Inklusion - kein Thema im bayerischen Wahlkampf?

Veröffentlicht am von Ottmar Miles-Paul

Dinah Radtke bei der Wahlveranstaltung mit Plakat
Dinah Radtke bei der Wahlveranstaltung mit Plakat
Bild: ZsL Erlangen

Erlangen (kobinet) In gut zwei Wochen findet in Bayern die Landtagswahl statt, die aufgrund der in Umfragen derzeit prognostizierten Schwäche der CSU spannend werden dürfte. Dinah Radtke hat den Wahlkampf zusammen mit einer Kollegin vom Erlanger Zentrum für selbstbestimmtes Leben (ZSL) genutzt und bei einer CSU Veranstaltung in Erlangen zum Thema "Beste Chancen, beste Bildung für unsere Kinder" nachgefragt, was dies für die Inklusion bedeute. Ihre Erfahrungen darüber waren ernüchternd, wie sie den kobinet-nachrichten schrieb.

"Im Flyer zur Veranstaltung kam das Wort 'Inklusion' gar nicht vor und auch nicht in den Redebeiträgen der Politiker, dem bayerischen Innenminister Joachim Herrmann und dem bayerischen Kultusminister Bernd Sibler. Themen waren, wie in dem Flyer aufgelistet: mehr Lehrer, Schulpsychologen und -pädagogen, Ganztagsbetreuung, berufliche Bildung, Chancengerechtigkeit und 50 000 digitale Klassenzimmer. Behinderte Kinder kamen nicht vor. Wir hatten extra Plakate vorbereitet, damit wir auch auffallen bei der Veranstaltung. In der Diskussion merkte ich an, dass ich enttäuscht sei, dass Inklusion und behinderte Kinder nicht erwähnt wurden. Auf meine Frage nach einer Vereinfachung der Antragstellung für die Schulbegleitung ging er gar nicht ein. Auf die Frage der Umsetzung der UN-Behindertenrechtskonvention und Förderung der Inklusion wurde vom Kultusminister hervorgehoben, dass es weiterhin Förderschulen geben werde, aber auch in Regelschulen extra Klassenzimmer für behinderte Kinder. Ganz stolz verkündete er die neue Einrichtung von zwei zusätzlichen Lehrstühlen für Sonderpäagogik. Am Ende seiner Erläuterungen sagte er noch, dass die körperbehinderten Kinder nicht das Problem seien", berichtet Dinah Radtke.

Angesichts dieser ernüchternden Erfahrungen im Wahlkampf betonte die langjährige Kämpferin für Behindertenrechte, die vor kurzem auch zur stellvertretenden Vorsitzenden des Seniorenbeirates der Stadt Erlangen gewählt wurde: "Aber wir dürfen uns nicht entmutigen lassen. Gerade beim Thema Inklusion und Bildung müssen wir noch viel kämpfen und Überzeugungsarbeit leisten. Wenn nicht genügend finanzielle Mittel für ausreichendes Personal bereitgestellt wird, dann klappt es mit der Inklusion nicht."