Herausforderndes Langstreckenrennen
Veröffentlicht am von Franz Schmahl
Bild: BMAS
Berlin (kobinet) Ins Berliner Kleisthaus kommt wohl Verena Bentele als neue Beauftragte der Bundesregierung für die Belange behinderter Menschen. "Ich wurde gefragt und ich habe ja gesagt", erklärte heute die von Geburt an blinde Bentele: "Das Kabinett muss allerdings noch beraten, bevor die offizielle Ernennung erfolgen kann." Das Ministerium für Arbeit und Soziales bestätigte am Abend die Meldung der Süddeutschen Zeitung.
Auf die Aufgabe, die sie als "interessantes und herausforderndes Langstreckenrennen" bezeichnete, "freue ich mich sehr", zitierte die "Welt" Bentele: "Natürlich brauchte ich etwas Bedenkzeit, es ist schließlich ein anderer Arbeitsbereich. Aber es ist eine superspannende Aufgabe, die ich mit großer Freude angehen werde."
Friedhelm Julius Beucher, der Präsident des Deutschen Behindertensportverbandes (DBS), bezeichnete die Personalie als "wunderbare Nachricht für Menschen mit Behinderung in Deutschland und den Deutschen Behindertensport". Die ehemalige Langläuferin und Biathletin habe "bei vielen Gelegenheiten bereits eindrucksvoll unter Beweis gestellt, wozu Menschen mit Behinderung in der Lage sind".
2011 hatte sie ein Magisterstudium der Neueren Literaturwissenschaft, Sprachwissenschaften und Pädagogik an der Uni in München mit der Note sehr gut abgeschlossen. Sie ist Sportbotschafterin des internationalen paralympischen Komitees IPC. 2010 erhielt sie den Bambi in der Kategorie Sport. Zudem gehörte Bentele zum Wahl-Präsentationsteam bei der Olympia-Bewerbung Münchens für 2018. Zudem war sie als Expertin der ARD für die Paralympics im März in Sotschi vorgesehen.
Zu ihren Schwerpunkten in der Arbeit als Behindertenbeauftragte will sich Bentele "erst beim Amtsantritt äußern". Ihren Lebensmittelpunkt wird sie wohl in München behalten, "aber ich werde sehr oft in Berlin sein".

Von Sabine Fichmann
Gut gemeint ist nicht immer gut gemacht......
Ich habe Zweifel, ob Frau Bentele ohne jegliche politische Erfahrung etwas bewegen kann.
Ich habe auch Zweifel, dass eine so auf Leistung ausgerichtete Sportlerin die Belange und Nöte nicht leistungsfähiger Behinderter erkennen wird. Ich befürchte ebenfalls eher Stillstand als Langstreckenrennen, aber ich würde sehr gern eines Besseren belehrt werden............
Von Christiane
Sven, natürlich ist es eine Schaufensteraktion. Warum sonst wählt man jemanden ohne (behinderten-)politisches Profil? Geschickter Schachzug der GroKo, man ist ja auf die Forderung eingegangen, eine behinderte Person zur Behindertenbeauftragten zu machen, aber das Amt mit jemandem zu besetzen, die weniger unbequem ist als Hüppe es war. Das muss man erst mal schaffen. Das wird kein Langstreckenrennen, das wird Stillstand.
Von Sven Drebes
Gratulation!
Ich drücke ganz fest die Daumen, dass Frau Bentele diesen Hürden-Slalom-Marathon meistert!
Ich hoffe, die Bundesregierung hat sie berufen, weil sie dem Amt mehr Legitimität verschaffen will, und nicht, um es zu schwächen. Die Berufung einer Quereinsteigerin ohne parlamentarischen Rückhalt und die vermutliche Stellung als zumindest formal weisungsgebundene Angestellte des Ministeriums bergen die Gefahr, dass Frau Bentele ihr Amt nicht so frei ausführen kann wie Hubert Hüppe oder Karl-Herrmann Haack es konnten. Hoffentlich hat Andrea Nahles den Mumm, ihr den Freiraum und Rückhalt zu geben, den Ottmar Miles-Paul bei Malu Dreyer hatte, auch und gerade dann, wenn Frau Bentele unbequem wird!
Wenn nicht, wäre Frau Benteles Berufung eine reine Schaufenster-Aktion!