Neues Piktogramm
Veröffentlicht am von Martin Ladstätter
Bild: Accessible Icon Project
New York (kobinet) Als erster US-Bundesstaat hat New York letzte Woche ein Gesetz erlassen, dass ab nun ein neues Piktogramm für Behinderung verwendet wird. Dies berichtete kürzlich der österreichische Nachrichtendienst BIZEPS-INFO.
Es zeigt einen Rollstuhlfahrer oder eine Rollstuhlfahrerin in einer nach vorne gelehnten Position, der oder die gerade dabei ist, den Rollstuhl zu "fahren". Die Räder sind durchbrochen, so soll die Bewegung symbolisiert werden.
"Diese Änderungen sind ein wichtiger Schritt, das Verständnis von Barrierefreiheit in der Gesellschaft zu korrigieren und die Stigmatisierung zu beseitigen", so Andrew Cuomo, Gouverneur des Bundesstaates New York.

Von Gisela Maubach
Lesebrille hat geschrieben:
"So sehr ich ihr Anliegen verstehe, geht es m. E. hier am Thema vorbei".
Richtig - und genau das ist ja das Problem, denn ich hatte meinerseits geschrieben, dass "Menschen mit geistiger Schwerstbehinderung in den zu diskutierenden Themen nicht mehr auftauchen".
Wenn nur noch einseitige Themen überhaupt auftauchen, gehen diejenigen Menschen, die ohnehin schon am meisten ausgegrenzt werden und deren wirkliche Benachteiligungen grundsätzlich nicht thematisiert werden, im Umkehrschluss dann ja immer (!) am Thema vorbei. Wirkliche Inklusion wäre auf diese Weise dann ja von vornherein ausgeschlossen.
Außerdem bin ich nach wie vor der Meinung, dass "Stigmatisierung beseitigen" sehr wohl die Frage aufwirft, von welcher Form von Behinderung man sich mit einer derartigen Formulierung abgrenzen will und was diejenigen dabei empfinden, die zu genau demjenigen Personenkreis gehören, mit dem man sich nicht identifizieren will.
Hier fehlt offensichtlich (noch) jegliches Bewusstsein.
Von Lesebrille
Wenn ich den Artikel aus NY richtig verstehe, kam man damit dem Wunsch von Menschen mit Behinderung nach. Das finde ich in Ordnung. Bei einem Logo, das lediglich Rollstuhlzugängliches zeigen soll, geht es nicht um eine Gesamtdiskussion über Inklusion, Frau Maubach. Das hat auch das alte Logo nicht hergegeben. So sehr ich ihr Anliegen verstehe, geht es m. E. hier am Thema vorbei. Auch ich werde mit dem Logo nicht 1:1 abgebildet, habe aber auch dann kein Problem damit, wenn ich E-Rolli fahre. Im übrigen finde ich mich als Schwerhörige auch nicht im Bild des durchgestrichenen Ohres wieder, meine Ohren fehlen ja nicht. Als Piktogramm hat es jedoch Wiedererkennungseffekt. Genau dazu dient es.
Von Gerti
@ Frau Maubach:
Mich, die ich Rollstuhlfahrerin bin, nervt es, dass offensichtlich nur noch auf Leistung getrimmt wird.
Andere Behinderungen, wie die der mentalen, werden offensichtlich ganz und gar ausgeblendet.
Dabei ist die soziale Absicherung von Behinderten (mit mentaler und anderer Behinderung) in den usa ganz und gar nicht so rosig, wie hie' und da einem / einer vorgegaukelt wird.
Die Festlegung, was _Leistung_ sie, derart extrem gesellschaftlichen (politischen) Umwelteinflüssen und eigenen Befindlichkeiten ausgesetzt, wie vielleicht kein anderer Begriff.
Und die Elektrorollstuhlfahrer_innen und die Behinderten, die den Rollstuhl schieben lassen?
Es wird darauf gesetzt, dass nur noch derjenige gesehen und berücksichtigt wird, der von sich aus sich fortbewegen kann.
Dabei ist das Sich-Selbst-im-Rollstuhl-Fortbewegen eine extrem körperschädliche Fortbewegungsart.
Niemand im Sportstudio macht hintereinanderweg einhundert Mal ein- und dieselbe Bewegung, noch dazu auf unebenem Terrain.
Aber Rollstuhlfahrer_innen sollen hieran erstarken?
Von Gisela Maubach
"Stigmatisierung beseitigen"???
Wer dies weiterdenkt, versteht vielleicht auch, warum Menschen mit geistiger Schwerstbehinderung in den zu diskutierenden Themen nicht mehr auftauchen.
Leistungsfähigkeit demonstrieren - also Stigmatisierung beseitigen - bedeutet, dass man sich von Hilflosigkeit distanzieren will.
Wer keine geistige Behinderung hat, will auch nicht in diese Schublade gesteckt werden.
"Stigmatisierung beseitigen" führt nun allerdings zunehmend auch zu einer "Beseitigung" derjenigen Menschen, die aufgrund ihrer schweren geistigen Behinderung eben doch hilflos sind und ihre Tage einrichtungsgebunden unter sich verbringen.
Ist es nötig, diese Menschen zu "vergessen", weil man sich mit ihnen nicht identifizieren will?
Mittlerweile stellt sich die Frage, wie lange "die" Behindertenpolitik die "Beseitigung" dieses Themas auch noch Inklusion nennt.