Sehbehindertengerechtes Design

Veröffentlicht am von Franz Schmahl

Grafik zeigt Logo des DBSV
Grafik zeigt Logo des DBSV
Bild: DBSV

Berlin (kobinet) Sehbehindertengerecht und doch für Sehende attraktiv – passt das zusammen? Der Deutsche Blinden- und Sehbehindertenverband (DBSV) hat Designer, Experten für Barrierefreiheit und Vertreter verschiedener Augenerkrankungen im Projekt „Inklusives Design“ zusammengebracht. Das Ziel: praxistaugliche Empfehlungen für die Gestaltung von Printprodukten und Webseiten zu erarbeiten. Im April 2017 werden die Ergebnisse auf der neuen Online-Plattform www.leserlich.info veröffentlicht. Heute präsentiert der Verband vorab zwei erste Beispiele für Inklusives Kommunikationsdesign, die im Rahmen des Projektes entstanden sind: den Internetauftritt www.dbsv.org und das Printmagazin „Sichtweisen“ (Ansichts-PDF unter www.leserlich.info).

Wer ist nicht schon über schlecht lesbare Texte gestolpert? Auf Lebensmittelverpackungen, in Prospekten, in Zeitschriften, aber auch im Internet? Zu klein oder zu eng gesetzt, zu unübersichtlich, zu bunt, zu schwache Kontraste. Sehbehinderte Menschen kennen das Problem besser, als ihnen lieb ist. Unter schlechter Gestaltung leiden aber auch sehende Menschen, in unserer alternden Gesellschaft sogar immer häufiger. Bei der Gestaltung von Printprodukten und Webseiten haben Grafiker die Bedürfnisse von Menschen mit Seheinschränkung nur selten im Blick. Die bestehenden DIN-Normen und Empfehlungen für barrierefreies Design werden ignoriert.

Wie aber sollten Printprodukte und Webseiten gestaltet sein, damit sie gut lesbar und zugleich gut gestaltet sind? Im Rahmen des Projekts „Inklusives Design“ sind Empfehlungen zur Gestaltung sehbehindertengerechter Medien entwickelt worden, die am 20. April 2017 auf der neuen Online-Plattform www.leserlich.info veröffentlicht werden. Es geht um geeignete Schriften und Schriftgrößen, um Abstände und Hervorhebungen, um Kontraste und Bilder, um Unterschiede zwischen Print- und Webbereich. Alles verständlich und mit neuen Anwender-Tools praxistauglich aufbereitet – für Profis wie für Laien.

Lesermeinungen zu “Sehbehindertengerechtes Design” (1)

Von anatom5

„Designer, Gremienvertreter des DBSV und Augenpatienten haben im Projekt „Inklusives Design“ zusammengearbeitet“. Klingt spannend. „Inklusives Design“ bedeutet ein Design für Alle. Aber waren denn nicht nur DBSV und Augenpatienten beteiligt? Wo waren die anderen Behindertenverbände. Nicht dabei? Schade. Wenn sich Menschen mit verschiedensten Behinderungen an einen Tisch gesetzt hätten (motorische Behinderung, Hörbehinderung, kognitive Behinderung, Schreib-Lese-Schwäche, Autismus, Multiple Behinderungen, etc.), wäre das besser gewesen. Jetzt haben Designer, Experten für Barrierefreiheit und Vertreter verschiedener Augenerkrankungen eineinhalb Jahre an praxistauglichen Empfehlungen für die Gestaltung von Printprodukten und Webseiten gearbeitet? Wer waren denn die Teilnehmer an dem Projekt?

Die Ergebnisse werden erst im April 2017 veröffentlicht. Wer nicht warten möchte, kann die existierende Broschüre "Klartext: Wie gestalte ich einen Text sehbehindertengerecht?" beim Deutsche Blinden- und Sehbehindertenverband e. V. (DBSV) bestellen. Ansonsten empfehle ich das Buch „Barrierefreie Gestaltung von Kontrasten und Beschriftungen“ von Dietmar Böhringer (Amazon). Oder das Buch „Barrierefreiheit im Internet ein Handbuch für Redakteure“ von Domingos de Oliveira. BITV und WCAG wären auch gute Anlaufstellen. Gleiches gilt für die Literaturliste der Bundesfachstelle-Barrierefreiheit. Die Informationen „Barrierefrei Konzipieren und Gestalten – Leitfaden für Ausstellungen im Deutschen Technikmuseum Berlin“ sind auch sehr ausführlich.

Das vom DBSV vorab als Beispiel für Inklusives Design präsentierte Magazin „Sichtweisen“ ist ein Negativbeispiel. Das Logo ist für man Menschen mit Lernschwierigkeiten oder Dyslexie unverständlich. Die Gestaltung im Innenteil ist nicht inklusiv, sondern exklusiv! Und auf der Website des DVBS findet sich das Ansichts-PDF mit den Worten: „Das folgende Ansichts-PDF zeigt die grafische Gestaltung der "Sichtweisen" und ist nicht barrierefrei.“ Wow.