Ausstellung Krankenmorde im Nationalsozialismus
Veröffentlicht am von Ottmar Miles-Paul
Bild: Rolf Barthel
Erlangen (kobinet) "In Memoriam Krankenmorde im Nationalsozialismus", so lautet der Titel einer Ausstellung, die in Erlangen noch bis zum 18. Mai im Rathausfoyer gezeigt wird und die am Montag u.a. mit dem Erlanger Oberbürgermeister Dr. Florian Janik, Dinah Radtke vom Erlanger Zentrum für selbstbestimmtes Leben behnderter Menschen (ZsL) und Prof. Dr. Michael von Cranach eröffnet wurde.
"Diese Ausstellung soll der behinderten Opfer während des Nationalsozialismus gedenken. Sie soll die historischen und ideologischen Hintergründe vermitteln, die zu den schrecklichen Ereignissen geführt haben. Die meisten Menschen wissen, dass während des 3. Reichs 6 Millionen Juden ermordet wurden, aber die wenigsten wissen, dass das Morden mit der Tötung behinderter, kranker oder sozial auffälliger Menschen begann. Zwischen 1939 und 1945 wurden ca. 240.000 Menschen mit Behinderungen und psychischen Erkrankungen im Deutschen Reich getötet. Ärzte, Ärztinnen, Psychiater und Pflegepersonal waren maßgeblich daran beteiligt. Weitere tausende Morde fanden in den von Deutschland besetzten Gebieten statt. Die Medizinverbrechen der Nazis wurden in Deutschland Jahrzehntelang verdrängt und verschwiegen und sind bis heute nicht in der breiten Öffentlichkeit bekannt. Es ist unsere Aufgabe an die Opfer der Verbrechen der Nationalsozialisten zu erinnern und die Erinnerung wach zu halten. Wichtig für mich ist auch wie Behinderung damals gesehen wurde und wie wir Menschen mit Behinderung heute gesehen werden. Wie kam man dazu uns als unnütze Geschöpfe, als 'lebensunwertes Leben' anzusehen? Der menschenverachtenden Unterscheidung von sogenannten lebenswerten und lebensunwertem Leben zuzustimmen und somit der Vernichtung von sogenanntem lebensunwerten Leben! Was war mit den christlichen Grundwerten? Was war mit der Bevölkerung, die die Abtransporte mitbekam? Fragen über Fragen", betonte Dinah Radtke in ihrer Rede zur Ausstellungseröffnung. "Heute bin ich froh, dass Artikel 10 der UN-Behindertenrechtskonvention das angeborene Recht eines jeden Menschen auf Leben bekräftigt", betonte Dinah Radtke zudem, die entscheidend an der Erarbeitung der UN-Behindertenrechtskonvention für Disabled Peoples' International (DPI) und die Interessenvertretung Selbstbestimmt Leben in Deutschland (ISL) mitgewirkt hat.
Link zu einem älteren Interview mit Prof. Dr. Michael von Cranach im Tagesspiegel zum Thema
