Behinderte Frauen sind gynäkologisch unterversorgt
Veröffentlicht am von Andrea Schatz
Bild: Margit Glasow
kobinet (berlin) Die frauenärztliche Versorgung von Frauen mit Behinderung ist mangelhaft. Das geht aus einem Interview hervor, das der Arbeitskreis Frauengesundheit in Medizin, Psychotherapie und Gesellschaft e.V. (AKF) mit Ulrike Haase führte. Frau Haase ist Mitarbeiterin im Netzwerk behinderter Frauen Berlin e.V. und zuständig für das Projekt „Geschlecht, Behinderung, Gesundheit und Migration“. Sie initiierte den „Runden Tisch barrierefreie frauenärztliche Versorgung“ in Berlin und ist eine der Sprecherinnen.
Anlass des Interviews ist der 9. Jahrestag des Inkrafttretens der UN-Behindertenrechtskonvention in Deutschland am 26. März 2009.
Nach wie vor bestehen große Versorgungslücken in der gynäkologischen Versorgung behinderter Frauen. Es ist es schwer, eine barrierefrei zugängliche Praxis zu finden. Die von der Kassenärztlichen Vereinigung Berlin bereitgestellten Informationen sind häufig irreführend. Aber selbst wenn die Praxis barrierefrei zu erreichen ist, fehlt es an Platz im Umkleidebereich, ist die Toilette nicht rollstuhlgerecht und vor allem: der gynäkologische Untersuchungsstuhl ist für Frauen mit körperlichen Beeinträchtigungen nicht geeignet.
Es ist zu vermuten, dass eine Vielzahl behinderter Frauen Vorsorgeuntersuchungen nicht wahrnehmen kann.
Ulrike Haase fordert einen Paradigmenwechsel: „Es müssten mehr Daten zur Versorgungssituation von Frauen mit Behinderung erhoben werden. Die Kassenärztlichen Vereinigungen haben einen Sicherstellungsauftrag und müssen dafür zu sorgen, dass das Gesundheitssystem allen Zielgruppen gerecht wird. Gleichzeitig sind die niedergelassenen Ärztinnen und Ärzte auch Unternehmerinnen und Unternehmer. Das ist ein Dilemma. Ich wünsche mir jedenfalls, dass Patientinnen, Behinderung hin oder her, sich in Arztpraxen und Behandlungseinrichtungen nicht als Kostenfaktor fühlen müssen und medizinische Behandlung nicht durchökonomisierter Wirtschaftsfaktor ist. Ich sehe alle Akteur*innen in der Pflicht, künftig auch behinderte Frauen als Patientin in den Mittelpunkt zu stellen und nach neuen Lösungen zu suchen.“
Das ausführliche Interview mit konkreten Verbesserungsvorschlägen finden Sie auf der Website des AKF.
