Bildung und Entschädigung für behinderte Menschen

Veröffentlicht am von Ottmar Miles-Paul

Uwe Schummer
Uwe Schummer
Bild: Lebenshilfe-NRW

Düsseldorf/Hürth (kobinet) Wahlfreiheit in Nordrhein-Westfalens inklusivem Schulsystem und mehr öffentliche Aufmerksamkeit für die Stiftung Anerkennung und Hilfe forderte die Lebenshilfe NRW bei einem Pressegespräch im Düsseldorfer Landtag ein.

"Inklusion ist kein Schalter, den man umlegt und dann ist die Welt schön, es ist ein Prozess, in dem Denken, Handeln und Strukturen zusammengefügt werden müssen. Wichtig ist nicht eine Schule für alle, sondern die beste Schule für jeden zu erreichen. Das entscheidende ist die Wahlfreiheit im Bildungsbereich. Wir sind für diese Wahlfreiheit. Dazu gehört auch, dass wer eine Regelschule besuchen will und kann, die besten Voraussetzungen bekommt." Dies erklärte der Landesvorsitzende der Lebenshilfe Nordrhein-Westfalen und Bundestagsabgeordnete der CDU Uwe Schummer. Diese Voraussetzungen seien in einem unterfinanzierten Bildungssystem in Nordrhein-Westfalen zu verbessern. Es beginne bei der Lehrerausbildung und führe über die baulichen Veränderungen an den Schulen und ende bei den Schulbegleitungen. Gerade für Letztere müssten Verfahrenswege, Qualitätsstandards und Tätigkeitsprofile landesweit vereinheitlicht und höher refinanziert werden, so die Lebenshilfe Nordrhein-Westfalen.

Die Landesvorsitzende der Lebenshilfe Bayern und Landtagsabgeordnete Barbara Stamm gab auf Einladung der Lebenshilfe NRW einen Exkurs ins bayrische Schulsystem. "In Bayern ist inklusiver Unterricht Aufgabe aller Schulen, das ist interfraktioneller Konsens im bayrischen Landtag. Das führte dazu, dass es Förderklassen an Regelschulen gibt und Förderschulen umgekehrt auch für nichtbehinderte Schüler offen stehen", erläuterte Barbara Stamm. Generell sei die Debatte um die schulische Inklusion in Bayern weniger ideologisch aufgeladen geführt worden. Eine engere Zusammenarbeit zwischen Regelschulen und Förderschulen ist für Schummer auch in Nordrhein-Westfalen ein möglicher Weg hin zur besten Bildung für jeden und eine Alternative zum reinen Schließen von Förderschulen.

Abseits der inklusiven Bildung wies die Lebenshilfe NRW auf ein wichtiges Thema hin. Seit gut acht Monaten werden Menschen mit Behinderung, die zwischen 1949 und 1975 (in der DDR: 1949 bis 1989) in Einrichtungen der Behindertenhilfe und Psychiatrien misshandelt wurden, durch die "Stiftung Anerkennung und Hilfe" entschädigt. "Das Interesse daran ist bisher verhalten. Das liegt auch daran, dass Menschen mit geistiger Behinderung von der Entschädigung noch nicht erfahren haben. Deswegen appellieren wir an die Öffentlichkeit, informieren Sie Mitarbeiter von Behinderteneinrichtungen, Betreuer und Menschen, die mit behinderten Menschen zu tun haben, über die Stiftung. Die Menschen haben ein Recht auf diese Entschädigung. Sie sollten davon erfahren", sagte Philipp Peters, Pressesprecher der Lebenshilfe NRW. Bundesweit geht man von rund 220.000 Berechtigten auf Entschädigung aus. In Nordrhein-Westfalen wurden bisher rund 300 Entschädigungszusagen über insgesamt circa 2,6 Millionen Euro bewilligt. www.stiftung-anerkennung-und-hilfe.de