Stolperweg zu inklusiver Bildung
Veröffentlicht am von Franz Schmahl
Bild: Irina Tischer
Hannover (kobinet) Niedersachsens Behindertenbeauftragter Karl Finke sieht noch viele Stolpersteine auf dem Weg zu einem inklusiven Bildungssystem. „Trotz Vorwärtskommens ist der Erfolg der Inklusion in Frage gestellt. Denn leider bleibt die Förderschule nach wie vor für viele Jugendliche Endstation“, erklärte Finke heute unter Hinweis auf den aktuellen Datenreport „Update Inklusion“, mit dem die Bertelsmann Stiftung den Zwischenstand zur Einführung eines inklusiven Schulsystems in Deutschland erfasst hat.
Positiv hebt Finke hervor, dass sich die Regelschulen in Niedersachsen für immer mehr Förderschülerinnen und Förderschüler öffnen. Nachdenklich aber stimmt ihn der nachgewiesene Anstieg von Schülerinnen und Schülern mit sonderpädagogischem Förderbedarf. Diese Tendenz zur vermehrten Diagnose besonderer Förderbedarfe habe sich im Schuljahr 2012/2013 weiter fortgesetzt.
Bundesweit wurde bei 10 Prozent mehr Schülerinnen und Schülern ein besonderer Förderbedarf festgestellt als noch vor fünf Jahren. Fast 30 Prozent aller potenziellen Förderschülerinnen und Förderschüler entscheiden sich für den inklusiven Weg. Auch in Niedersachsen gibt es immer mehr Schülerinnen und Schüler mit besonderem Förderbedarf.
Bei 6,4 Prozent mehr Schülerinnen und Schülern bis zur zehnten Klasse wurde ein besonderer Förderbedarf festgestellt. Das Fazit des Landesbeauftragten für Menschen mit Behinderungen fällt deshalb besorgt aus: Während einerseits der Inklusionsanteil, also der Anteil der Förderschülerinnen und Förderschüler an allgemeinen Schulen, kontinuierlich ansteigt, bleibt die Exklusionsquote, also der Anteil der Förderschülerinnen und Förderschüler, die keine allgemeine Schule besuchen, unverändert.
Nur wenige Förderschülerinnen und Förderschüler erreichen mindestens den Hauptschulabschluss. Vor dem Hintergrund dieser Befunde des Datenreports stellt der Landesbeauftragte für Menschen mit Behinderungen fest: „Für mich stand und steht immer die gesellschaftliche Teilhabe von Menschen mit Behinderungen im Vordergrund. Jugendliche ohne Schulabschluss haben dagegen oft keine Perspektive auf gesellschaftliche Teilhabe.“ Die Inklusionsquote dürfe sich nicht nur auf den Inklusionsanteil beziehen, sondern müsse zeitgleich an der Senkung der Exklusionsquote gemessen werden. „Wir sind in Niedersachsen auf dem richtigen Weg zum gemeinsamen Lernen von nicht behinderten und behinderten Schülerinnen und Schülern, eine kurze Wegstrecke ist bewältigt. Jedoch liegen noch viele Stolpersteine auf dem Weg zur inklusiven Beschulung vor uns, die es gilt, gemeinsam zu beseitigen.“
