Sport inklusiv?
Veröffentlicht am von Franz Schmahl
Bild: IGfBF
Fulda (kobinet) Von Hanns-Uwe Theele veröffentlcht kobinet heute einen Gastkommentar. Der Fuldaer Aktivist für Barrierefreiheit und Inklusion hat viel Energie in den Aufbau einer inklusiven Sportgruppe gesteckt. Doch der Landessportbund Hessen schließt die von ihm geleitete "Interessengemeinschaft barrierefreies Fulda e.V." wegen ihres falschen Vereinsnamen aus.
Von Hanns-Uwe Theele
Nach der Ratifizierung der UN-Behindertenrechtskonvention durch die Bundesrepublik Deutschland ergeben sich auch im Sport neue Ansätze der Beteiligung und Förderung von Menschen mit Behinderung. Barrierefreiheit (nicht nur baulich) und Nichtdiskriminierung spielen auch in diesem Bereich in Zukunft eine wichtige Rolle. In jüngster Vergangenheit entstehen landesweit immer mehr innovative und inklusive Sportgruppen innerhalb von bestehenden Institutionen und gemeinnützigen Vereinen, die nicht dem Bild der klassischen Sportvereine entsprechen, wie wir sie aus den letzten Jahrzehnten kennen. Auch im Sport hat zu Gunsten der Menschen mit Behinderung ein längst überfälliger Paradigmenwechsel stattgefunden.
Leider sind diese Fakten von Menschenrechten noch nicht zu allen Verantwortlichen bei Sportverbänden durchgedrungen. Ich stoße bei Verantwortlichen in Politik, Institutionen und Verbänden immer wieder auf Barrieren in den Köpfen. Was ich aber jetzt wieder miterleben durfte, ist einer der negativen Höhepunkte. Seit neun Monaten habe ich viel Energie in den Aufbau einer inklusiven Sportgruppe gesteckt. Unter Anderem haben wir eine Rollstuhlbasketballmanschaft aufgebaut, die wöchentlich mit ca. 10 Spielern mit und ohne Behinderung trainiert. Für die Anschaffung der sehr teuren, speziellen Basketballrollstühle habe ich persönlich über ein halbes Jahr an viele Türen geklopft um rund 30.000 Euro zur Anschaffung zu generieren. Zahlreiche engagierte Unternehmen, Privatpersonen und das Hessische Ministerium für Soziales und Integration (siehe Foto mit Staatssekretär Dr. Wolgang Dippel bei der Übergabe des Bewilligungsbescheides zur Förderung) haben uns unterstützt.
Wir bieten mit unserem Sportequipment sogar Aktionen mit Rollstuhlbasketball in Schulen an, um Inklusion zu fördern und über den Sport Barrieren in den Köpfen abzubauen. Um die Sportler gegen verschiedene Risiken abzusichern und sie bei Interesse auch für den Ligabetrieb anmelden zu können, muss man Mitglied beim Landessportbund Hessen sein. Dies hat die IGbFD auch beantragt. Der LSBH hat den Antrag jedoch abgelehnt und schließt die Teilnehmer der Sportgruppe der IGbFD e.V. wegen falschen Vereinsnamens aus.
Es ist nicht zu glauben, aber wahr. Weil unser Verein nicht zusätzlich den Namen "Sport" im Namen trägt, schließt der Landessportbund uns aus. Na und, könnte man jetzt denken. Aber weit gefehlt. Wer nicht Mitglied ist, kann die Teilnehmer nicht über den Sportversicherungsvertrag (Haftpflicht/Unfall) absichern, die Rollstuhlbasketballmannschaft kann nicht an Ligaspielen teilnehmen, nicht ordentliches Mitglied in anderen Sportverbänden werden und auch keine Förderungen beantragen, weil die bei Kommunen und Land meist an die Mitgliedschaft im LSBH gebunden ist.
