Lebenssituation bei Autismus sehr differenziert
Veröffentlicht am von Hartmut Smikac
Bild: AKM / Reinhold
Nürnberg (kobinet) Die Lebenssituation von Erwachsenen mit Autismus ist sehr differenziert - das zeigte sich beim Besuch des Bezirkstagspräsident Richard Bartsch im Autismus-Kompetenz-Zentrum Mittelfranken (AKM) Nürnberg. So fehlt geeigneter Wohnraum für Erwachsene mit Autismus während sich die medizinische und therapeutische Versorgung für Kinder und Jugendliche in den vergangenen Jahren deutlich verbessert hat.
Bezirkstagspräsident Richard Bartsch hat sich im Autismus-Kompetenz-Zentrum Mittelfranken (AKM) über die Situation von Menschen mit Autismus informiert. Schwerpunkt des Besuches war die ärztliche und therapeutische Versorgung sowie die Wohn- und Arbeitssituation der Betroffenen. Der Bezirk Mittelfranken hat die Beratungsstelle im vergangenen Jahr mit 113.000 Euro gefördert. und so die Arbeit der drei AKM-Beraterinnen gefördert, die in dem Treffen über ihren Erfahrungen berichteten.
Im vergangenen Jahr nutzten 987 Menschen mit Autismus und deren Angehörige sowie Fachkräfte die Beratung des AKM. Laut den Beraterinnen ist die Situation je nach Alter der Ratsuchenden sehr unterschiedlich. Während sich die medizinische und therapeutische Versorgung für Kinder und Jugendliche in den vergangenen Jahren deutlich verbessert habe, sei die Lage für Erwachsene in Mittelfranken eine „Katastrophe“.
„Erwachsene mit Autismus und zusätzlichen Verhaltensauffälligkeiten müssen wir teilweise an Ärzte nach München oder gar nach Berlin verweisen“, informierte stellte eine der Beraterinnen fest. „Hier besteht Handlungsbedarf“, mahnte sie.
Wenn Frauen und Männer mit Autismus eine eigene Wohnung gefunden haben, läuft die Unterstützung durch Mitarbeitende im ambulant unterstützten Wohnen in der Regel gut. Allerdings sei es in Zeiten von steigenden Mietpreisen und Wohnungsmangel schwierig, geeignete Wohnungen zu finden. „Teilweise betreuen wir im ambulant unterstützten Wohnen Menschen, die in einer Obdachlosenwohnung leben müssen“, klagte die AKM-Geschäftsführerin, die bei der Rummelsberger Diakonie den Bereich Offene Angebote leitet. Plätze in einer Einrichtung zu finden, sei derzeit ebenfalls schwierig. Oftmals fehlten Fachkräfte, um die Frauen und Männer zu unterstützen und zu begleiten. Es müssten zusätzliche Wohneinrichtungen in Mittelfranken gebaut werden, forderten die Expertinnen.
Die Zahlen vom Arbeitsmarkt sind ebenfalls ernüchternd. „Nur rund fünf Prozent aller erwerbsfähigen Menschen mit Autismus haben eine Arbeit auf dem ersten Arbeitsmarkt“, bedauerte Beraterin Winter. Es fehlten Job-Coaches, die den Betroffenen die Einarbeitung erleichterten. Viele Frauen und Männer seien in Werkstätten für Menschen mit Behinderung beschäftigt. „Ob das die richtige Lösung ist, zeigt sich immer im Einzelfall“, sagte eine der Betreuerinnen.
