FDP-Politiker fordert: Alle Mitarbeiter auswechseln
Veröffentlicht am von Ottmar Miles-Paul
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Leverkusen (kobinet) Die Wellen über die Berichte des Team Wallraff in der gleichnamigen RTL-Sendung vom 20. Febraur über massive Missstände in Einrichtungen der Lebenshilfe schlagen immer noch hoch. Die Behinderten-Werkstatt der Lebenshilfe in Bürrig bei Leverkusen stehe mittlerweile unter Polizeischutz, weil Mitarbeiter und Angehörige seit der Ausstrahlung der Sendung bedroht werden, heißt es in einem Bericht von RP Online. Friedrich Busch von der FDP fordert dem Bericht zufolge "eine Meldekultur bei auffälligem Verhalten von Mitarbeitern". "Der Träger ist gut beraten, alle Mitarbeiter in der betroffenen Abteilung auszuwechseln", meint Busch. Schließlich hätten alle Mitarbeiter der Gruppe das würdelose Verhalten mitbekommen und anscheinend hingenommen.

Von tuvaluex
“FDP-Politiker fordert: Alle Mitarbeiter auswechseln”
Während die Lebenshilfe wenigstens versucht, die Zustände jetzt zu ändern, geht die Einrichtung in Speyer den umgedrehten Weg und hat die ermittelnde Journalistin wegen unerlaubten verdeckten Filmens angezeigt. Hier zeigt sich, dass man zwar die Gelder vom Staat gerne einstreicht, aber ansonsten versucht, sich so wenig wie möglich zu engagieren und schon gar nicht zu ändern.
In sämtlichen Pflegedienstleitungen aller großen heimähnlichen Institutionen müsste es m.E. Pflicht sein, regelmäßige Supervisionen für sämtliche Bereiche durchzuführen. Das kostet Geld, ist aber, um derartige Zustände wie in der RTL Sendung gezeigt, unbedingt notwendig.
Es kann nicht sein, dass Menschen mit Behinderungen dafür bestraft werden, dass sie beim Essen oder Trinken kleckern oder schmatzen, dass sie manchmal einnässen. Gerade die Menschen mit spastischen Lähmungen, die auch Artikulationsstörungen haben, versuchen verzweifelt, sich verständlich zu machen. Dass dann jemand mit den Füßen aufstampft, ist mehr als normal und verständlich! Und dass man die Menschen, um die man sich liebevoll kümmern sollte, beschimpft, beleidigt, sie hin- und herscheucht, ihnen schlechten Willen unterstellt, ihnen das Essen entzieht, sie zum Sitzen im vollgepinkelten Rollstuhl zwingt, usw. der hat seinen Beruf verfehlt!
Und genau das sollten die Pflegedienstleitungen sehr genau überprüfen und sich kümmern. Schon eine sadistisch orientierte Pflegeperson auf der Station kann ein ganzes Team vergiften.
Auch die ständigen Zigarettenpausen, die ich aus eigener Anschauung zur Genüge kenne, sind ein Thema für sich. Das Motto: sauber und satt reicht nicht. Sowohl körperlich als auch geistig oder psychisch Behinderte verlangen nach Ansprache und nach Beschäftigung. Und dafür sind die Betreuer ja eingestellt worden!
Eine anonyme Meldestelle halte ich nicht für effektiv, denn auch dort arbeiten Menschen...
Von Interessierte
Ich habe es in einem anderen Kommentar schon verfasst, dass eine Regeleinrichtung keine Garantie gibt. Das wäre zu schön. Die Struktur und die Angst derer, die ihr Wissen für sich behalten. Wären also 2 der wichtigsten Punkte , die es aufzugreifen gilt. Es gibt ja nun auch die Forderung eine anonyme Meldestelle einzurichten. Das spricht für sich. Es gibt also auch Kenntnisse darüber, dass Menschen, die über Missstände Angst haben, offen zu sprechen. Das Warum scheint auch ein offenes Geheimnis zu sein. Es sollte also nicht länger geschwiegen werden und Tabus , die Licht ins Dunkel bringen, gebrochen werden
Von Annika
Hi TINA,
ich wollte mit meinen Ausführungen nicht sagen, dass grundsätzlich alle Einrichtungen von solchen Missständen betroffen sind sondern, dass in der Art der Unterbringung schon die Gefahr der Entstehung von Machtmissbrauch u.ä. besteht.
Ähnliche Skandale gab es ja auch in Kinderheimen z.B. der 1940er bis 1970 Jahre, wo "die größten Menschenrechtsverletzungen in Westdeutschland ausgerechnet in pädagogischen Institutionen stattfanden" (vgl.Schmidt-Salaomon 2016, S.155). Auch die nicht von RTL gezeigten Einrichtungen waren nach deren Aussagen nicht alle toll!
