Deutschland von inklusivem Bildungssystem weit entfernt
Veröffentlicht am von Ottmar Miles-Paul
Bild: Irina Tischer
Berlin (kobinet) Nach Ansicht der behindertenpolitischen Sprecherin der Bundestagsfraktion von Bündnis 90/Die Grünen Corinna Rüffer ist Deutschland von einem inklusiven Bildungssystem noch weit entfernt. Dies erklärte die Bundestagsabgeordnete angesichts der Fakten des Schwerpunktkapitels "Menschen mit Behinderung im Bildungssystem" des Bildungsberichts 2014, der letzte Woche veröffentlicht wurde.
"Auch fünf Jahre nach Inkrafttreten der UN-Behindertenrechtskonvention sind wir von einem inklusiven Bildungssystem in Deutschland noch sehr weit entfernt. Der Großteil der Kinder mit sonderpädagogischem Förderbedarf besucht nach wie vor eine Förderschule; die Förderschulbesuchsquote ist nicht nennenswert zurückgegangen. Auch jenseits rechtlicher Verpflichtungen besteht hier erheblicher Nachholbedarf, denn inklusive Bildungsangebote sind der Grundstein für gleichberechtigte Teilhabe auch in anderen Lebensbereichen", erklärte Corinna Rüffer. Das habe auch die Studie zur "Berufsausbildung junger Menschen mit Behinderungen" festgestellt: "Wer einen Ausbildungsplatz sucht, kommt mit dem Abschlusszeugnis einer Förderschule nicht weit. Die allermeisten Arbeitgeber bevorzugen einen Hauptschulabschluss. Doch drei Viertel der Schülerinnen und Schüler, die eine Förderschule besuchen, erreichen keinen Hauptschulabschluss – obwohl Deutschland sehr viele Ressourcen in sein ausdifferenziertes Förderschulsystem steckt."
In der aktuellen Debatte, ausgelöst durch den "Fall Henri", werde das Ziel des gemeinsamen Lernens von Kindern mit und ohne Beeinträchtigung von manchen in Frage gestellt. Doch es gehe längst nicht mehr darum, ob wir ein inklusives Bildungssystem aufbauen. Dazu sei Deutschland laut UN-Behindertenrechtskonvention verpflichtet. "Es geht lediglich um das wie. Und dazu gehört auch, dass wir die Expertise und die Ressourcen, die im deutschen Förderschulsystem stecken, in das Regelschulsystem einfließen lassen", erklärte Corinna Rüffer.

Von Uwe Heineker
Diesem Bericht möchte ich ergänzend noch folgendes drauf setzen:
Die letzten 41 (!) Jahre wurden in der Tat bildungspolitisch verschlafen:
bereits 1973 (!) sprach der Deutsche Bildungsrat eine Empfehlung zum integrativen Unterricht von Kindern mit und ohne Behinderung aus.
Seit 1975 gibt es Konzepte in Deutschland, die zeigen, wie Gemeinsamer Unterricht umgesetzt werden kann.
Diverse Schulversuche wurden seitdem wissenschaftlich begleitet und ausgewertet.
Während die Wirksamkeit vom Gemeinsamen Unterricht zahlreich wissenschaftlich belegt wurde, existiert nicht eine repräsentative Studie, die die Wirksamkeit von Förderschulen belegt.
Hier fragt keiner nach wissenschaftlichen Studien.
Die Argumentation “Wir brauchen erst wissenschaftliche Ergebnisse” wird oft und gerne verwendet, um inklusive Prozesse möglichst auf die lange Bank zu schieben - pure Hinhaltetaktik eben ...