Egal, wie klein: Sonderschulen Forever
Veröffentlicht am von Ottmar Miles-Paul
Bild: omp
Stuttgart (kobinet) Mit einer neuen Verordnung versucht das Land Baden-Württemberg nach Informationen der Landesarbeitsgemeinschaft Gemeinsam leben - gemeinsam lernen Baden-Württemberg, alle Sonderschulen im Land zu erhalten, koste es, was es wolle. Absurde "Mindestgrößen“ sichern den Bestand auch von Zwerg-Schulen mit 11 bzw. 7 Schülern über Jahre, kritisiert die Landesarbeitsgemeinschaft. Und das bei dem immer wieder beklagten "Sonderpädagogen-Mangel", vor allem in der Inklusion."
Damit verstoße Baden-Württemberg eklatant gegen die UN-Behindertenrechtskonvention und die Aufforderung des UN-Fachausschusses, das Sonderschulsystem abzubauen. "Ein handfester Skandal", so die Landesarbeitsgemeinschaft Baden-Württemberg "Gemeinsam leben – gemeinsam lernen". Verantwortlich sei dafür die Landesregierung aus CDU und Grünen in Baden-Württemberg. Seit Jahren hatte das Kultusministerium sie vor sich hergeschoben, nun liegt ein Anhörungsentwurf für die Verordnung zur Regionalen Schulentwicklung für Sonderpädagogische Bildungs- und Beratungszentren (Sonderschulen) vor. "Doch damit wird sich gar nichts 'entwickeln'. Vielmehr wird der 'status quo' komplett erhalten bzw. das Sondersystem sogar noch zementiert", kritisiert die Landesarbeitsgemeinschaft.
Hierzu arbeite das Ministerium mit einem Trick: Statt Mindestgrößen für die Eingangsklassen festzulegen, wie für die anderen Schularten, lege es Mindestgrößen für den "Bildungsgang" fest, also für alle Schülerinnen und Schüler, die an einer Sonderschule nach einem bestimmten Bildungsplan unterrichtet werden. Für die Sonderschulen Lernen, also die Schulen, die in Baden-Württemberg "Förderschulen" genannt werden, bedeute das, dass auch Schulen mit 12 (!) Schülern insgesamt – verteilt auf 9 Klassen – oder sogar nur 8 (!) Schüler – verteilt auf 4 Klassen, erhalten bleiben. Wenn sich also nur zwei (!) Kinder für die Einschulung bzw. die Eingangs“klasse“ finden, bleibt die Schule bestehen. Wie solche „Zwergen-Sonderschulen“ pädagogisch arbeiten sollen, wie Lehrern und/oder Rektoren ausgestattet werden soll, bleibe völlig offen. Erst wenn diese Schülerzahlen drei Jahre unterschritten werden, können die Schulen geschlossen werden – theoretisch. Denn es gäbe im Entwurf der Verordnung noch weitere Ausnahmebestände, falls die Schülerzahlen unter 12 bzw. 8 (wohlgemerkt pro Schule, nicht pro Klasse!) sinken - Generalklauseln, mit denen man jede Schule, und sei sie noch so klein, erhalten kann. Sogar neue Sonderschulen (Förderschwerpunkt Lernen) mit prognostizierten 18
Schülern (bei geistig Behinderten: 27) könne man nach der Verordnung gründen.
"Das ist Ressourcenverschwendung im großen Stil – Ressourcen, die für Inklusion fehlen", beklagt Kirsten Ehrhardt, die für die LAG BW GLGL den Anhörungsentwurf genauer unter die Lupe genommen hat. "Niemand kann künftig in Baden-Württemberg noch jemanden aus der Landesregierung ernst nehmen, der über vermeintlichen Sonderpädagogen-Mangel jammert." Baden-Württemberg setze sich damit an die Spitze der Sonderschulerhalter.

Von rgr
Bei mir kommt an: Nicht auf 'unnötiges unsinniges Geschwätz' achten. Doch meine Frage steht noch zur Beantwortung aus.
Von Ellen
@rgr
haben sie meinen Beitrag verstanden ? ich glaube nicht.
denn sie würden mir sonst diese Fragen nicht stellen.
Den Mund verbiete ich niemandem.
jeder kann sagen was er will.
Von rgr
@Ellen
Ach dann soll ich mir Manne Lucha (B90) als einen arbeitnehmerfreundlichen Minister denken?
Und wen oder was meinen Sie hier an diesem Ort mit der barschen Äußerung: "Alle anderen Argumentationen gegen die Umsetzung der UN BRK sind unnötiges unsinniges Geschwätz."
Wollen Sie etwa den Mund verbieten?
