Lasst uns wachsam bleiben

Veröffentlicht am von Ottmar Miles-Paul

Ilja Seifert
Ilja Seifert
Bild: Rolf Barthel

Berlin (kobinet) Zum gestrigen Weltfriedenstag äußerte sich Ilja Seifert auf Facebook. Der 1. September 1939 sei nicht nur der Kriegsbeginn nach außen, sondern auch der Vernichtungsstart (Euthanasie) nach innen gewesen. Es gelte, wachsam zu bleiben.

"Es ist gut, dass heute vielerorts - u.a. auch mehrfach bei Facebook - des Beginns des II. Weltkriegs gedacht wird. Aktuell scheint die Gefahr größer denn je, dass auch in Europa abermals Krieg zur Durchsetzung politischer, wirtschaftlicher und ideologischer Interessen genutzt wird. Unser Widerstand dagegen darf nicht erlahmen. Mir erscheint aber auch wichtig, daran zu erinnern, dass der 'Euthanasie'-Beschluß der Nazis - man sagt: von Hitler persönlich - auf den 1. September 1939 rückdatiert wurde. Ganz bewußt stellte er so die räuberische Expansionspolitik nach außen in einen unmittelbaren Zusammenhang zur systematischen Vernichtungspolitik 'unwerten Lebens' nach innen. Glücklicherweise ist die heutige Behindertenpolitik offiziell viel stärker von Teilhabeermöglichung im Sinne der UN-Behindertenrechtskonvention dominiert als von Separierung und/oder gar Vernichtung. Aber unübersehbar ist, dass wir Betroffenen in der Alltagspraxis viel mehr Kraft in die Abwehr von Verschlechterungen verschwenden müssen, als dass wir neue Konzepte des Nutzen-für-Alle-Prinzips ausprobieren und weiträumig umsetzen könnten. Und auch Debatten um Sterbehilfe sowie um fremdnützige Forschung an Einwilligungsunfähigen ängstigen mich (und andere). Laßt uns wachsam bleiben! Und optimistisch! Und schließlich: erfolgreich", schrieb Ilja Seifert auf Facebook.