Aktionsplan in Marburg vorgestellt

Veröffentlicht am von Ottmar Miles-Paul

Bild von der Vorstellung des Aktionsplans
Bild von der Vorstellung des Aktionsplans
Bild: Stadt Marburg, i.A. Heiko Krause

Marburg (kobinet) Der Oberbürgermeister der Stadt Marburg, Dr. Thomas Spies, hat mit dem "Aktionsplan 2017" zusammen mit den Mitgliedern der Projektgruppe, die ihn erarbeitet hat, ein umfassendes Handlungskonzept für die Umsetzung der UN-Behindertenrechtskonvention in Marburg vorgestellt, um die Teilhabe in der Universitätsstadt in vielen Bereichen noch weiter zu verbessern.

"Die Menschen sind nicht behindert, sie werden höchstens behindert. Wir wollen aber, dass in Marburg alle Bürgerinnen und Bürger gleichberechtigt und chancengleich leben können", erklärte Marburgs Oberbürgermeister Dr. Thomas Spies bei der Vorstellung des Aktionsplans im Marburger Rathaus. "Der Aktionsplan 2017 ist hierfür ein weiterer wichtiger Schritt in die richtige Richtung. Unser Dank gilt allen, die sich an seiner Entwicklung beteiligt haben", so das Stadtoberhaupt. Das Konzept wurde im Auftrag des Magistrats mit Unterstützung des Behindertenbeirats von der städtischen Sozialplanung und der Projektgruppe aus Mitgliedern des Behindertenbeirats, externen Fachleuten und Verantwortlichen der Stadtverwaltung erarbeitet. "Um die Teilhabe von Menschen mit Behinderung zu steigern, haben wir in neun Handlungsfeldern zahlreiche Handlungsansätze entwickelt und konkrete Ziele formuliert", erläuterte die Sozialplanerin der Stadt, Monique Meier. "Durch die beeindruckende Beteiligung vieler konnten wir sehr verschiedene Ansatzpunkte, Ideen und Wirkungsfelder identifizieren", so Meier weiter. Mit der schrittweisen Umsetzung des Aktionsplanes sei bereits begonnen worden.

Spies erinnerte daran, dass 2015 ein Teilhabebericht vorgelegt wurde, der aufgezeigt hat, was es in Marburg bereits gibt, schließlich fange Marburg nicht bei null an, denn es gebe bereits sehr gute Strukturen, die eine Grundlage für weiteres Vorgehen bilden. Aufbauend auf dem Teilhabebericht reichen die Zielformulierungen des nun vorgestellten Aktionsplans von einem verbesserten Zugang zur musikalischen Früherziehung, einer Weiterentwicklung von inklusiven außerschulischen Berufsorientierungsangeboten, der barrierefreien Volkshochschule bis hin zu der Sensibilisierung von heimischen Wirtschaftsunternehmen. Auch die Barrierefreiheit von Wohnungen, Gebäuden, Sportanlagen und des öffentlichen Personennahverkehrs steht im Fokus. Darüber hinaus sollen neue inklusive Angebote initiiert werden, beispielsweise im Kultur und Freizeitbereich.

Der Aktionsplan umfasst 63 Handlungsansätze der städtischen Verwaltung und zahlreicher regionaler Netzwerkakteure. Konkret wird beispielsweise das Kulturprojekt „Join the Band“ nach inklusiven Gesichtspunkten neu konzipiert, ein Angebot der ambulanten (Nacht-)Pflege und Standards für inklusive Bürger/-innenbeteiligung entwickelt. Der Behindertenbeirat erarbeitete eine Checkliste zur Durchführung barrierefreier Veranstaltungen. Anlagen zu Bewilligungsbescheiden in Leichter Sprache, beispielsweise zu Sozialhilfe und Wohnhilfe, entwirft der städtische Fachbereich Arbeit, Soziales und Wohnen.

An der Entwicklung des Aktionsplans beteiligt haben sich unter anderem die Agentur für Arbeit, die Blindenstudienanstalt (blista), der Verein Frauennotruf, die Gemeinnützige Wohnungsbau GmbH Marburg-Lahn (GeWoBau), der Integrationsfachdienst, die Musikschule, das KreisJobCenter Marburg-Biedenkopf, die Stadtwerke und die Philipps-Universität Marburg. Von Seiten der Stadtverwaltung beteiligten sich über 20 Fachdienste aller Fachbereiche, wie etwa Sport, Schule, Kultur, Soziale Leistungen, Kinderbetreuung, Jugendförderung und Bauamt.

Von Seiten der Mitglieder der Projektgruppe wurde hervorgehoben, dass es das Ziel sei, dass Menschen mit Behinderung weitgehend so uneingeschränkt leben können, wie Menschen ohne Behinderung. Vieles habe sich in Marburg in der Vergangenheit schon gut entwickelt, wobei beachtet wird, dass es viele unterschiedliche Bedürfnisse gibt, etwa wenn Blinde abgrenzende Kanten, Rollstuhlfahrende aber diese genau nicht wollten. "Weil wir voneinander wissen, kann das berücksichtigt werden“, hieß es. Und profitieren, so waren sich alle einig, werde die gesamte Stadtgesellschaft, etwa bei der Barrierefreiheit auch Eltern mit Kinderwagen oder durch in leichter Sprache verfasste Verwaltungsbescheide, Menschen, die nicht gut deutsch sprechen.

Wie Meier betonte, werden die Fortschritte sehr transparent offen gelegt. Über die nächsten zwei Jahre hinweg berichten die Beteiligten fortlaufend und öffentlich über die erreichten (Teil-)Ziele. Städtische Sozialplanung, Projektgruppe und Behindertenbeirat werden den Prozess eng begleiten. Zum Abschluss folge ein erneuter Teilhabebericht, auf dem dann ein zweiter Aktionsplan fußen soll. "Heute wollen wir einen Einstieg schaffen", hob Oberbürgermeister Spies abschließend hervor. Ansprechpartnerin für den Aktionsplan ist Sozialplanerin Monique Meier, die unter der Telefonnummer  (06421) 201-1933 sowie per E-Mail an [email protected] erreichbar ist. Der Aktionsplan ist auf der Internetseite der Stadt unter https://www.marburg.de/politik-stadtgesellschaft/stadtpolitik/sozialpolitik/sozialplanung-politikberatung/ herunterzuladen.