Von Ellen
Irgendwie habt ihr alle recht, aber ich befürchte, es steht etwas viel Banaleres auf der Entscheidungsliste:
Im Heimatlandkreis Ravensburg, aus dem unser grüner Landessozialminister kommt, gibt es einige sehr große Behinderteneinrichtungen mit einigen tausend nicht behinderten Beschäftigten. Von der Putzfrau, Lehrer, Therapeuten, Erzieher bis hin zum Geschäftsführer. Sie alle verdienen ihren mehr oder weniger guten Lebensunterhalt mit ihrem Job. Diese Arbeitsplätze scheinen auf dem Spiel zu stehen. Dass dem nicht ganz so ist, brauche ich hier nicht vorzurechnen.
Er hält sich also für besonders sozial, wenn er diese Arbeitsplätze sichert. Und weil er ja nicht nur für seinen Heimatkreis Sozialminister ist, tut er das der Gerechtigkeit halber dann eben landesweit. Das sichert Arbeitsplätze und Wählerstimmen....
Alle anderen Argumentationen gegen die Umsetzung der UN BRK sind unnötiges unsinniges Geschwätz.
Von rgr
Oder besser gesagt ein Frage der Perspektive: Zu einem politischen Roll Back fehlt ein vorhergehender Roll Out.
Von rgr
Oder besser gesagt ein Frage der Perspektive: Zu einem politischen Roll Back fehlt ein vorhergehender Roll Out.
Von rgr
Eine Frage der Haltung.
Von rgr
Und ich denke, das es hier unter den Lesermeinungen auch Parteigänger der Grünen gibt, die lieber im Gebüsch hocken bleiben. Das Ergebnis: Keine Verteidigung der eigenen Regierungspolitik und kein Abrechnung mit innerparteilichen Gegnern.
Ein einziger Rundown der demokratischen Kultur. Verzeiht meine Worte.
Von rgr
Und ich denke, das es hier unter den Lesermeinungen auch Parteigänger der Grünen gibt, die lieber im Gebüsch hocken bleiben. Das Ergebnis: Keine Verteidigung der eigenen Regierungspolitik und kein Abrechnung mit innerparteilichen Gegnern.
Ein einziger Rundown der demokratischen Kultur. Verzeiht meine Worte.
Von rgr
Ich spreche lieber von Restauration statt von Rollback. Nicht das ich was gegen Anglizismen habe. Die Übersetzung wäre auch korrekt. Aber zum Rollback fehlt mir die propagandistische Begleitung. Kein solcher 'Entscheidungsträger' wagt sich an die Öffentlichkeit und statt 'Inklusionsgefassel' herrscht kühl kalkuliertes Schweigen.
Union und Grüne haben ein weiteres Mal in Länder Regierungsverantwortung inklusive Bildung gestoppt und Absonderungseinrichtungen durch Beschlüsse restauriert.
Das Landesminister mit einer Haut herum laufen an der alles abzuperlen scheint - nun dem ist so. Aber das auch die Mitglieder und Gremien dieser Parteien so davon kommen wollen - das geht gar nicht.
Unser Problem: Wir können uns nur dann reiben wenn wir eine Reibungsfläche finden. Und die wird nicht mehr geboten. Also müssen wir nachsetzen und Debatten um inklusive Bildung ständig neu entfachen, damit überhaupt Gelegenheit geschaffen wird, das sich sogenannte 'Entscheidungsträger' auch mal verquatschen können. Aus den Parteien CDU und Grüne kommt erstmal nichts.
Von Dr. Theben
Jedenfalls spottet dieser INKLUSIVE-ROLLBACK dem Inklusionsgefassel so mancher Entscheidungsträger Hohn
Inklusive Grüße von
Dr. Martin Theben
Von rgr
@Annika
Diese Politik rührt kaum vom Interesse der Schüler nach guten Entwicklungschancen, noch vom Interesse der Sonderpädagogen her. Es ist die Landesregierung aus CDU und Bündnis 90 Die Grünen.
Es ist Klassenkampf von oben mittel dreigliedrigem Schulsystem und privaten Bildungseinrichtungen. Eine 'geängstigte' Zweidrittel-Gesellschaft steckt ihre Interessen ab, privatisiert gesundheitliche und soziale Risiken und tritt nach denen 'dort Unten' und 'dort Draußen'.
Von Annika
Das Ganze ist ja mehr als seltsam und erschließt sich mir überhaupt nicht.
Warum sollen gerade die Sonderschulen mit dem Förderschwerpunkt Lernen erhalten bleiben und dann noch eine geringere Mindestschülerzahl haben (als die mit Schwerpunkt geistige Behinderung) ???
Es ist doch längst wissenschaftlich erwiesen, dass diese Schüler am meisten von inklusiver Beschulung profitieren.
Ich kann nur noch zum wiederholten mal feststellen, dass es hier garnicht um die Schüler geht- sondern um die Sonderpädagogen, die bei der Inklusion einfach nicht mitmachen wollen! Anscheinend haben diese die bessere Lobby als behinderte Kinder...
Meine Warnung ist gleichzeitig meine Hoffnung:
Hochmut kommt vor dem Fall- wenn Ihr Euch weigert Eure Arbeit zu machen, brauchne wir Euch vielleicht nicht mehr!