Theaterperformance bricht Tabus
Veröffentlicht am von Andreas Vega
Bild: Theresa Kuhn
München (kobinet) „Eine wunderschöne Frau mit ungewöhnlichen Formen und verzaubernder Stimme. Ein Performer mit unkonventionellen Bewegungen und Artikulationen. Eine tantrische Sexarbeiterin. Und ein schöner, graziler Tänzer”, so schreibt das Pathos-Atelier über die Theaterperformance „Fucking Disabled“ auf seiner Internetseite.
Am vergangenen Freitag war die Premiere der Produktion von David von Westphalen und seinem Team im Münchner Pathos-Theater. Die vier DarstellerInnen fesseln das Publikum und sich gegenseitig mit Bondage-Seilen und einem Tabubruch. Verkrüppelte Körper, gelähmte Extremitäten – und trotzdem, oder gerade deswegen eine erotische Theaterperformance, die deutlich macht, wie unsinnig unsere eigenen Schubladen im Kopf sind. Wie wunderbar können Menschen miteinander Zärtlichkeit und Sinnlichkeit ausstrahlen und leben, wenn denn nur unsere eigenen Scheren beiseitegelegt werden.
Der Zuschauer wird von Anfang an mit einbezogen in das Spiel um Sexualität und Geilheit, wird überrascht von der verschwindenden normierten Gegensätzlichkeit verformter Körper versus erotischer Ausstrahlung. Und er muss aktiv das Stück mit eröffnen, so fallen die Schranken zu den Tabuthemen Behinderung, das Altern und Sexualität. Diese Gegensätzlichkeit hebt sich in einer glänzend und im wahrsten Sinne des Wortes fesselnden Theaterperformance auf und reißt den Zuschauer mit auf eine erotische Reise der besonderen Art.
Eingerahmt von einer genialen, für das Stück komponierten, Musik und schummrigen Lichtatmosphäre, werden die Zuschauer zu Voyeuren und lassen sich dank der überzeugenden Darstellung des Ensembles (Deva Bhusha, Paweł Duduś, Danijel Sesar, Lucy Wilke) in eine sinnliche und erotische Welt von achtsamen Begegnungen verführen.
Noch dreimal wird das Stück in München gespielt. Das Team um v. Westphalen hofft auf weitere Einladungen zu Gastspielen quer durch die Republik. Es wäre auch schade, wenn diese Theaterperformance nicht noch viel mehr Menschen mit und ohne Behinderung zu sehen bekämen.
