Für behindertengerechte Stadt gekämpft
Veröffentlicht am von Franz Schmahl
Bild: BA Treptow-Köpenick
Berlin (kobinet) Am 1. Mai geht Gabriele Rühling, die dienstälteste Beauftragte für Menschen mit Behinderung im Land Berlin, in den Ruhestand. "In drei Jahrzehnten hat sie nicht nur Aufbauarbeit für Menschen mit Behinderung geleistet, sondern viele Verbesserungen im Lebensumfeld erreicht", so Bezirksbürgermeister Oliver Igel vom Bezirk Treptow-Köpenick, bei ihrer Verabschiedung "Vor allem hatte sie für jeden ein offenes Ohr und half vielen individuell. Viele sind Gabi Rühling völlig zurecht zutiefst dankbar dafür." Anfang der 90er Jahre wurde sie Köpenicks Behindertenbeauftragte und war auch im Beirat des Movado-Projekts für eine behindertengerechte Stadt aktiv.
"Wir kennen uns noch aus diesen Zeiten, haben Aufbruch und Entschlossenheit in der Behindertenbewegung miterlebt und mitgemacht. Es hat unglaublich viel Spaß gemacht und ich hatte immer auf Lager, dass 'Behindertenbeauftragte' zu sein, der beste Job überhaupt ist", mailte Gabi Rühling jetzt an den Berliner kobinet-Korrespondenten. "Es ist nicht alles so geblieben, wir laufen den Dingen hinterher!"
In der Mai-Ausgabe der Berliner Behindertenzeitung wurde auf einer Seite ein Interview über "Was war" und "Was bleibt" veröffentlicht. Die diplomierte Ökonomin schätzt ein, dass die Zeiten immer schwieriger werden, der Gegenwind immer stärker: "Irgendwie umgekehrt proportional zu dem, was an guten Vorsätzen in die Öffentlichkeit gegeben wird."

Gabriele Rühling; Bild: BBZ
Es gibt zum Beispiel immer noch viel zu wenige und noch dazu bezahlbare Rollstuhlbenutzerwohnungen. Darüber könne auch die sicher hilfreiche Bauordnung mit ihrer Drittellösung (1/3 aller Wohnungen barrierefrei) nicht hinweghelfen. Den Widerstand aus der Baubranche hat Gabi Rühling in ihrem Amt deutlich zu spüren bekommen.
"Immer wieder werden vermeintlich zu hohe Kosten ins Feld geführt. Und das Land entzieht sich der Verantwortung bei der Unterstützung der Menschen, die dringend solche Wohnungen benötigen", hat die Berlinerin erfahren. "Das darf so nicht bleiben."
In Berlins Behindertenpolitk sei sicher viel erreicht worden. Aber Gabi Rühling meint, "wir hätten mehr erreichen können". Darüber hat kobinet aktuell und kritisch berichtet. Die Behindertenbeauftragte von Treptow-Köpenick schätzt den ehrenamtlich betriebenen Nachrichtendienst als "eine ganz wichtige und ehrliche Plattform". Das Redaktionsteam wünscht alles Gute für den für den weiteren Lebensweg.
