Inklusion auf dem Sportplatz

Veröffentlicht am von Ottmar Miles-Paul

Bernd Hartmann im Linienrichter-Dress
Bernd Hartmann im Linienrichter-Dress
Bild: omp

Schwäbisch Gmünd (kobinet) Wenn in Schwäbisch Gmünd über Inklusion gesprochen wird, dann gehört Bernd Hartmann dazu. So auch bei dem von der Aktion Mensch unterstützten modellhaften Inklusionsprojekt, für das Bernd Hartmann letztes Jahr an einer Empowerment-Schulung in Mainz teilgenommen hat. kobinet-Redakteur Ottmar Miles-Paul sprach mit Bernd Hartmann, der schon seit fast 20 Jahren als Linienrichter aktiv ist und Inklusion ganz praktisch vor Ort erlebt und prägt, und übersetzte das Interview mit dem Ur-Schwaben ins Hochdeutsch.

kobinet-nachrichten: Sie engagieren sich in Schwäbisch Gmünd für Inklusion und sind dort seit vielen Jahren im Bereich des Sports aktiv. Was machen Sie da genau?

Bernd Hartmann: Dort bin ich schon seit fast 20 Jahren Linienrichter.

kobinet-nachrichten: Dabei erlebt man bestimmt eine ganze Menge?

Bernd Hartmann: Ja, das kann man so sagen. Was ich da so alles mit den Leuten mitmachen muss und was man da sonntags so alles erlebt, das kann man sich gar nicht vorstellen.

kobinet-nachrichten: Sie haben dies ja nun schon sehr lange durchgehalten, so dass ich vermute, dass es auch Spaß macht.

Bernd Hartmann: Ja, auf jeden Fall.

kobinet-nachrichten: Und dann haben Sie auch so ein richtiges Linienrichter-Dress an?

Bernd Hartmann: Vom Verein habe ich dafür eine richtige Ausstattung mit Hemd und Jacke bekommen, die ich anziehen kann, wie ich es brauche. Eine spezielle Trainingshose muss ich dafür nicht anziehen, da kann ich auch eine ganz normale Hose anziehen, wenn ich möchte.

kobinet-nachrichten: Nun gibt es ja eine ganze Menge Menschen, die sagen, was alles für behinderte Menschen nicht geht. Hier bei der Empowerment-Schulung war ja auch jemand dabei, der jetzt endlich bei der Freiwilligen Feuerwehr mitmachen kann und somit seinen Traum verwirklicht hat. Wenn jetzt Leute kommen würden und sagen: "Linienrichter als Mensch mit Behinderung, das geht gar nicht." Was würden Sie da antworten?

Bernd Hartmann: Da würde ich sagen: "Wenn Sie das so einfach sagen, dann probiert das halt erst mal aus. Und wenn's passt, ist das gerade recht. Sonst lasst ihr das halt bleiben. So war das auch bei mir. Es hat gepasst.

kobinet-nachrichten: Das ist ja auch ein Teil von Inklusion?

Bernd Hartmann: Genau, mir macht das immer noch sehr viel Spaß und die Spieler lassen mich ohnehin nicht mehr gehen. Die haben gesagt: "Wenn du aufhörst, so einen wie dich finden wir nicht mehr."

kobinet-nachrichten: Wie heißt der Verein, bei dem Sie aktiv sind?

Bernd Hartmann: Das ist der TV Herlikofen. Das ist ein Verein bei Schwäbisch Gmünd.

kobinet-nachrichten: Sie sind nicht nur im Sport aktiv, sondern auch in Sachen Inklusion generell.

Bernd Hartmann: Ja, ich habe einen großen Ordner mit all unseren Aktivitäten drin. Am 27. November treffen wir uns zum Beispiel, um eine barrierefreie Toilette zu besichtigen und einzuweihen. Dann ist dieses Projekt auch fertig und wir machen uns an die nächsten Sachen.

kobinet-nachrichten: Wenn Sie einen Wunsch frei hätten und die gute Fee hereinschweben würde, welchen Wunsch hätten Sie?

Bernd Hartmann: Hmmmh, ja, die würde ich nehmen.

kobinet-nachrichten: Was?

Bernd Hartmann: Diese Fee.

kobinet-nachrichten: Die Fee?

Bernd Hartmann: Ja, die könnte dann mitkommen zu den Fußballspielen und mich auf den Sportplatz fahren.

kobinet-nachrichten: Dann hoffen wir, dass die gute Fee mit Auto kommt. Auf jeden Fall wünsche ich Ihnen nette Zuschauer, gehorsame Spieler und gute Spiele

Bernd Hartmann: Da wäre ich froh, wenn das jeden Sonntag so wäre.

kobinet-nachrichten: Da kann man also nur sagen: "Gute Besserung für dei Fans."