Nachhaltige Entwicklung mitgestalten

Veröffentlicht am von Franz Schmahl

Workshop über nachhaltige Entwicklung beim Grazer Sommercamp
Workshop über nachhaltige Entwicklung beim Grazer Sommercamp
Bild: omp

Graz (kobinet) Die von den Vereinten Nationen Ende 2015 erklärten Ziele zur nachhaltigen Entwicklung waren auch Thema beim diesjährigen Sommercamp für ein selbstbestimmtes Leben behinderter Menschen. Dabei gehe es nicht nur darum, dass der Staat seiner Verpflichtung nachkommt, die bis 2030 gesetzten Ziele umzusetzen, auch die Zivilgesellschaft sei gefordert, war man sich beim Grazer Sommercamp einig, berichtet heute Ottmar Miles-Paul:

Am Beispiel der Armutsbekämpfung diskutierten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer des von Johanna Hirschmugl und Monika Hirschmugl-Fuchs moderierten Workshops sowohl darüber, was für so genannte Entwicklungsländer getan werden kann, als auch wie Armut in Deutschland und Österreich überwunden bzw. abgemildert werden kann. Anhand einer Reihe von Beispielen zeigten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer auf, dass gerade unter behinderten Menschen die Armut immer noch weit verbreitet ist.

Einige wären beispielsweise gerne zum Sommercamp nach Graz gekommen, können sich dies aber nicht leisten. Gerade für behinderte Menschen, die in Werkstätten für behinderte Menschen arbeiten, stellt sich die Situation trotz ihrer Arbeit in den Werkstätten finanziell oft äußerst prekär dar. Bei einem Durchschnittslohn von 180 € im Monat für die circa 310.000 Beschäftigten in den Werkstätten in Deutschland sind diese in der Regel auf Grundsicherung angewiesen.

Obwohl der erlaubte Ansparbetrag in Deutschland von ehemals 2.600 Euro auf nun 5.000 Euro angehoben wurde, gestaltet sich die Situation nach wie vor für diesen Personenkreis zudem äußerst schwierig. Daher gelte es, die gesetzlichen Rahmenbedingungen weiter zu verbessern, um der strukturellen Armut entgegen zu wirken. Das ab 1. Januar 2018 in Deutschland geltende Budget für Arbeit könnte eine Türöffnung für sozialversicherungspflichtige und tarifgerechte Beschäftigungsmöglichkeiten für behinderte Menschen sein. Diese müssten aktiv genutzt und gefördert werden.

In der Entwicklungszusammenarbeit gelte es, Hilfe zur Selbsthilfe zu leisten, so dass die Menschen ihren eigenen Lebensunterhalt in Würde selbst verdienen können. Im weiteren Verlauf des Sommercamps sollen konkrete Ideen in Sachen Umsetzung der nachhaltigen Entwicklungsziele gesammelt werden.

Lesermeinungen zu “Nachhaltige Entwicklung mitgestalten” (1)

Von kirsti

„Anhand einer Reihe von Beispielen zeigten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer auf, dass gerade unter behinderten Menschen die Armut immer noch weit verbreitet ist.
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Gerade für behinderte Menschen, die in Werkstätten für behinderte Menschen arbeiten, stellt sich die Situation trotz ihrer Arbeit in den Werkstätten finanziell oft äußerst prekär dar. Bei einem Durchschnittslohn von 180 € im Monat für die circa 310.000 Beschäftigten in den Werkstätten in Deutschland sind diese in der Regel auf Grundsicherung angewiesen.
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Das ab 1. Januar 2018 in Deutschland geltende Budget für Arbeit könnte eine Türöffnung für sozialversicherungspflichtige und tarifgerechte Beschäftigungsmöglichkeiten für behinderte Menschen sein.“

Ich will wahrhaft keinen Zynismus predigen, aber diese Erkenntnisse hätte ich mir auch ohne Diskussionen im Sommercamp beschaffen können. Ja, ich hätte sie sogar ganz von alleine gewusst. – Dennoch die ernsthafte Frage, wie soll das Budget für Arbeit für Werkstattbeschäftigte funktionieren, wenn laut den offiziell zugänglichen Mitteilungen ein konkretes Arbeitsangebot eines privaten oder öffentlichen Arbeitgebers vorliegen muss? Außerdem stehen ja noch ca. 400 000 Hartz IV- Empfänger vor der Tür, die praktisch nicht mehr auf den ersten Arbeitsmarkt zu vermitteln sind, die „ohne Perspektive echte maßgeschneiderte Betreuung in einem öffentlich geförderten Beschäftigungssektor benötigen“, wie es der Hauptgeschäftsführer des Paritätischen Gesamtverbandes fordert.

Gibt es da nicht zu viele Gruppen von Werkstattbeschäftigten bis zu Hartz IV Empfängern, die keinen Platz mehr auf dem ersten Arbeitsmarkt haben? Die Statistik spricht eine andere Sprache.