Berlin gefährdet seine City-Toiletten

Veröffentlicht am von Franz Schmahl

City Toilette am Winterfeldtplatz
City Toilette am Winterfeldtplatz
Bild: bluespot.de

Berlin (kobinet) Senatsverwaltung ignoriert Bürgerinteressen, kritisiert heute der Allgemeine Behindertenverband in Deutschland (ABiD). "Mit unglaublicher Chuzpe zieht die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung in Berlin ihr Anti-Toiletten-Programm durch: Jetzt, mitten in den Koalitionsverhandlungen, schreibt sie die Werberechte ab 2019 neu aus und verbietet darin ausdrücklich die Kompensation durch (barrierefreie) öffentliche Toiletten und/oder Springbrunnen. Damit zerschlägt sie - sehr bewußt und offensichtlich absichtlich - das gut funktionierende Geschäftsmodell z.B. der Fa. WALL, die ihre weltweit vorbildlichen City-Toiletten hier in der Region produziert und so nicht nur Arbeitsplätze erhält, sondern auch Gewerbesteuer-Einnahmen generiert", so ABiD-Vorsitzender Ilja Seifert.

Der Allgemeine Behindertenverband in Deutschland erinnert daran, dass diese High-Tech-Toiletten schon "inklusiv" waren, als es dieses Wort im allgemeinen Sprachgebrauch noch gar nicht gab. Seinerzeit waren unter anderen Mitglieder des Verbandes sehr aktiv und auf Augenhöhe mit den WALL-Ingenieuren an der Entwicklung dieser Stadtmöbel beteiligt. Der ABiD hat kein Verständnis dafür, dass "die hervorragende Funktionalität dieses Kompensationsgeschäftes - ähnliches gilt für viele hauptstädtische Brunnen - jetzt zerschlagen wird". Ein auch nur einigermaßen plausibles neues Konzept liegt vom  Berliner Senat nicht vor.

Der ABiD hofft, dass die neue Koalition als eines ihrer längerfristigen Ziele formuliert, Berlin zu einer "barrierefreien Metropole" weiter zu entwickeln. In diesem Falle wären die bisher vorhandenen barrierefreien City-Toiletten ein guter Grundstock, der weiter vervollständigt werden könnte. Die zur Zeit noch amtierende Verwaltung dürfe keine vollendeten Tatsachen schaffen, an die der neue Senat gebunden wäre.

Lesermeinungen zu “Berlin gefährdet seine City-Toiletten” (1)

Von Hartmut

Das Argument, dass ich von jenen höre, welche gegen diese Toiletten sind, besteht darin, der Wall AG endlich einmal das mit den Werbeflächen verdiente Geld zu vermiesen. Die Wall AG hat hier etwas Gutes gemacht - und zwar für alle Besucher Berlins. Das hätte damals auch jemand anders tun können, aber es hat niemand getan und jetzt, wo der Ertrag daraus sichtbar ist, wollen das augenscheinlich unbedingt einige Leute ändern. Eigentlich ist das nun einmal in der Marktwirtschaft so. Mich ärgert jedoch, dass dies ohne jedes Alternativangebot für die Besucher Berlins, insbesondere für jene, die ohnehin schon behindert werden, getan wird, und es auf einem Weg geschieht, von: "Lass uns mal machen, wir machen das schon" geschieht. Entscheidungen im stillen Kämmerlein bringen eben größten Profit ein ! Und das ist ein Weg, den man, vor allem in Berlin, nicht gehen sollte und auch nicht gehen darf.