Duogynon-Opfer verlangen Gerechtigkeit
Veröffentlicht am von Franz Schmahl
Bild: Irina Tischer
Berlin (kobinet) Unter dem Titel "Der vertuschte Skandal" sendete das Erste gestern Abend einen Film über einen Pharmakonzern und sein Hormonpräparat. Mit einer Demonstration am Brandenburger Tor in Berlin bekräftigten heute die Opfer dieses Präparats ihre Forderung nach Gerechtigkeit. Sie kamen in den 60er und 70er Jahren mit Missbildungen auf die Welt: Hirnschäden, Herzfehler, verkümmerte Gliedmaßen. Ihre Mütter hatten das Mittel Duogynon von der Firma Schering verschrieben bekommen. Seit Andre Sommer weiß, dass auch seine Mutter dazugehört, lässt er nicht mehr locker. 2010 geht er vor Gericht. Doch Bayer, als Schering-Nachfolger, verweist darauf, dass die Geschichte längst verjährt ist.
Bei der Protestaktion am Brandenburger Tor gegen die Vertuschung des Pharmaskandals war wieder Nina Hagen dabei, die sich mit den Duogynon-Opfern solidarisiert. Für viele ist dieser Fall vergleichbar schlimm wie damals die Folgen von Contergan. Für André Sommer ist es ein Kampf um Gerechtigkeit. Eigentlich ist Duogynon von der Firma Schering ein Hormonpräparat, das bei Menstruationsbeschwerden eingesetzt wurde. Frauenärzte verabreichten es gern als Schwangerschaftstest. Lösen die eingenommenen Hormone keine Blutungen aus, weiß die Frau, dass sie schwanger ist. Was die zugeführten Hormone bei den Kindern im Bauch der Mutter anrichten – daran dachte niemand. Unterm Ladentisch wurde Duogynon als Mittel zum Schwangerschaftsabbruch gehandelt.
In der ARD-Mediathek ist der Film über den vertuschten Pharmaskandal noch bis zum 28.11.2017 verfügbar
