Bentele wird Behindertenbeauftragte
Veröffentlicht am von Franz Schmahl
Bild: DBS
München (kobinet) Die blinde Biathletin und Skilangläuferin Verena Bentele wird neue Beauftragte der Bundesregierung für die Belange behinderter Menschen. Das berichtet die Süddeutsche Zeitung (Donnerstag-Ausgabe). Offiziell wurde die online verbreitete Meldung noch nicht bestätigt. Nach Informationen der Süddeutschen Zeitung soll Bentele auf Vorschlag von Bundessozialministerin Andrea Nahles (SPD) den bisherigen Amtsinhaber, den CDU-Bundestagsabgeordneten Hubert Hüppe, ablösen.
Bentele, 31, war von 1995 bis 2011 Mitglied der Nationalmannschaft im Skilanglauf und Biathlon. Sie nahm an vier Paralympischen Spielen (zwölf mal Gold) und drei Weltmeisterschaften teil. Im Mai 2012 trat die zuletzt freiberufliche Referentin im Bereich Personaltraining der SPD bei.

Von ottmar
Will nicht Beauftragter werden
Nachdem ich einige Tage unterwegs war und jetzt einige Leserbriefe zum Thema Bundesbehindertenbeauftragte gelesen habe, möchte ich kurz zurück melden, dass ich nicht Bundesbehindertenbeauftragter werden möchte. Das schreibe ich deshalb, weil einige meinen Namen in Leserbriefen ins Spiel gebracht haben. Das ist nett, ehrt mich auch und dieses Vertrauen weiß ich auch sehr zu schätzen. Meine Lebensplanung sieht derzeit anders aus. Den Job als Landesbehindertenbeauftragter in Rheinland-Pfalz habe ich geliebt, gerne gemacht und nach meinen Kräften auch ausgefüllt, Aber nach meinem freiwilligen Ausscheiden aus diesem Job hat eine neue Phase meines Lebens begonnen, in der ich mich natürlich behindertenpolitisch engagiere, aber etwas mehr auf meine Gesundheit achten muss.
Wenn Verena Bentele diese Woche den Job als Bundesbehindertenbeauftragte auch offiziell bekommt, wünsche ich ihr neben all den politischen Herausforderungen vor allem auch, dass sie auf sich achtet und in diesem Job gesund bleibt.
Ottmar Miles-Paul
Von Arnd Hellinger
Das Problem dieser Personalie liegt in der Tat darin, dass Frau Bentele bisher eben gerade NICHT mit Aussagen zu Themen wie Barrierefreiheit, Inklusion, Teilhabesicherung, Assistenzfinanzierung etc. in Erscheinung getreten ist, von denen sie ja wegen ihrer eigenen Biographie ja auch (bisher) nicht betroffen ist/war. Das birgt gewisse Gefahren ihrer Manipulierbarkeit durch den "Berliner Betrieb" - also Kostenträger, Leistungsanbieter, Ministerialbürokratie...
"Nicht über uns ohne uns" sieht anders aus. Daher appelliere ich an Frau Nahles, ihre Entscheidung nochmals - etwa zu Gunsten von Hubert Hüppe oder gerne auch Ottmar Miles-Paul - zu überdenken.
Oder bedarf es hier erst einer öffentlichen Petition???
Von Horst Martin
Ich finde den Schritt von Frau Nahles richtig, eine engagierte, kommunikativ sehr starke Betroffene zu wählen. Wer Frau Bentele kennt, weiß dass sie alles dafür tun wird, dieses Amt mit dem ihr eigenen unbändigen Willen und ihrem Engagement im Sinne der anderen Betroffenen auszufüllen. Frau Bentele ist dafür bekannt, dass sie in der Lage ist, Grenzen zu überwinden und Neues auszuprobieren. Sie hat mit ihren 31 Jahren als sehbehinderter Mensch schon so viel Unglaubliches geschafft, wieso sollte sie diesem Amt nicht gewachsen sein. Ich habe großes Vertrauen in Frau Bentele, dass sie als Behindertenbeauftragte einiges in die richtige Richtung bewegen kann.
Von Alexander Drewes
Natürlich entspricht es einer langjährigen Forderung, dass die Vertretung behindertenpolitischer Interessen durch eine/n Selbstbetreoffene/n am besten zu bewerkstelligen ist, schon weil der-/diejenige am ehesten weiß, wo "der Schuh drückt".
Demnach ist Verena Bentele eine Idealbesetzung?
Eindeutig: jein. Sie erfüllt natürlich als blinder Mensch das Kriterium der Selbstbetroffenheit, auch mag es nicht unschädlich sein, jemanden als Behindertenbeauftragte zu benennen, die - aufgrund ihrer Erfolge bei den Paralympics - eine gewisse Prominenz aufweist.
Dabei sind wir auch schon beim großen Aber, nämlich der behindertenpolitischen Vorerfahrung von Fr. Bentele.
Zwar wird man von Politikern erwarten dürfen, dass sie willens und in der Lage sind, sich in ihnen eigentlich sachfremde Materien einzuarbeiten, insofern wird man Fr. Bentele durchaus eine gewisse Schonfrist zugestehen müssen und wohl auch wollen.
Einzig, Fr. Bentele ist eben gerade keine Politikerin und im politischen Alltagsgeschäft - anders als z.B. der durch eine jahrelange Zugehörigkeit zum Deutschen Bundestag im politischen Umfeld "akklimatisierte" Hubert Hüppe -, und in der Vergangenheit hat sich die Behindertenselbsthilfe regelmäßig daran gestoßen, wenn Behindertenbeauftragte/r jemand wurde, dem es an praktisch jeder behindertenpolitischen Vorerfahrung gefehlt hat.
Zudem hätte es auch in der SPD - mir fallen da sofort ungefähr zwei Dutzend Leute ein - genügend "Personal" gegeben, dem eine fundierte behindertenpolitische Kompetenz gerade nicht abzusprechen gewesen wäre. Ob das an der fehlenden Hauptamtlichkeit des Behindertenbeauftragten auf Bundesebene gelegen hat oder an anderen Gründen, die Fr. Nahles dazu bewogen haben mögen, nun gerade Fr. Bentele zu benennen, vermag ich nicht zu sagen.
Hüppe hat sich nicht nur durch seine hohe fachliche Kompetenz (und auch seine indirekte Selbstbetroffenheit), sondern auch dadurch ausgezeichnet, dass ihn die Behindertenselbsthilfe immer auf ihrer Seite wusste, eben weil er aus langjähriger Erfahrung und Praxis genau wusste, wie man welches Problem am sinnvollsten angeht und wo genau die Klippen (oder Fallstricke) einer Problemgestaltung liegen konnten.
Eine faire Chance sollte man Verena Bentele geben, einzig, es entsteht der ungute Eindruck, da sei - mal wieder - über uns ohne uns entschieden worden.
Von Friedrich Müller
Wenn die Meldung der Süddeutschen Zeitung stimmt – und wer zweifelt eigentlich daran –, muss man fast annehmen, dass Frau Bentele aufgrund ihrer mangelnden politischen Erfahrung von der SPD und dem Sozialministerium als Feigenblatt missbraucht werden könnte. Trotzdem sollte Verena Bentele gerade als Mensch mit Behinderung und damit als selbst Betroffene – eine faire Chance bekommen, sollte sie diesen Posten diesen Posten tatsächlich bekleiden.
Friedrich Müller, Stuttgart
Von behindertenrecht
Der Vorschlag klingt doch sehr vernünfig und erfolgsversprechend .
Da gibts doch nichts zu "meckern" .