Immer wo relativ hilflose Menschen abseits der Öffentlichkeit leben, kann so eine schlechte Kultur entstehen.
Von TINA
von Annika
"Die Vorwürfe richten sich zufälligerweise gegen die Einrichtungen der Lebenshilfe... Meiner Meinung nach haben diese einfach nur GLÜCK gehabt, dass Wallraff nicht bei ihnen war."
Zufälligerweise? Glück gehabt? Woher wollen Sie das wissen? Es wurden mitnichten nur diese Behinderten-Einrichtungen undercover besucht bzw. mit versteckter Kamera gefilmt laut Presseberichten.
"Insgesamt sind ALLE Arten von Heimen und Einrichtungen, in denen Menschen außerhalb oder am Rande der Gesellschaft "versorgt" werden, von solchen Missständen betroffen."
Alle? Ziemlich pauschale Mutmaßung! Diese Unterstellung finde ich überzogen und sehr unfair. Es gibt auch andere, wo sehr gute Arbeit geleistet wird, aber leider zu viele Schwarze Schafe laut Claus Fussek, und jede ist eine zuviel.
Von Interessierte
Eine Wahlmöglichkeit wird von Betroffenen und Angehörigen nicht zum Zeitvertreib gefordert. Es geht um Qualität und auch um berechtigte Ängste. Leider sind Menschen, die vorgeben offen für alles zu sein, oft von alten Mustern geprägt, die niemand ändern will. Ich habe mir schon oft die Frage gestellt, ob Inklusion besonders im Bereich Wohnen wirklich so viel teurer wäre, da individuelle Betroffene individuelle Lösungen brauchen, die bei guten Konzepten nicht nur eine Finanzierung nach oben bedeuten müssen. Interessant natürlich der Gedanke, wie würden Angehörige ihre Situation lösen, hätten sie den Betrag der an Heime geht zur Verfügung. Das würde sicher bedeuten, dass sie nicht alles in Auftrag geben könnten. Dennoch wären viele enorm entlastet und würden für eine gute individuelle Betreuung garantieren können. Nur scheint es ja die bessere Lösung zu sein, sehr viel Geld dorthin fließen zu lassen, wo Betroffene kaum oder wenig bei der Gestaltung mitwirken können. Ich bin nicht dafür alles aufzulösen, was es gibt. Aber ich bin dafür, die Strukturen so zu ändern, dass Inklusion nicht nur ein Wort ist.
Herr Theben, danke für Ihre Meinung. Ich schließe mich nochmals an.
Von Dr. Theben
@ Annika und @ Interessierte
ich finde Sie Beide weisen jeweils auf sehr wichtige Punkte hin. Der Fokus sollte sich jetzt nicht nur auf die Mitarbeiter oder die konkreten Einrichtungen richten. Es muss auch bei allen Betroffenen "Bewohnern" oder "Werkstattmitarbeitern" durch die Kostenträger überprüft werden, ob hier wirklich die bedarfsgerechte Teilhabeform finanziert wurde.
Grüße
Dr. Theben
Von Interessierte
Persönlich bin ich der Meinung, dass ein Austausch in Erwägung gezogen werden muss. Damit ist es aber nicht getan. Eine unabhängige Komission muss die Mitarbeiter befragen, Dienstpläne prüfen, und herausfinden, ob Mitarbeiter geschwiegen oder auch wirklich nichts mitbekommen haben. Wo es möglich ist, muss mit Bewohnern und Angehörigen gesprochen werden. Außerdem hatte ich bereits bemerkt , dass die Mitverantwortung nicht nur bei den Kollegen, der unqualifizierten Personen liegt. Ich will nun nicht behaupten, dass der Teil über Frau Lux absichtlich in dem Artikel weg gelassen wurde. Aber hier steht noch ein wenig zu ihrerer Position. Die Frage ist, ob es wirklich zielführend ist, die Leitung nicht zu kritisieren.https://www.facebook.com/fdpleverkusen/posts/1402551249788397 Schlimm ist, dass die Einrichtung nun von der Polizei beschützt werden muss. Wer Mitarbeiter bedoht, muss ebenfalls die Kosequenzen tragen. Das geht entschieden zu weit.
Von Annika
Die Vorwürfe richten sich zufälligerweise gegen die Einrichtungen der Lebenshilfe- es sieht dann so aus als kämen in Einrichtungen anderer Träger solche Dinge nicht vor. Meiner Meinung nach haben diese einfach nur Glück gehabt, dass Wallraff nicht bei ihnen war. Insgesamt sind alle Arten von Heimen und Einrichtungen, in denen Menschen außerhalb oder am Rande der Gesellschaft "versorgt" werden, von solchen Missständen betroffen. Solange diese nicht abgeschafft werden, sollte der Staat (im Auftrag der Steuerzahler) seine Wächterfunktion stärker wahrnehmen- meiner Meinung nach durch Präsenz!