer- Fonds Sexueller Missbrauch) betrieben. Woran wird sich der Fonds III orientieren?
Übrigens: ich engagiere mich als Betroffene (Erfahrungsexpertin) ehrenamtlich im EHS-FSM. Der familiäre Teil, der natürlich auch Menschen mit Behinderung offen steht wird fortgesetzt, wie es mit dem institutionellen aussieht, ist noch nicht geklärt. Es hat sich gezeigt, dass es für die Verhandlungen mit den Errichtern und Betreibern der Hilfesysteme sinnvoll ist, wenn die verschiedenen Gruppen von Geschädigten untereinander Kontakt halten, sich gegenseitig informieren und abstimmen.
Ich bin über meine Praxishomepage zu erreichen, die leicht im Netz zu finden ist.
Angelika Oetken, Berlin-Köpenick
Von info ergo
Die Westheime waren zumeist in kirchlicher Hand, die im Osten wurden vom Staat betrieben. Unabhängig davon bekamen aber alle öffentliche Gelder, womit sie Kindern und Jugendlichen, die ein neues Zuhause brauchten, eines bieten sollten. Statt dessen haben viele dieser Institutionen so gewirtschaftet, dass sie sich ökonomisch und politisch zu großen Anbietern auf dem Sozialmarkt weiter entwickeln konnten bzw. Kinder zu politischen Häftlingen machten, um sie stellvertretend für ihre Eltern zu bestrafen und auszubeuten. D.h. in beiden deutschen Staaten wurde am Betrieb der Heime sehr gut verdient. Durch rudimentäre Ausstattung der Einrichtungen, schlechte Versorgung der Zöglinge, widerrechtliche Zwangs- und Fehleinweisungen, indem man die Minderjährigen Zwangsarbeit leisten ließ, durch Einstellung von Personal, das eigentlich in die Psychiatrie oder ins Gefängnis hätte geschickt werden müssen. Weil man es so wie es war, hätte gar nicht auf die Menschheit los lassen dürfen. Erst Recht nicht auf Kinder und Jugendliche, schon gar nicht welche, die krank und/oder behindert sind.
Die wahlweise christlich-moralische bzw. politisch-soziale Attitüde, mit der viele der zuständigen Träger und Betreiber heute jegliche Verantwortung von sich weisen bzw. ihre Schuld marginalisieren, sollte nicht darüber hinwegtäuschen, dass es den meisten von ihnen jetzt, ohne die Menschenrechtsverletzungen an bedürftigen Kindern und Jugendlichen und die geschickt betriebene Veruntreuung öffentlicher Mittel, schlecht(er) gehen würde. Es ist so wie meistens: gibt es was zu verteilen, schreien alle "hier". Soll man für was aufkommen, was man selbst verschuldet hat, duckt man sich weg und versucht, die Lasten auf die Allgemeinheit abzuschieben.
Angelika Oetken, Berlin-Köpenick, eine von 9 Millionen Erwachsenen in Deutschland, die in ihrer Kindheit und/oder Jugend Opfer schweren sexuellen Missbrauchs wurden
Von Gina
kann man denn heute noch ansprüche stellen? ich war zu ddr zeiten auch heimkind und habe gehört das man keine anträge mehr stellen kann,stimmt das?
Von Monikagr
entschädigt zu werden. Denn nur so kann Aufarbeitung auch gelingen. Denn für alles andere ist ja auch Geld da und wird sofort verplempert ohne das es Sinn macht , und hier hat die Regierung sammt der runde Tisch des fonds ehemaliger Heimkinder die Möglichkeit endlich mal etwas sinnvolles zu machen. Denn dann klingt man auch glaubwürdig. Ich bin selbst ehemaliges Heimkind und was ich erlebt habe war alles andere als super !!
Von Monikagr
Sie reden hier von Entschädigung aller ehemaligen Heimkinder aus den Jahren 1949 - 1975. sie reden hier von Gerechtigkeit. Vergessen sie nicht einiges??
Ich Rede von zig tausend ehemaligen Heimkindern aus West und der ehemaligen DDR die nicht entschädigt wurden da sie die meldefristen verpasst haben , aus welchen gründen auch immer spielt keine Rolle. Wie soll man etwas aufarbeiten wenn man schon seitens der Regierung und irgendwelchen Fristen daran gehindert wird. Sie wollen Gerechtigkeit für alle ehemaligen Heimkinder aus den Jahren 1949 - 1975 dann sollten sie beide Fonds West wie DDr wieder öffnen ,und allen die gleiche Chance geben ,nämlich die für erlittenes Leid entsprechend entschädigt zu erder
Von Monikagr
Sie reden hier von Entschädigung aller ehemaligen Heimkinder aus den Jahren 1949 - 1975. sie reden hier von Gerechtigkeit. Vergessen sie nicht einiges??
Ich Rede von zig tausend ehemaligen Heimkindern aus West und der ehemaligen DDR die nicht entschädigt wurden da sie die meldefristen verpasst haben , aus welchen gründen auch immer spielt keine Rolle. Wie soll man etwas aufarbeiten wenn man schon seitens der Regierung und irgendwelchen Fristen daran gehindert wird. Sie wollen Gerechtigkeit für alle ehemaligen Heimkinder aus den Jahren 1949 - 1975 dann sollten sie beide Fonds West wie DDr wieder öffnen ,und allen die gleiche Chance geben ,nämlich die für erlittenes Leid entsprechend entschädigt zu erder