Der LSBH nimmt hier durch seine Monopolstellung in Kauf, weitreichende Nachteile für Sportler zu verursachen und den Sport durch Menschen mit Behinderung zu verhindern. Der LSBH verstößt damit meiner Meinung nach, gegen die UN-Behindertenrechtskonvention und somit gegen ihre eigene Satzung, in der sie in Paragraph 6 die Menschenrechte anerkennen. Die IGbFD wir ihren Vereinsnamen nicht ändern. Ich kämpfe persönlich weiter für den Abbau von Barrieren, auch im Sport.

Von Sportberater
Sehr geehrter Herr Theele,
der Landessportbund Hessen (lsbh) begrüßt nicht nur Formen und Förderung von inklusiven Prozessen und Angeboten, er fördert sie auch und veranstaltet selbst welche. Das kann und darf er aber eben nur im Rahmen seiner Satzung und in dieser ist auch die Namensgebung von Sportvereinen geregelt. In diesem Zusammenhang gibt es bestimmt Lösungen, die allerdings Barrierefreiheit in den Köpfen aller Beteiligter voraussetzt. Von Ausschluss kann daher auch keine Rede sein, wenn man (Ihre IG) noch gar nicht dabei und Mitglied im lsbh war.
Jetzt, am 8. Juli 2016 findet in Fulda, in Ihrem Wirkungskreis, eine große Sportveranstaltung statt. Im Rahmen einer bundesweiten auf 8 Teilnehmerstädte begrenzten Tour zum Deutschen Sport- und Deutschen Behindertensportabzeichen ist der hessische Halt in Fulda. Als besonderen Schwerpunkt haben wir das Thema Inklusion ausgesucht. Vielleicht ergibt sich dort auch für Sie die Gelegenheit, im Gespräch mit anwesenden Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen der Sportorganisationen einschließlich Präsidiumsmitgliedern eine konstruktive Zukunftsentwicklung für Ihre lobenswerten Initiativen herbeizuführen. Die wünsche ich Ihnen und den von Ihnen begeisterten Menschen mit und ohne Behinderung.
Freundliche Grüße
Sportberater
Von Regenmax
Guten Tag, Herr Theele,
Namensklarheit herrscht zumindest nicht und in Ihrer Satzung ist "Sport" zwar als ein Zweck erwähnt, verwirklichen wollen Sie den aber "durch Aktivitäten, die dazu beitragen, dass Menschen mit körperlicher Behinderung in die Lage versetzt werden sich in Stadt und Landkreis Fulda barrierefrei zu bewegen."
Bei allem Respekt vor Ihrer Arbeit als Vereinsvorstand (die aufgezählten Taten sind zweifelsohne mit enormem Aufwand und großer Hingabe verbunden), ich kann den LSB sehr gut verstehen.
Bevor Sie es sich mit denen verscherzen, immerhin wollen Sie ja eine Zusammenarbeit, wäre es nicht möglich, sich an einen Tisch zu setzen und eine gemeinsame Lösung zu erarbeiten? Vielleicht reicht es ja schon, nochmal zu untergliedern in Sportabteilung, Behindertenpolitik, direkte Hilfeleistung, ... und dann meldet sich die Sportabteilung der IGbFD beim LSB an.
Ich hatte das Problem genau anders herum, wir durften uns nicht Sportverein nennen, weil wir obendrein auch noch für Assistenz und Fürsorge schwer eingeschränkter Menschen da sein wollten. Nach einem Gespräch war das Steinchen aus dem Getriebe und beide Seiten konnten weiterleben.
Versuchen Sie gemeinsame Lösungen zu finden. Ich wünsche Ihnen dafür viel Glück. Sportliche Grüße!
Von Lesebrille
Sehr geehrter Herr Theele,
hinter "Interessensgemeinschaft barrierefreies Fulda e. V." hätte ich niemals einen Sportverein vermutet, sondern eine IG, die sich um die Teilhabe innerhalb der Stadt Fulda bemüht, den ÖPNV, öffentliche Gebäude usw. betreffend. Insofern verstehe ich die Kritik am Namen sehr.
Ob das zum Ausschluss reicht, ist die andere Frage. Aber bevor Sie die Verletzung der Menschenrechte ins Spiel bringen, hielte ich einen Versuchsballon mit geändertem Namen für wesentlich sinnvoller.
Mit freundlichen Grüssen,
Lesebrille